Frankfurter Gemeine Zeitung

Rundgang Campus Bockenheim, Samstag 10. März, 14 Uhr Bockenheimer Warte

Öffentlicher Raum, Verkehr und Klima

Die Bockenheimer Bürgerinitiativen führen begleitend zu den Planungswerkstätten
Kulturcampus Bockenheim“ Rundgänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf dem Campus Bockenheim an.

Welche Veränderungen ergeben sich durch die Umnutzung des Campus Bockenheim von einem Universitätsbetrieb zu einem gemischten Quartier mit (hoffentlich hohem)  Wohnanteil und Kultur und Gewerbe? Welche Auswirkungen hat das auf das Mikroklima? Ein weiterer Temperaturanstieg in dem belasteten Gebiet wird prognostiziert. Die Stadt Frankfurt will mit dem Plan „Grüngürtel nach innen und außen“ Speichen und Strahlenplan Antworten auf diese Entwicklungen in Frankfurt geben. Wie sieht das für das Planungsgebiet aus? Wo kann Verkehr reduziert werden?
Was sollte bei der Planung von neuen Gebäuden im Hinblick auf das Klima bedacht werden, welche Möglichkeiten gibt es neben dem Passivhausbau für eine nachhaltige Reduzierung von Schadstoffen und Einsparung von Energie?
Welche Plätze im Öffentlichen Raum gibt es, wie können sie genutzt werden, und welchen
Plätze könnten neu entstehen?
Vor Ort wollen wir uns mit dem Bestehenden konfrontieren und uns durch räumliche  Wahrnehmung des Areals und seiner Plätze anregen lassen für die Planung.

Die nächste Planungswerkstatt findet am 23. und 24. März statt. Freitags Beginn um
14 Uhr und Samstags um 10.00 Uhr. Ort: Saalbau Schwälmer Straße

Angelika Wahl


Touris verwursten

Frankfurter, die öfters durch die Gemeinde ziehen oder die passenden Stadt-Postillen lesen, kennen die Warnung: die Kellner in den Apfelweinkneipen am Ort, die etwas auf sich halten sollte man nicht von der Seite anquatschen, da gibt es einiges zurück: sie sind ausgewählt unfreundlich, Muffigkeit als Frankfurter Markenzeichen. Doch diese Zeiten sind einigermaßen passé, besonders seit Gast in diesen Etablisements Bier (!) bestellen kann und sogar bekommt. Und dann noch die Rede von der “Servicewüste”…

Davon haben sogar Touri-Führer was läuten hören. Und sie wissen, was seit Jahren den Stadtbewohnern offenbar ist. Das Kneipenviertel in Sachsenhausen ist out, runtergekommen, kein gutes Ziel mehr. Professionals und Erben aus dem Umland suchen “Authentizität”, Restbestände lokalen Lebens abseits der Finanz-Italiener ums Bankenviertel und noch nicht entdeckt von den Chinesen.  Deswegen kam die Bergerstrasse zu einem Haufen neuer Kundschaft, umso besser für die Hausbesitzer, die Mieten klettern ins Uferlose.

IMG_1583

Als Bernemer setze ich mich auch gerne mal in eine der vielen Kneipen vor Ort, kann aber die Zonen von Lebensweisen in der Bergerstrasse gut unterscheiden: nämlich nach  unten und oben, Tasse Kaffee für 2,20 oder für 1,80. “Unten” meint zunächst eine rein geografische Differenzierung, nämlich das Stück ab der Höhenstrasse hin zur Innenstadt. Das Nordend-Viertel mit den Boutiquen, den teuren Spaniern und den vielen Offroadern mit HG.

Bei einem der Spanier war ich mal vor Jahren: dort wurde mir zuerst von einer Aushilfe (und es gab natürlich fast nur Aushilfen in dem Laden) eröffnet, dass es nur eine sehr eingeschränkte Karte gebe, weil die Gefrierschränke im Keller ausgefallen waren. Auf meine Frage, warum denn die Küche dann nichts frisch zubereite entgegnete sie, dass immer alle ihre Essen fertig in den Kellertruhen einlagern. Ich hatte bereits registriert, dass ein Glas Navarra hier 8 Euro kostet, und zwar ein solcher, der sonst für 4,50 die Flasche verkauft wird, Faktor 7, messeunabhängig.

Na, die Authentizität ist hier eh ein Fake, die “Best Worscht”, von der manche Banker glauben, sie wäre Lokalkolorit und die es hier für 3 Euro plus x das Stück gibt ist eine Kette, die besonders in Einkaufszentren und in Eschborn zwischen Deutscher Bank und Deutscher Börse ihren Cash Flow generiert.

Also: nördlich der Höhenstrasse, besser noch nördlich des Uhrtürmchens jenseits der Phalanx von Fabrikbrotanbietern, hinter dem Wackers, da kann man die Lokalwelt noch in Ordnung wähnen, das ist “oben”, Bernem, nicht Nordend.

So dachte ich, auch wenn hier inzwischen scharenweise Projekter, Web-Designer und ähnliche Freelancer ihre Projektmanagements durchdiskutieren. Da kriecht schon ein Stück Einfallslosigkeit durch die Gänge.

Solches Besucherprofil funktioniert auch immer häufiger in einer von mir frequentierten Kneipe, die ihre Preise bereits auf Publikum mit gut Cash eingemessen hat und in der ich vor Tagen neben einem älteren ITler zu Sitzen kam. Der sah weniger nach Finanzbranche sondern nach altem Hacker-Freak aus und wartet seit Jahren auf den Vorruhestand. Entsprechend orderte er eine vergetarische Pizza, die es in dem Laden schon ab 10 Euro gibt, immerhin.

Das Ding sah gut aus, war knusprig, aber in einem einzigen Stück. Ganz schwer zu schneiden, besonders mit zartem Besteck. Aus dieser Misslichkeit entwickelte sich eine Szene, die als gewichtiges kulturelles Zeichen für sozio-kulturelle Umwälzungen im Stadtgebiet gelten kann. Der Software-Mensch fragte nämlich hinterm Tresen nach, ob die Küche nicht mit einem Schneidegerät das runde Stück vierteln könne, das würde ihm dann richtiges Essen ermöglichen. Der etwas phlegmatisch agierende Servicemann deklarierte nach einer Minute, dass die Küche solches Material nicht besitze und deswegen die Pizza auch nicht teilen könne.

Sichtlich verblüfft tracktiert der etwas verängstigte ITler weiter das harte, runde Stück, das Messer rutscht ab und fällt auf den Boden der Kneipe. Wieder eine Bitte an das Personal: “geben sie mir doch einfach ein passendes Messer aus der Küche, dann teile ich das gute Stück selbst”. Der Tresenmann kommt aus der Küche zurück und erklärt stoisch: “”Küchenmesser kommen grundsätzlich nicht in den Gastraum!”. Ob soviel Chuzpe wollte unser braver Pizzakunde gerade anheben, da ergänzte die Stimme hinterm Tresen großzügig: “Sie können das Essen aber gerne zurückgeben”. Ich vermute, das entsprang dem ersten Sieg des FSV seit 10 Monaten, konnte die Situation aber nicht wirklich beruhigen. Nach wenigen weiteren Schneideversuchen ohne echten Erfolg gab der Programmierer die Pizza zurück und verlangte zu zahlen.

Als die Rechnung mit dem vollen Preis der Pizza auf dem Tresen lag, der Chef vom Dienst erklärte, dass die Pizza in der Küche “für gut befunden” wurde, wusste ich, dass die Zunahme der Offroader mit MTK im letzten Jahr ein Menetekel war, ebenso wie die kaum noch erträgliche Fressstanddichte auf dem letzten Bernemer Mittwoch.

Es gibt markante Anzeichen, dass der Staffelstab des “da muß man gewesen sein” vom Sachselhausenviertel an die obere Berger übergeben wurde, fragt sich bloß, wo die Touribusse dann halten. Am Prüfling wurde ja schon gehörig Parkplatz geschaffen, nur 200 Meter weg. Was heißt hier eigentlich “Gentrifizierung”?


Veranstaltung: “Reaktionäre Ideologien in der Krise”

Anlässlich des “european day of action against capitalism – M31” bietet das Institut für Kategoriale Analyse eine Veranstaltungsreihe: Wir werden wir uns mit der, nun wieder eindrucksvoll bewiesenen, Krisenhaftigkeit des Kapitalismus, aber auch mit ideologischen Krisenlösungsmodellen, beschäftigen. Desweiteren werden wir stets auch einen Blick auf konkrete soziale Konflikte und Auf- bzw. Widerstände, wie sie derzeit beispielsweise in Griechenland passieren, werfen. Veranstaltungsort ist Wiesbaden.

5. März / 20.00 Uhr/ Café Klatsch: “Reaktionäre Ideologien in der Krise” mit Jan Schlemmermeyer vom Institut für kategoriale Analyse (Inkatan)

8. März / 20.00 Uhr / Sabot: Filmvorführung: “Für eine andere Welt

13. März / 19.00 Uhr / Café KlatschAufstände, Rassismus und die Krise des Kapitalismus – England im Ausnahmezustand” mit Moritz Altenried


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.