Frankfurter Gemeine Zeitung

Bankers Babylon- ein Finanzspektakel der FGZ am 21.3. in der Naxoshalle

bb breit

Am Mittwoch, den 21. März, vermischen sich in einem großen drei Stunden Event in der Naxoshalle (Wittelsbacher Allee 29, Frankfurt/Ostend) ab 19 Uhr Wissenschaft, Theater und Musik zum Gesamtkunstwerk. Oder prallen brutal aufeinander: “BANKERS BABYLON” wird eröffnet, eine Reihe von Veranstaltungen und Web-Aktivitäten der FGZ gegen die Macht der Märkte in Frankfurt und anderswo.

Der Abend trägt den Untertitel-falls denn Abende Untertitel tragen können-: “Wie man Dinge möglich macht“. Der renommierter Soziologieprofessor, Attacberater und Gründungsmitglied des “Instituts für solidarische Moderne“, Klaus Dörre referiert über “Casino-Kapitalismus: Aufstieg, Fall und wundersames Überleben“. Frankfurter Rapper Florian Neeb und Mitglieder der Funk- und Hip-Hopband Klinsch liefern den urbanen Soundtrack dazu. Die Moonlightsisters beschwören in den provokanten Stadt-Gedichten des Ex-Titanicchefs Thomas Gsella die anzügliche Schönheit von Frankfurt und Bad Homburg (“Wo trägt man noch beim Vögeln Anzug?”) Das Theater Willy Praml führt mit einer kleinen Fabel von Nobelpreisträger Dario Fo weit zurück zu den Anfängen der kapitalistischen Landnahme und die Exmitarbeiterin eines Frankfurter Finanzdienstleisters mit einer Realerzählung über “Fukushima, meine Asienmesse und dreiäugige Fische” in die noch nicht wirklich vergangene Vergangenheit. Auch andere kapitale, kapitalistische Katastrophen kommen nicht zu kurz: Ein dokumentarischer Titanictext, der im Umkreis der historischen Naxoshalle entstanden ist, spiegelt sich in “Schwierige Zeiten für Insektendolmetscherinnen“, einem absurden Titanicstück des FGZ- Autors Bert Bresgen, das den jüngsten italienischen Kreuzfahrtunfall vorweggeträumt hat und dargeboten wird von Schauspielern des Frankfurter Kellertheaters (Stephanie und Lars Tonhausen).

Wir haben für diese und weitere Veranstaltungen auch eine Website und eine Facebookgruppe ins Leben gerufen, die dafür sorgen sollen, das aus den Veranstaltungen ein Rhizom der Veränderung erwächst.

(denn jedem Zauber wohnt ein Anfang inne)

Bankers Babylon am Mi., den 21.3.. von 19-ca. 22 Uhr in der Naxoshalle, Wittelsbacher Allee 29 (Nähe Mousonturm) Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €

Bankers Babylon ist eine gemeinsame Initiative der FGZ und des Rosa Luxemburg-Clubs Frankfurt


JA zu FRA!

JA zu FRA

Ich habe so einen Arbeitskollegen, der ein supernetter Kerl ist und mit dem ich mich immer richtig gut verstehe. Dieser Arbeitskollege hat ein Hobby und zwar das sportliche Fahren.
Er liebt einfach sein Auto mit ordentlich PS unter der Haube und natürlich liebt er auch den satten Sound seines Sportauspuffs.
Bisher war der Kollege ziemlich unpolitisch. Jetzt allerdings, da regelmäßig Flugzeuge über sein Haus donnern und seine Ruhe, sowie die Ruhe seines Kindes stören, geht er demonstrieren, verteilt Flugblätter und engagiert sich in politischen Initiativen.
Das ist eigentlich, so betrachtet, keine schlechte Sache und ein fieser Zyniker könnte an diesem Punkt dem Fluglärm bestimmt auch eine positive Seite abgewinnen, wenn er träge, zufriedene Bürger zum Protestieren auf die Straße bringt.
Aber um so zu denken, müsste man natürlich ein sehr fieser Zyniker sein.

Schließlich weiß jeder, dass Fluglärm böse und gesundheitsschädlich ist und eine gestörte Nachtruhe einen hart arbeitenden Menschen daran hindern kann, seine gesamte Leistungsfähigkeit seinem Arbeitgeber und der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Auch die junge, kluge und sympathische Kandidatin der Linken für die OB-Wahl in Frankfurt, Janine Wissler, findet Fluglärm ziemlich doof und hielt sich auf ihren Wahlplakaten demonstrativ die Ohren zu. Sie landete nach der Auszählung der Stimmen nur knapp hinter Frau Dr. Ursula Fechter von den Flughafenausbaugegnern, dieser lebenden Inkarnation ehrenwerten deutschen Ruhebedürfnisses.

Im Prinzip finden alle Fluglärm furchtbar. Sogar Boris Rhein von der CDU verkniff es sich diesmal, „freien Flug für freie Bürger“ zu fordern und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Frankfurt, sowie allgemeine und grundsätzliche Alternativlosigkeit als Totschlagargumente ins Feld zu führen.

Eigentlich sind sich (zumindest im Prinzip) alle einig und der Haufen von Claqueuren, den Fraport zu seiner Demo für mehr Fluglärm an den Römerberg karren ließ, ändert daran nichts.
Wenn ich es mir also einfach machen und den stereotypen Erwartungen entsprechen wollte, die man an ein linkes Medium wie die FGZ stellt, könnte ich jetzt mit einer Schimpftirade gegen das Großunternehmen Fraport (böse) beginnen und den demonstrierenden Bürgern (gut) recht geben.
Dann könnte ich zum globalen Rundumschlag ausholen und ganz allgemein mehr Bürgerbeteiligung und die Abschaffung „lebensfeindlicher“ Technologien fordern.

Könnte ich… doch leider bin ich scheinbar ein fieser Zyniker und kann nichts dagegen machen. (Hey! Ich bin nicht schuld, sondern nur Produkt der Gesellschaft und meiner Erziehung)

Aber was könnte ich denn auch gegen die klammheimliche Freude unternehmen, die ich empfinde, wenn ich daran denke, wie des nächtens die Bumsbomber auf dem Rückflug von Bangkok über die Villen am Lerchesberg donnern?
Könnten mir kalte Duschen oder vielleicht das Herunterbeten von zehn Ave Maria helfen, meine Missgunst gegenüber unseren vermögenden Mitbürgern abzulegen?

Vielleicht bin ich aber auch gar nicht böse, sondern denke nur ein Wenig fremdartig.

Wo andere nur Lärm sehen, sehe ich praktische Anti-Gentrifizierung.
Wo andere nur an die Schicksale der Flörsheimer Häuslebauer denken, denke ich auch an die einfachen Freuden hart arbeitender Proletarier, die wenigstens einmal im Jahr günstig nach Mallotze fliegen und ordentlich die Sau rauslassen wollen.

Manchmal habe ich einfach nur wirre Träume.

Einmal träumte ich, ich sei superwichtiger und megareicher Politiker und Wirtschaftsboss in einer Person, eine Art deutscher Berlusconi, nur jünger und hübscher.

Ich ließ am Lerchesberg mitten zwischen den Villen die größte Gerberei Europas errichten und eine Wiesenhof-Geflügelgroßschlachterei im schicken Westend.
Den Grüneburgpark widmete ich um und stellte ihn der NATO als neues Bombodrom zur Verfügung und den Taunus verwandelte ich in ein Braunkohletagebaugebiet.

Ich erwachte mit einem lauten Schrei:

„JA ZU FRA!“


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