Frankfurter Gemeine Zeitung

Über das Essen von Tieren

Ja der Abendländer ist schon eine seltsame Spezies. Im Grunde hat er gar nichts dagegen Tiere zu quälen, zumindest so lange die Tierquälerei so geschieht, dass sie hinter verschlossenen Türen stattfindet und sie möglichst niemand mitbekommt.

In den Schlachthöfen wird im Akkord geschlachtet und die überfüllten Tiertransporter rollen weiterhin munter über die europäischen Autobahnen.
Naja, so denkt sich der Abendländer, das gehört ja alles irgendwie dazu, dass ich mein preisgünstiges Schnitzel im Supermarkt bekomme.
Damit hat er auch Recht!

Ich selbst fände es extrem repressiv und geradezu antidemokratisch, wenn sich Hartz4-Empfänger nicht wenigstens ihr Wurstbrot noch leisten könnten.
In diesem Sinne ist Discounterfleisch tatsächlich eine, zugegebenermaßen unschöne, Notwendigkeit und unsere Discountermärkte sind ein solcher Gewinn an Lebensqualität und Freiheit für das Proletariat, dass man ihnen auch kleine Unsauberkeiten im Verkauf des abgepackten Fleisches einfach nachsehen muss.
Außer von ein paar Wohlmeinenden (sogenannten Eumeniden), die eine Überdosis Karin Duve oder Jonathan Safran Foer erlitten haben, wird dies zum Glück auch nicht in Frage gestellt.

Doch das schlechte Gewissen isst bei vielen heimlich mit. Denn die lieben Tierchen, so wissen wir aus unseren Kinderbüchern, sind keine räuberischen Lebewesen ohne Reue, ohne Achtung vor irgendwelchem Leben, voll von rein triebbedingtem Egoismus, sondern sie sind unsere lieben Freunde, die am Puppentisch mit uns Tee trinken.
Winnie Puh und Tigger kämen nie auf die Idee das arme Ferkel totzubeißen und sich dann um seinen Leichnam zu balgen, schließlich würde das den armen Christopher Robin nicht besonders freuen.

Und da der Abendländer von schlechtem Gewissen gegenüber seinen lieben tierischen Freunden, die er gnadenlos abschlachten lässt, geplagt ist, muss er kompensieren und projizieren, was das Zeug hält.
Am einfachsten ist es dabei natürlich, mit dem Finger auf Andere zu zeigen und zwar am besten da, wo es möglichst wenig mit dem eigenen Leben zu tun hat.

China ist beispielsweise schön weit weg und von uns so kulturell verschieden, dass man sich darüber ganz toll mokieren kann. Chinesen sind nämlich die Tierquäler schlechthin, wie unsere lieben Tierfreunde in ihren Foren immer wieder zum Besten geben.
Schließlich züchten sie Bonsai-Kitten, essen hüpfenden Braten und was am allerunverzeihlichsten ist, des vereinsamten Misanthropen besten Freund, den Hund.
Da stört es auch nicht, dass zumindest die Bonsai-Kitten und der hüpfende Braten reine Hirngespinste europäischer Tierschutz-Empörter sind.
Wenn man erst mal so eine schöne Petition an die chinesische Botschaft geschrieben hat, schmeckt einem die Discounter-Frikadelle doch gleich wieder viel besser.

Auch gut geeignet sind Rumänen. Die sind zwar nicht so weit weg und außerdem EU-Mitglied, aber der Deutschländer ist ihnen gegenüber ohnehin ein Wenig misstrauisch, schließlich klingt Rumänien irgendwie nach Vampiren, Zigeunern, Einbrecherbanden und Wanderarbeitern, die uns die Arbeitsplätze wegnehmen.
Da kommt es dem deutschen Tierschutzaktivisten natürlich gut zupass, dass Rumänien seines Straßenhundeproblems nicht ohne Massentötungsaktionen beikommt.
Wieder eine Gelegenheit, sich einen Ablassbrief in Sachen Tiergerechtigkeit zu erwerben. Man schreibt sich einfach ein „Boykottiert Rumänien“ auf seinen Facebook-Account und schon hat man etwas Gutes getan (nicht, dass man vorher sonderlich viele rumänische Produkte gekauft hätte).
Das ist natürlich auch weniger anstrengend als den örtlichen Discounter zu boykottieren, denn wer kann es sich schon leisten, nur noch bei „Basic“ oder „Alnatura“ einzukaufen?


4 Kommentare zu “Über das Essen von Tieren”

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