Mao und Stalin waren Rechte- Eine Antwort auf Erika Steinbach und Götz Aly
Eine Twitter-Nachricht von der CDU-Rechtsaußen und professionellen Geschichtsrelativistin Erika Steinbach löste einen kleinen journalistischen Wirbelsturm im deutschen Wasserglas aus.
Oder vielleicht sollte man es auch einen Shitstorm nennen, zumal dieses Wort ohnehin zu den aktuell meistbenutzten Modewörtern gehört und das Gesagte von Erika Steinbach und Götz Aly mit dem Wort „Shit“ auch gut zusammengefasst ist?
Jedenfalls war die gute Frau Steinbach der Meinung, die NSDAP sei eigentlich eine linke Partei gewesen, weil ihr Name ein „S“ welches für „sozialistisch“ steht, enthält.
Hier stellt sich mir die Frage, wie Erika Steinbach die politische Ausrichtung der CDU-Schwesterpartei, der CSU, beurteilt- schließlich haben die ja auch dieses böse „S“ im Namen, diese verkappten linken Socken.
Aber historische Fehleinschätzungen von Tante Erika sind ja nichts Neues und eine gesunde Portion Geschichtsblindheit gehört schließlich zu den Schlüsselqualifikationen im Berufsbild einer Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.
Anders könnte man diesen Job gar nicht machen, ohne dass einem beim morgendlichen Blick in den Spiegel speiübel werden müsste.
Zu Erika Steinbachs mangelndem Geschichtsbewusstsein sei nur einmal an ihre Verteidigung der Deutschen Wehrmacht als „saubere Armee“ während der Wehrmachtsausstellung in den 90er Jahren erinnert, ein Mythos, der inzwischen gründlich ausgeräumt ist, im steinbachschen Geist aber mit Sicherheit auch heute noch weiterlebt.
Obendrein könnte man ohne eine gewisse Ausblendung historischer Tatsachen auch gar nicht guten Gewissens CDU-Mitglied sein, da die CDU zumindest von ihrer personellen Besetzung in der frühen Bundesrepublik die Bezeichnung „NSDAP-Nachfolgepartei“ ebenso sehr verdient hat, wie heute die die LINKE die Bezeichnung „SED-Nachfolgepartei“.
Dass allerdings nun der Historiker Götz Aly, der es eigentlich besser wissen müsste, in das gleiche Horn stößt, ist tragisch, auch wenn es angesichts dessen sonstiger geistiger Ergüsse nicht besonders überraschen mag.
Denn war die NSDAP eine linke Partei? Mitnichten!
Andersherum gedacht, würde vielleicht ein Schuh draus:
Nicht die NSDAP war links, sondern die „kommunistischen“ Massenmörder Stalin und Mao waren Rechte.
Schließlich ist ein Charakteristikum linker Politik deren internationalistische Ausrichtung. Einer der bekanntesten Schlachtrufe linker Protestler lautet „Hoch die internationale Solidarität!“. Das Lied „Die Internationale“ ist noch immer eine Hymne und ein identitätsstiftendes Moment der Linken.
Radikale Linke träumen von einer „Weltrevolution“, während weniger radikale Linke von einer Transformation in Richtung einer internationalen Weltordnung träumen, die die Ideen von Freiheit und Gerechtigkeit besser verwirklicht, als die jetzige.
Linke befürworten mehrheitlich eine multikulturelle Gesellschaft und lehnen Nationalismus strikt ab.
Der scheinbar linke Anspruch einer nationalsozialistischen Partei wird durch den nationalen Gedanken in sein Gegenteil verkehrt und die Aussage Steinbachs über die NSDAP ist gleichwertig mit der Aussage „1 = -1“. (enthält schließlich beides die Ziffer „1“)
Auf den gewichtigen Unterschied zwischen linken Ideen und einem sogenannten „nationalen Sozialismus“ der sich auf „Exklusion, Verfolgung und Vernichtung“ ausrichtet wies auch schon das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung hin.
Götz Aly verwies daraufhin auf die Morde der Regime in der Sowjetunion, China, Jugoslawien und Kambodscha. Zu diesen habe der sozialistische Internationalismus geführt.
Doch genau hier irrt Götz Aly.
In keinem dieser Staaten wurde sozialistischer Internationalismus praktiziert, sondern vielmehr nationaler Sozialismus.
Die beiden größten kommunistischen Massenmörder Stalin und Mao gaben dem Sozialismus in ihren Ländern eine klar nationalistische Richtung. Stalins Konzept des „Sozialismus in einem Land“ stellte eben genau ein entgegengesetztes Konzept zum Internationalismus dar.
Auch Maos Ideen waren vom Nationalismus zutiefst durchdrungen. Hier zwei kleine Zitate aus meiner persönlichen „Mao –Bibel“:
„Unsere Aufgabe besteht gegenwärtig darin, den Staatsapparat des Volkes- das sind hauptsächlich die Volksarmee, die Volkspolizei und die Volksgerichte- zu stärken, um die Landesverteidigung zu festigen und die Interessen des Volkes zu schützen.“ („Über die demokratische Diktatur des Volkes“ 30. Juni 1949, Ausgewählte Werke Mao Tse Tungs, Bd. IV)
„Unserer Nation ist von alters her ein Stil harten Kampfes eigen, den wir entwickeln müssen…“ („Rede auf der Kundgebung in Yenan zur Feier des internationalen Festtages der Werktätigen“, 1. Mai 1939)
Zwar sprach der „Große Vorsitzende“ auch gerne von „Internationalismus“ und „kommunistischer Internationale“ jedoch waren dies Lippenbekenntnisse, die sich in seiner praktischen Politik nicht bemerkbar machten.
Mao und Stalin waren nationale Sozialisten, genau wie Pol Pot, Ceausescu und Tito.
Doch nicht nur in Bezug auf den Nationalismus haben die genannten Diktatoren mehr mit rechten, als mit linken Ideen gemein.
Auch der Pazifismus, welcher von Rechten in letzter Zeit gerne als „Appeasement“ oder „Gutmenschentum“ verschrien wird, ist wohl ein klassisches Merkmal linken Denkens. Und an dieser Stelle kann man ohne zu übertreiben sagen: Die genannten Diktatoren waren allesamt frei von der „Schwäche“ des Pazifismus.
Die Staatsführung von all den genannten Diktatoren war eine faschistische, aber nicht eine „links-faschistische“ (was ohnehin nur ein Kampfbegriff der Rechten ist), sondern eine faschistische im eigentlichen Sinne.
Hinzuzufügen ist dem noch, dass alle „kommunistischen“ Diktatoren nachdem sie an der Macht waren, konservativ im wahrsten Sinne des Wortes agierten, also auf den Erhalt (die Konservation) der unter ihnen geschaffenen Machtverhältnisse ausgerichtet waren.
Mao, Stalin, Pol Pot, Ceausescu und Tito waren Rechte, nicht die NSDAP links!
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Letztlich sind „links“ und „rechts“ natürlich auch Definitionsfragen. Doch, dass aktuell diskutiert wird, ob die NSDAP eine linke Partei war und nicht die Frage ob Mao, Stalin, Pol Pot, Ceausescu und Tito in Wahrheit rechte Diktatoren waren, zeigt, was die beabsichtigte Richtung der Debatte ist.
Zeit, den Rechten nicht mehr die Definitionsmacht im öffentlichen Diskurs zu überlassen!