Frankfurter Gemeine Zeitung

Das “gute Leben” – Beitrag zum Kongreß “Wem gehört Frankfurt

good-life
Auf den Kongreß ‘Wem gehört Frankfurt?’ am 18. März hielt der Vertreter der FALZ (Frankfurter ArbeitslosenZentrum) einen Beitrag, in dem er Möglichkeiten des “Wie weiter?” behandelte und der auf dem Abschlußplenum nicht mehr behandelt wurde. Da wir ihn jedoch für wichtig und inspirierend erachten, drucken wir ihn hier ab. Wir meinen, dass hier ein guter Aufhänger für weitere Kooperationen und Diskussionen gegeben ist, weit über diese Zeitung hinaus.

Das gute Leben

von Harald Rein

„Alles muss man selber machen….Sozialen Fortschritt erkämpfen!“, unter diesem Slogan fand am 14.01.2009 in Frankfurt der letzte Versuch statt soziale Initiativen, politische Gruppen und Einzelpersonen in der Banken- und Finanzmetropole zusammenzubringen, um gemeinsame Inhalte auf einer großen Demonstration zu transportieren. Trotz großer Beteiligung hinterließ weder die Vorbereitung noch Nachbereitung der Demonstration einen nachhaltigen Eindruck auf die beteiligten AkteurInnen diese Form der Manifestation möglichst bald zu wiederholen. Nur mühsam konnte ein Platzen des Bündnisses im Vorfeld vermieden werden, Diskussionsbeiträge waren durchsetzt von theoretischen Alleinvertretungsansprüchen  der beteiligten Gruppen und Einzelpersonen, die Gesamtstimmung permanent aggressiv.

Danach ging es so weiter, wie die Jahre zuvor auch. Teilbereichsbewegungen (Ökologie, Lärm, Soziales, Bildungspolitisches usw.) entfalteten ihre Aktivitäten, ihre theoretischen Einsichten und ihre Praxis, ohne  dass andere Gruppen einbezogen wurden. Gemeinsamkeiten werden nicht gesucht.
Auch durch diesen Zustand gelingt es den Herrschenden fast immer  Protest klein zu halten. Angriffen auf Alle werden nicht gemeinsam begegnet.

Woran liegt das?

Möglicherweise an der Bunkermentalität vieler Gruppen, die es für Außenstehende verunmöglicht mitzuarbeiten, möglicherweise an kruden Theoriemustern, die in dogmatischer Form als Weisheit letzter Schluss ausgegeben werden, möglicherweise weil der Kontakt zu anderen Teilbereichsbewegungen für viele ein Zeit- und Kraftaufwand bedeutet, der kaum zu bewältigen ist, möglicherweise weil jeder/jede Spezialist/in auf seinem/ihren Gebiet ist und darüber hinaus nicht mehr erkennbar ist wo es sich überschneidende Kampflinien gibt. So laufen in der Regel Aktionen am Flughafen, am Arbeitsamt, am Betriebstor etc. getrennt ab.

Aus den Debatten innerhalb der bundesweiten Erwerbslosengruppen gibt es nun einen Vorschlag diesen Zustand zu verändern. Selbst stark behaftet mit Themen, die kaum anderen sozialen Bewegungen zu vermitteln sind oder diese nur am Rande interessieren, wie z.B. die Regelsatzdiskussion, wurden die Auseinandersetzungen über diese Frage nochmals gründlich gerührt und geschüttelt und über grundlegend andere Wege zu einer allgemeinen Existenzsicherung bzw. gesellschaftlichen Veränderung nachgedacht. Bevor wir dieses beantworteten, stellten wir uns zu allererst die Frage:

Was verbindet Mieterkampf, Kampf gegen Flughafenausbau, Kampf von MigrantInnen, Erwerbslosenprotest usw.?
Die Antwort ist so banal wie einsichtig: Ein gutes Leben!

Was ist das Besondere an der Forderung nach einem guten Leben?

  1. stellt es den Versuch dar, die Zersplitterung der sozialen Auseinandersetzungen zu überwinden:  hier für einen höheren Regelsatz, da für Mindestlohn, hier für die Rechte von MigrantInnen oder da für die Verbesserung der Wohnsituation. Das gute Leben ist eine gemeinsame Forderung hinter die sich Viele stellen können, ohne das der Anspruch an Radikalität verliert.
  2. Gutes Leben ist keine Defensivforderung, es geht nicht um Almosen oder Mindestsicherungen, sondern um die bewusste Forderung nach einer ausreichenden Existenzsicherung, in deren Mittelpunkt in selbstbestimmter Form die Lust auf Leben steht. Mit der notwendigen Unbescheidenheit der Begrifflichkeit „gut“ wird sich abgesetzt von der Tafelpraxis, Resteverwertung und sonstigen Maßnahmen und Mittel, die zur gesellschaftlichen Ausgrenzung genutzt werden.
  3. Aus der Forderung nach einem guten Leben ergeben sich weitere Diskussionsstränge: wie will ich Leben und Arbeiten, wie erreiche ich es möglichst preisgünstig aber dennoch gut zu wohnen, welche Arten von Wohnen möchte ich entwickeln, wie soll mein Stadtteil aussehen, welche Art von lokaler Gesundheitspolitik benötige ich, welche Angebote kostenloser oder zu geringen Gebühren verfügbaren öffentlichen Gütern sind notwendig, wie gelangen wir an gesellschaftlich erzeugten Reichtum und wie verwenden wir ihn?, usw. So wäre z.B. die Einführung eines anonymen Krankenscheins eine konkrete Verbesserung für Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Auch wenn vom Individuum ausgegangen wird, sollte immer klar sein, dass gesellschaftlicher Fortschritt  nur im solidarischen gemeinsamen Kampf erreichbar ist.
  4. In den einzelnen Teilbereichsbewegungen (Migration, Ökologie, Wohnen etc,) nimmt der Blick hin zu einem guten Leben einen zentralen Platz ein. Aus ihrer jeweiligen Theorie und Praxis heraus, können diese die Forderung nach einem guten Leben spezifizieren.
  5. Die Bestimmung,  was für ein gutes Leben nötig ist, kann möglicherweise über eine gemeinsame Praxis organisiert werden, etwa indem zu Veranstaltungen aufgerufen wird, in denen gesellschaftliche AkteurInnen selbst festlegen, was ein gutes Leben ausmacht, was dafür benötigt wird und wie es umzusetzen ist. Eine Art Befragung von unten, mit dem Ziel bisherige Verteilungsregelungen in Frage zu stellen und das Gemeinsame in Theorie und Praxis hervorzuheben..
  6. Die Diskussion um ein gutes Leben umfasst zum einen die Frage, was benötige ich, um gut zu leben (also alle menschlichen und gesellschaftlichen Grundbedürfnisse, die mit dem Einsatz von Geld zu befriedigen sind, wie z.B. Nahrungsmittel, Bekleidung usw.), aber auch zum anderen die Frage: Was benötige ich für ein gutes Leben, das ich mir nicht kaufen kann (also Zeit, Anerkennung, Arbeit, Gesellschaft usw.).
  7. Entscheidend ist die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen voranzutreiben und jedem einzelnen Mitglied der Gesellschaft die Möglichkeit zu bieten, Dinge realisieren zu können (politisch, kulturell, individuell etc.), die er oder sie für wichtig erachtet. Dazu benötigt es institutionelle Voraussetzungen, die erkämpft werden müssen, sodass Menschen in Freiheit tätig sein können. Eine dieser Voraussetzungen könnte das bedingungslose Grundeinkommen sein (also ein ausreichendes Einkommen, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Arbeit für Alle), aber auch der freie Zugang zu anderen Ressourcen (Mobilität, Bildung, Gesundheit etc.).
  8. Und schließlich lassen sich auch internationale Verbindungen herstellen: in einigen Ländern Südamerikas hat das Recht auf gutes Leben Verfassungsrang („Buen Vivir“).

Es steht im Zusammenhang mit indigenen Traditionen bzw. Wertvorstellungen und versteht sich als neues Entwicklungskonzept, das sich von westlichen Wohlstandsparadigmen verabschieden will.

Wir möchten gerne ins Gespräch mit anderen Gruppen, Initiativen und Personen kommen, die ebenfalls den „roten Faden“ der Verbindung von theoretischen Diskussion und praktischer Arbeit unterschiedlicher Aktionsfelder suchen. Gleichzeitig stellen wir den Ansatz des „guten Lebens“ zur Diskussion, als eine Möglichkeit, diesen Faden aufzunehmen und weiterzuführen.
Für Initiativen, die sich für bestimmte Themen, wie z.B. Bildung, Wohnen oder Migration engagieren oder gegen die weiter wachsende Armut kämpfen, könnte die Diskussion um ein „gutes Leben“ nicht nur eine Klammer darstellen; sie könnte eine Dynamik in Gang bringen, herrschende Vorstellungen, wie wir zu leben haben, anzugreifen.

Wie es auch gehen kann! :

“Der Fehler eines Mitarbeiters im Jobcenter hat bei einem Paar in Sachsen-Anhalt für einen unerwarteten Geldsegen gesorgt. Die Hartz-IV Empfänger aus der Nähe von Magdeburg hatten plötzlich gut 83 000 Euro mehr auf dem Konto. Diese Summe sei im Juli und August wegen eines Eingabefehlers überwiesen worden, sagte die Leiterin des zuständigen Jobcenters. „Bei der Septemberberechnung haben wir es bemerkt“, sagte sie. Man habe sofort versucht, das Paar zu erreichen. Alle Versuche seien aber gescheitert, auch im Jobcenter seien die beiden trotz eines Anhörungstermins nicht aufgetaucht.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 15.10.2011)


[1] Harald Rein ist als Berater im Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) tätig und gehört einer Frankfurt/Offenbacher Arbeitsgruppe „Gutes Leben“ an, die aus der bundesweiten Arbeit des unabhängigen Erwerbslosennetzwerkes BAG-PLESA (Bundesarbeitsgemeinschaft-Prekäre Lebenslagen www.bag-plesa.de) entstanden ist. Die inhaltlichen Ausführungen sind Produkt der gemeinsamen Diskussion.


Rede auf der Auftaktkundgebung der M31-Demonstration von Jutta Dithfurth

Hej,
heute ist der erste Europäische Aktionstag gegen Kapitalismus, Nationalismus und gegen das Elend, das aus Deutschland kommt. Der Beginn einer neuen Antiautoritären Internationalen. Menschen aus verschiedenen Strömungen der emanzipatorischen Linken haben eine gemeinsame Plattform erarbeitet, so dass heute in mehr als 40 Städten und in Dutzenden europäischer Länder demonstriert wird und Solidaritätsaktionen sogar in New York und Moskau stattfinden.

Beim nächsten Mal sind vielleicht auch Gruppen aus Ägypten, Brasilien, Indien, Südafrika und der Westsahara dabei. Unsere Solidarität ist grenzenlos:
Wir scheißen auf den Nationalstaat und wollen, dass alle Menschen frei und sozial gleich leben.

Risse im System tun sich auf. Die Weltwirtschaftskrise hat die Legitimation des Kapitalismus und seiner Staaten angefressen. Die kapitalistische Produktionsweise gilt endlich nicht mehr als »Naturgesetz«. Hinter der verharmlosenden Kategorie »Globalisierung« erscheint der Imperialismus in seiner wirklichen Brutalität.
Aus der letzten Weltwirtschaftskrise rettet sich der Kapitalismus in Faschismus und Weltkrieg. Welche »Lösung« wird ihm diesmal einfallen?

Wir beobachten seine Brutalisierung und den Verfall bürgerlicher Demokratien in immer autoritärere Systeme.

Der Kapitalismus ist die Krise unseres Lebens. Indem die kapitalistische Produktionsweise, wie Marx sagt, die beiden einzigen (Spring)Quellen des Reichtums, die menschliche Arbeitskraft und die Natur für seinen Profit gnadenlos verwertet, beraubt der Kapitalismus sich tendenziell seiner eigenen Grundlage.

Er versucht dieser Gefahr zu entgehen, in dem er der Erde noch mehr Ressourcen abpresst. Das geschieht um den Preis der Vernichtung der stofflichen Grundlage unserer Existenz. Und er tritt die menschliche Arbeit bis unter die Hungergrenze und macht immer mehr Menschen für ihr ganzes einziges Leben ökonomisch überflüssig.

Wer dem Elend, das auch aus Deutschland kommt, etwa aus Afrika zu entfliehen sucht, zerschellt an den hochgerüsteten Grenzen Europas. Im »Mittelmeer der Leichen« sind letztes Jahr — allein nach UN-Angaben — 1.500 Menschen auf der Flucht ertrunken. In Wahrheit mehr, über all die Jahre die Zahl der EinwohnerInnen einer ganzen Stadt. Gejagt, bedroht und abgeschoben werden die Flüchtlinge durch die, von Deutschland und der EU finanzierte, paramilitärische Agentur Frontex.

Die Weltwirtschaftskrise ist das Ergebnis einer Überproduktionskrise des Kapitalismus, welche zum Kapitalismus gehört wie Fliegen zur Kuhscheisse. Wer nur gegen die Banken wettert, hat nicht begriffen, wie Kapitalismus funktioniert. — Wie zum Beispiel der Träger dieses Schildes hier unten gegen die »Zinsknechtschaft« hier unten nichts weiß von Profit, Mehrwert, Ausbeutung. — Der Kapitalismus ist nicht zu reformieren. Auch kleinere Verbesserungen presst man ihm nur ab, während und indem man an seiner Abschaffung arbeitet!

Denn es gibt keinen automatischen Fortschritt. Wir stecken mitten in einer autoritären Entwicklung hin zu einem vollendeten, bisher einmaligen Inhumanismus.
Die einzige Hoffnung liegt im Kampf um Befreiung.

»Reform« ist heute nichts Fortschrittliches mehr und Fortschritt kein historischer Automatismus. Die ‘Dialektik von Reform und Revolution’ von der Rosa Luxemburg noch sprach, ist durch die weltweite Entwicklung des Kapitalismus außer Kraft gesetzt. Die »Sozialreform« wurde praktisch aus ihrem revolutionären Bezugsrahmen gelöst. Sie trägt nicht mehr bei zur »selbsttätigen Assoziierung der lohnabhängigen Massen«, sondern wurde ein Instrument der Konterrevolution. Jeden dreckigen Krieg nennen sie heute ‘Menschenrechtsaktion’, jede soziale Verelendung verkauft man uns als ‘Sozialreform’.

Wir sind in einem Stadium gesellschaftlicher Entwicklung, in dem alle technischen und wissenschaftlichen Mittel entwickelt sind, um die Welt eine menschenwürdige werden zu lassen, um Humanismus radikal zu verwirklichen. Es sind aber gleichzeitig alle Techniken entwickelt, um die Erde für die Menschen zur Hölle werden zu lassen.

Aber die Ruinierung des Menschen und der Natur sind für den Kapitalismus profitabler als unser Glück, unsere Freiheit und unsere soziale Gleichheit. Es ist eben nicht die Frage fehlender Alternativen, sondern eine der Herrschaft von Staat und Kapital – und wann und mit welcher Orientierung wir mit dieser Herrschaft brechen.

Weil wir keine orthodoxen Vorstellungen haben, – weder von unserem Kampf noch von unserer Zukunft –, setzen wir auf emanzipatorische soziale Prozesse.
Es wird keine Situation geben, in der die Träger_innen der sozialen Revolution fertig ausgebildet in den Startlöchern stehen. Nichts ist fertig, wenn die Auseinandersetzung beginnt. Die gesellschaftlichen Träger der Umwälzung formieren sich erst im Prozess der Umwälzung selbst.
Eine solche Einübung geschieht hier, heute.

Wo immer wir am Ende dieses Tages stehen — oder sitzen — werden:
Es ist großartig, dass es zum ersten Mal gelungen ist, aus eigener Kraft, unabhängig auch von staatstragende Organisationen, diesen ersten »Europäischen Aktionstag gegen den Kapitalismus« zu organisieren.

Emanzipatorische Linke haben begonnen, miteinander zu arbeiten, über alle Sprachgrenzen hinweg.
Das kann uns niemand mehr nehmen.

No pasaran!

Dies ist erst der Anfang!
Danke.

Jutta Dithfurth


Bei M31 kracht es in Frankfurt

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Foto: Lola Montez

Zwischen 4500  und 6000  Menschen nahmen am 31. März am “Antikapitalistischen Aktionstag” in Frankfurt teil. Ein Polizist wurde nach Polizeiangaben durch einen Steinwurf schwer verletzt, ein Passant erlitt leichte Verletzungen. Die Veranstalter sprachen von mehreren Verletzten durch den Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz der Polizei. Eurpoaweit hatten 200 linke Gruppen für den 31. März zu einem Protesttag aufgerufen, in Mailand versammelten sich 10 000 Menschen zur Demonstration. Die Veranstaltung in Frankfurt startete um 15.15 Uhr am Hauptbahnhof. Hauptrednerin Jutta Ditfurth sah diesen 31. März als “Beginn einer neuen Antiautoritären Internationalen” und wandte sich gegen die einseitige Kritik an den Banken und die Reperationsarbeiten am bestehenden System: ” Wer nur gegen die Banken wettert, hat nicht begriffen, wie Kapitalismus funktioniert.  Wie zum Beispiel der Träger dieses Schildes hier unten gegen die »Zinsknechtschaft« nichts weiß von Profit, Mehrwert, Ausbeutung. »Reform« ist heute nichts Fortschrittliches mehr und Fortschritt kein historischer Automatismus.  Jeden dreckigen Krieg nennen sie heute ‘Menschenrechtsaktion’, jede soziale Verelendung verkauft man uns als ‘Sozialreform’.” Patentrezepte zur Überwindung des bisherigen Finanz-Systems und seiner zerstörerischen Auswirkungen hat aber auch die antiautoritäre Linke nicht parat, wie Ditfurth betonte: “Weil wir keine orthodoxen Vorstellungen haben, – weder von unserem Kampf noch von unserer Zukunft –, setzen wir auf emanzipatorische soziale Prozesse.Es wird keine Situation geben, in der die Träger_innen der sozialen Revolution fertig ausgebildet in den Startlöchern stehen. Die gesellschaftlichen Träger der Umwälzung formieren sich erst im Prozess der Umwälzung selbst.Eine solche Einübung geschieht hier, heute.

Der Demonstrationszug zog dann zunächst entlang einer genehmigten Route unter masssiver Polizeibegleitung durch die Innenstadt Richtung EZB-Baustelle. Zunächst gab es nur einige Farbbeutel gegen das alte EZB-Gebäude. Gegen 15.45  flogen Pflastersteine , Farbbeutel trafen das Luxushotel Frankfurter Hof und ein Geschäft für Brautkleidung. Die Polizei setzte Schlagstöcke gegen Vermummte ein und versuchte,  den “Schwarzen Block” abzutrennen , die Veranstalter bemühten sich um Deeskalation und wollten die auseinanderdriftende Demo zusammen halten. Schließlich kesselte die Polizei die DemonstrantInnen für mehrere Stunden ein. 100 (laut Polizeiangaben) bis 200 (laut Veranstalter) Leute wurden im Laufe der Demonstration  festgenommen, der weitere Zug zur EZB-Baustelle wurde unmöglich gemacht. An Höhe der Alten Brücke wurde die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst. Nach  Veranstalterangaben saßen einige bis zu 9 Stunden im Polizeikessel. Die Verhafteten wurden zu verschiedenen Sammelstellen gebracht. Es gab eine weitere Spontandemonstration von etwa 200 Leuten, die ebenfalls eingekesselt wurde.

Dies ist der momentane Stand laut offiziellen  Medienberichten. Wenn ihr weitere Infos, Korrekturen, Fotos habt, bitte schickt sie uns zu. Auf youtube ist folgendes video gepostet worden

Der Autor beschreibt das auf dem Video zu sehende:

“Ungeschönte Aufnahmen von den Ausschreitungen von der M31 Demo an der Kreuzung Battonstr. / Lange Str.. Nachdem die Demo etwas friedlicher geworden ist wird der hintere Teil der Demonstration vom vorderen abgetrennt um hierbei den Schwarzen Block einzukesseln, da dieser straffällig geworden sein soll. Als dies von den Demonstranten im vorderen Teil erkannt wird, kehren viele Demonstranten zurück um die Eingekesselten zu unterstützen. Hierbei kommt es zu Ausschreitungen die zwei Stunden andauern.
Im folgenden eine Schilderung der beobachteten Ereignisse ohne Parteiergreifung:
1:30 Im Hintergrund ist zu erkennen, dass die Polizei bereits in Position geht, um einen womöglich bereits geplanten Zugriff umzusetzen.
2:20 innerhalb von wenigen Sekunden ist die Abtrennung erfolgt, ohne das die Demonstranten reagieren konnten.
2:50 die Demonstranten im vorderen Teil (abkürzung: VT) sind noch überrascht und schauen nur zu, wie der Hintere Teil (HT) des Protestzuges aufgehalten wird.
3:15 der Demonstrationszug ist nun in drei Teile aufgespalten. der Hintere wird eingekesselt, im Mittleren Teil (MT) ratlose Demonstranten, im vorderen weitere Gruppen vom Schwarzen Block.
3:28 der vordere Block stürmt gegen die Absperrung der Polizei, wobei es hier zu Schlagstock- und Pfefferspray Einsatz kommt
3:33 unterhalb der Lichtreklame wird eine unbeteiligte Person von einem Feuerwerk getroffen. Der MT drängt aus der Reichweite der Wurfgeschosse, die aus dem VT auf Polizisten geworfen werden. Hierbei wird der Rückzug in die Allerheiligenstr. von der Polizei blockiert 4:40.
5:10 Demonstranten im MT umgehen die Sperrung langsam, um zum VT zuzustoßen, wobei sie von Feuerwerk beworfen werden. Steine und Flaschen prallen an den Schilden der Polizei ab, die VT und MT trennen. Hierbei ruft die Polizei zu friedlichen Verhalten auf.
8:05 Hundertschaften stürmen in den VT, weiteres konnte ich nicht beobachten.
8:51 im HT werden friedliche Demonstranten weitergelassen, damit sie sich dem VT des Zuges wieder anschließen können.
9:40 ein aufmerksamer Anwohner räumt geworfene Bierflaschen beiseite *thumbsup*
10:30 die Eingekesselten werden von der Polizei attackiert und abgeführt. Dabei wird der Eingangsbereich des Wohnhauses geräumt, später filmen Polizisten aus dem Treppenhaus die Demonstranten.
11:48 – 12:30 kleiner Zwischenfall bei der Abführung eines Demonstranten. Beide Seite verhalten sich hier sehr aufgebracht und nervös. Der isolierte Demonstrant wird durchsucht, die Frau in Blau später wieder freigelassen.
12:41 Polizeiaufgebot die den Protestmarsch anführen (? Red.)
12:56 in der Überführung sitzen Fotografen der Polizei als Beobachter
12:58 die Auflösung der Demonstration wird bekanntgegeben. Näher als hier kam die Demo nicht an die EZB (Hintergrund).”

P. S: Wie immer steht zu befürchten, dass die Debatte um die Ausschreitungen (wer hat wen zuerst attakiert? Ist Gewalt gerechtfertigt? Wer muss sich jetzt von wem distanzieren?) die Debatte um den Inhalt der Demo vollkommen überlagern wird. Also business as usual.


Künstler ohne Grenzen

Foto: Railway-Technology.com

Nachdem auch der letzte Mitgliedsstaat der UNESCO-Generalkonferenz die Internationale Konvention zur „Immunity for the Emigrant Artist“ angenommen hat, kann die UNESCO das Inkrafttreten des Übereinkommens zu unbegrenzten Reise- und Berufsausübungsrechten von Künstlern vermelden. Die Konvention wurde bei der letzten Tagung der UNESCO-Generalkonferenz Ende Oktober 2011 in Paris verabschiedet. Mit dem Übereinkommen werden umfassende Freizügigkeitsregelungen für migrierende Künstler eingeführt. Nach erfolgreicher Umsetzung der Konvention besitzen Künstler – ungeachtet ihrer ethnischen, nationalen, ökonomischen oder sozialen Herkunft und ungeachtet ihrer Hautfarbe, Sprache, Religion oder ihres Geschlechts – uneingeschränkte Reise- und Berufsausübungsfreiheit auf der gesamten Welt. Es steht ihnen frei, sich in dem Land ihrer Wahl niederzulassen, dort eine Arbeitserlaubnis zu erlangen und Kunstwerke herzustellen. Voraussetzung für die Anwendung der besonderen Freizügigkeitsregelungen für Künstler ist der erfolgreiche Nachweis des Künstlerstatus gegenüber den Behörden.


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