Frankfurter Gemeine Zeitung

In Davos ist was los

Davos-Switzerland

Bekanntlich haben sich zur Zeit in Davos wieder einmal Berühmtheiten zum Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum) versammelt: 2600 sind es dieses Jahr, mehr als je zuvor, darunter 1600 Topmanager und 60 Regierungschefs. Der Gründer des WEF, Klaus Schwab, zeigte sich im Vorfeld der Monsterveranstaltung selbst- und Kapitalismuskritisch:”Man kann durchaus sagen, dass das kapitalistische System in seiner jetzigen Form nicht mehr in die heutige Welt passt”, sagte Schwab der “Financial Times Deutschland”. Man habe es versäumt, die richtigen Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. „Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist nicht länger das Wirtschaftsmodell, das die globalen Probleme lösen kann.“ Ein weltumspannender Geist der sozialen Verantwortung sei daher nötiger als jemals zuvor “Wir haben es nicht rechtzeitig geschafft, Regeln zu etablieren, um eine Pervertierung des Systems zu verhindern”. In seiner Begrüßung wies Schwab darauf hin, dass die Liste der globalen Risiken im Global Risk Report, der von 469 Experten erstellt wird, von Jahr zu Jahr länger wird. Dieses Jahr sind wir bei 50 Risiken angekommen, von denen sich viele ihrem „tipping point“ nähern, also dem Punkt, an dem sich entscheidet, ob eine Katastrophe eintritt oder nicht. Nicht alle sehen die Welt vor den großen turning points, wie der gestrige Eröffnungsvortrag of our very own Angela Merkel demonstrierte.Die größte von ihr befürchtete Katastrophe wäre, dass die deutsche Leistungsfähigkeit zu stark beansprucht wird. “Denn wenn Deutschland, stellvertretend für alle europäischen Länder etwas verspricht, was bei harter Attacke der Märkte dann auch nicht einlösbar ist, dann hat Europa eine ganz offene Flanke.” Dass es Aufgabe der Staaten sein könnte, den “harten Attacken der Märkte” etwas entgegen zu setzen, liegt offenkundig außerhalb des Vorstellungskreises unserer Kanzlerin. George Soros stellte danach fest, was nahezu die ganze Welt an der deutschen Position kritisiert: Deutschland zwinge die anderen Europäern einen verheerenden Sparkurs auf und behandle die schwächeren Euro-Länder faktisch wie Dritte-Welt-Staaten.
Jahr für Jahr wird am ersten Tag des Wirtschaftsgipfels auch eine Diskussionsrunde über die Frage abgehalten: Wie geht es weiter mit der Weltwirtschaft? Dieses Jahr hingegen ging man gleich aufs Ganze:  “Debate on Capitalism“, eine “Debatte über den Kapitalismus” hatten der Sponsor, das Nachrichtenmagazin “Time” und das WEF für die Auftaktveranstaltung auf’s Programm gesetzt. ” Stimmt es, dass der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht gerecht wird, fragte der Moderator,  “Time”-Chef Jim Frederick das Publikum. Nahezu die  Hälfte der  400 Zuschauer hob die Hände. Und das war nicht etwa das Audimax einer linken Hochschule (wenn es so  etwas noch gäbe). “Wir haben ungefähr noch drei, vier Jahre, unser Modell zu verbessern”, sagte Mitgründer und Chef der amerikanischen Private-Equity-Firma Carlyle Group, David Rubenstein auf dem Podium. “Und wenn wir das nicht tun, wird das Spiel vorbei sein”  “Wir erleben eine Transformation” sekundierte Alcatel-Lucent-Boss Verwaayen,  “wir lassen die Welt, wie wir sie kannten zurück.” Das Publikum ging teilweise noch einen Schritt weiter:  Der New Yorker Journalismus-Professor und Star-Blogger Jeff Jarvis in der  ersten Zuschauerreihe monierte, auf dem Podium seien nur “die alten Institutionen” des Kapitalismus vertreten,  die “es verdienen, offen gesagt, zu zerbersten”. Dafür bekam er lauten Beifall.

Wird diese Kritik etwas nützen? Nein. Wird man jetzt “Regeln etablieren, um eine Pervertierung des Systems zu verhindern”? Nein. Deshalb verabschieden wir uns aus Davos mit dem schönen Gedicht von Klabund:

Davos

Ich bin in einer winterlichen Frühe
Auf dem bezaubernden Balkon erwacht.
Im Morgenschlaf dehnt sich die weisse Mühe,
Umnebelt noch vom Schleiergeist der Nacht.

Ein Schlitten klingelt vor verhangnen Fenstern,
Und eine Wolke schwebt und ist ersehnt.
Es werden ferne Glocken von Gespenstern
Geläutet, deren Sichel mondwärts lehnt.

Bin ich der Ewige, der ich gewesen?
Die Sonne bricht aus meinem Mund mit Schrei,
Und vor der Pforte schwingt ein Stern den Besen
Und macht den Weg für meine Schritte frei.


9 Kommentare zu “In Davos ist was los”

  1. gaukler

    Bin ich der Ewige, der ich gewesen?
    Eine gute Frage. Jeff Jarvis aber, der sich schon nach ganz vorne in die erste Zuschauerreihe gemodelt hat, möchte sicher bloß bei der gleichen Veranstaltung oben, auf dem Podium sitzen.

  2. Wallacerhymn

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