Frankfurter Gemeine Zeitung

Bei M31 kracht es in Frankfurt

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Foto: Lola Montez

Zwischen 4500  und 6000  Menschen nahmen am 31. März am “Antikapitalistischen Aktionstag” in Frankfurt teil. Ein Polizist wurde nach Polizeiangaben durch einen Steinwurf schwer verletzt, ein Passant erlitt leichte Verletzungen. Die Veranstalter sprachen von mehreren Verletzten durch den Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz der Polizei. Eurpoaweit hatten 200 linke Gruppen für den 31. März zu einem Protesttag aufgerufen, in Mailand versammelten sich 10 000 Menschen zur Demonstration. Die Veranstaltung in Frankfurt startete um 15.15 Uhr am Hauptbahnhof. Hauptrednerin Jutta Ditfurth sah diesen 31. März als “Beginn einer neuen Antiautoritären Internationalen” und wandte sich gegen die einseitige Kritik an den Banken und die Reperationsarbeiten am bestehenden System: ” Wer nur gegen die Banken wettert, hat nicht begriffen, wie Kapitalismus funktioniert.  Wie zum Beispiel der Träger dieses Schildes hier unten gegen die »Zinsknechtschaft« nichts weiß von Profit, Mehrwert, Ausbeutung. »Reform« ist heute nichts Fortschrittliches mehr und Fortschritt kein historischer Automatismus.  Jeden dreckigen Krieg nennen sie heute ‘Menschenrechtsaktion’, jede soziale Verelendung verkauft man uns als ‘Sozialreform’.” Patentrezepte zur Überwindung des bisherigen Finanz-Systems und seiner zerstörerischen Auswirkungen hat aber auch die antiautoritäre Linke nicht parat, wie Ditfurth betonte: “Weil wir keine orthodoxen Vorstellungen haben, – weder von unserem Kampf noch von unserer Zukunft –, setzen wir auf emanzipatorische soziale Prozesse.Es wird keine Situation geben, in der die Träger_innen der sozialen Revolution fertig ausgebildet in den Startlöchern stehen. Die gesellschaftlichen Träger der Umwälzung formieren sich erst im Prozess der Umwälzung selbst.Eine solche Einübung geschieht hier, heute.

Der Demonstrationszug zog dann zunächst entlang einer genehmigten Route unter masssiver Polizeibegleitung durch die Innenstadt Richtung EZB-Baustelle. Zunächst gab es nur einige Farbbeutel gegen das alte EZB-Gebäude. Gegen 15.45  flogen Pflastersteine , Farbbeutel trafen das Luxushotel Frankfurter Hof und ein Geschäft für Brautkleidung. Die Polizei setzte Schlagstöcke gegen Vermummte ein und versuchte,  den “Schwarzen Block” abzutrennen , die Veranstalter bemühten sich um Deeskalation und wollten die auseinanderdriftende Demo zusammen halten. Schließlich kesselte die Polizei die DemonstrantInnen für mehrere Stunden ein. 100 (laut Polizeiangaben) bis 200 (laut Veranstalter) Leute wurden im Laufe der Demonstration  festgenommen, der weitere Zug zur EZB-Baustelle wurde unmöglich gemacht. An Höhe der Alten Brücke wurde die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst. Nach  Veranstalterangaben saßen einige bis zu 9 Stunden im Polizeikessel. Die Verhafteten wurden zu verschiedenen Sammelstellen gebracht. Es gab eine weitere Spontandemonstration von etwa 200 Leuten, die ebenfalls eingekesselt wurde.

Dies ist der momentane Stand laut offiziellen  Medienberichten. Wenn ihr weitere Infos, Korrekturen, Fotos habt, bitte schickt sie uns zu. Auf youtube ist folgendes video gepostet worden

Der Autor beschreibt das auf dem Video zu sehende:

“Ungeschönte Aufnahmen von den Ausschreitungen von der M31 Demo an der Kreuzung Battonstr. / Lange Str.. Nachdem die Demo etwas friedlicher geworden ist wird der hintere Teil der Demonstration vom vorderen abgetrennt um hierbei den Schwarzen Block einzukesseln, da dieser straffällig geworden sein soll. Als dies von den Demonstranten im vorderen Teil erkannt wird, kehren viele Demonstranten zurück um die Eingekesselten zu unterstützen. Hierbei kommt es zu Ausschreitungen die zwei Stunden andauern.
Im folgenden eine Schilderung der beobachteten Ereignisse ohne Parteiergreifung:
1:30 Im Hintergrund ist zu erkennen, dass die Polizei bereits in Position geht, um einen womöglich bereits geplanten Zugriff umzusetzen.
2:20 innerhalb von wenigen Sekunden ist die Abtrennung erfolgt, ohne das die Demonstranten reagieren konnten.
2:50 die Demonstranten im vorderen Teil (abkürzung: VT) sind noch überrascht und schauen nur zu, wie der Hintere Teil (HT) des Protestzuges aufgehalten wird.
3:15 der Demonstrationszug ist nun in drei Teile aufgespalten. der Hintere wird eingekesselt, im Mittleren Teil (MT) ratlose Demonstranten, im vorderen weitere Gruppen vom Schwarzen Block.
3:28 der vordere Block stürmt gegen die Absperrung der Polizei, wobei es hier zu Schlagstock- und Pfefferspray Einsatz kommt
3:33 unterhalb der Lichtreklame wird eine unbeteiligte Person von einem Feuerwerk getroffen. Der MT drängt aus der Reichweite der Wurfgeschosse, die aus dem VT auf Polizisten geworfen werden. Hierbei wird der Rückzug in die Allerheiligenstr. von der Polizei blockiert 4:40.
5:10 Demonstranten im MT umgehen die Sperrung langsam, um zum VT zuzustoßen, wobei sie von Feuerwerk beworfen werden. Steine und Flaschen prallen an den Schilden der Polizei ab, die VT und MT trennen. Hierbei ruft die Polizei zu friedlichen Verhalten auf.
8:05 Hundertschaften stürmen in den VT, weiteres konnte ich nicht beobachten.
8:51 im HT werden friedliche Demonstranten weitergelassen, damit sie sich dem VT des Zuges wieder anschließen können.
9:40 ein aufmerksamer Anwohner räumt geworfene Bierflaschen beiseite *thumbsup*
10:30 die Eingekesselten werden von der Polizei attackiert und abgeführt. Dabei wird der Eingangsbereich des Wohnhauses geräumt, später filmen Polizisten aus dem Treppenhaus die Demonstranten.
11:48 – 12:30 kleiner Zwischenfall bei der Abführung eines Demonstranten. Beide Seite verhalten sich hier sehr aufgebracht und nervös. Der isolierte Demonstrant wird durchsucht, die Frau in Blau später wieder freigelassen.
12:41 Polizeiaufgebot die den Protestmarsch anführen (? Red.)
12:56 in der Überführung sitzen Fotografen der Polizei als Beobachter
12:58 die Auflösung der Demonstration wird bekanntgegeben. Näher als hier kam die Demo nicht an die EZB (Hintergrund).”

P. S: Wie immer steht zu befürchten, dass die Debatte um die Ausschreitungen (wer hat wen zuerst attakiert? Ist Gewalt gerechtfertigt? Wer muss sich jetzt von wem distanzieren?) die Debatte um den Inhalt der Demo vollkommen überlagern wird. Also business as usual.


3 Kommentare zu “Bei M31 kracht es in Frankfurt”

  1. Florian K.

    In dem Artikel findet sich ein lustiger Fehler.

    “Schlagzeugeinsatz der Polizei” ;-)

    Vielleicht sollte dies Schule machen… Schlagzeugeinsatz statt Schlagstockeinsatz!

    Für mehr Polizeiorchester! Gegen Hundertschaften!

    http://www.youtube.com/watch?v=G7BJUsxNtlI

  2. Bert Bresgen

    Sehr schönes video Flo! Habe den Tippfehler aber trotzdem geändert

  3. Bea

    Manueller Trackback: http://bea.blogsport.de/2012/08/07/verspaeteter-rueckblick-krisenproteste-m31-und-blockupy/

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