Frankfurter Gemeine Zeitung

Planungswerkstätten – die unendliche Geschichte

Die Herren und die Transparenz

Das Harmonische, jener viel beschworene Zustand der befriedeten Frankfurter Stadtgesellschaft, das seinen Ausdruck in der konstruktiven Atmosphäre der ebenso hoch gehaltenen Planungswerkstätten so ostentativ vor sich her trägt, erhält immer wieder feine Risse.

Sei es, dass die eine Seite immer weiter von ihren ursprünglichen Forderungen abrückt und damit eine einheitliche Position verhindert, sei es, dass nach einem vollmundigen Statement der anderen Seite durch kleine Meldungen am Rande die alten Zweifel immer wieder genährt werden.

Um was geht es dieses Mal?

Natürlich um die Protagonisten der grossen Transparenz der städtischen Eliten, die „Big Player“, Junker (ABG Holding) und Rietschel (HMDK). Der eine der grosse Vordenker und Macher, der andere seines Zeichens Leiter der Hochschule für die globale städtische Kultur (für Alle, die seinen Segen haben).

Vorab: sie sollten wirklich noch etwas an sich arbeiten, erwischt man sie doch immer und viel zu leicht; das passt zwar zur Arroganz in dieser Stadt, aber nicht zum Image einer zivilgesellschaftlich fundierten ‚Global City’. Wie auch immer, das musste einfach mal gesagt werden.

„Es ist noch nichts entschieden“, „die ABG wird keinen Quadratmeter verkaufen, nur wer ein Hotel hinstellen will, der muss dies selbst tun“. Umfassend nichtssagend.

Gebetsmühlenartig hämmern sie dieses Mantra in die Köpfe der interessierten BürgerInnen. Derweilen läuft die Verwertungsmaschine auf Hochtouren, was natürlich Lücken in die mühsam verabredete Firewall reisst.

Am Beispiel des Eckgrundstücks Senckenberganlage/Bockenheimer Landstrasse (dort, wo immer noch die alte Mensa steht) offenbart sich, hier hat jemand wieder einmal gepennt. Auf bemerkenswert eindeutige Weise erscheinen Planungen – bis ins kleinste Detail – im Angebot einer über jeden Zweifel erhabenen Firma: Knight Frank Consult wirbt um Immobilienkunden. Etwas, was es laut Herrn Junker überhaupt nicht gibt.

Der Zorn dieses Herrn ist verständlich, es ist doch noch gar nichts entschieden. Da legen die schon los und lassen das Zeugs auch noch so herumliegen, dass Branchenfremde die Unterlagen in die Hände bekommen. Degoutant, doch es ist passiert.

Detailliert die Beschreibung der Inneneinrichtung, der Trennwände, der Verkabelung – und auch der Hinweis auf die Verantwortlichkeit für diese Angaben, man ist ja seriös.

Der Zorn des Herrn ist verständlich, denn die Stadtverordneten müssen ja erst die Pläne absegnen, die Ausschreibung kann – theoretisch – erst dann vorgenommen werden und „es ist noch nichts entschieden“.

Da besucht er (Junker) die relevanten Immobilienmessen, natürlich um herauszufinden, wie es so aussieht am Markt und gibt sich alle Mühe, die Geschäftsgeheimnisse zu bewahren und dann geschieht so etwas.

Das ist geeignet, die gute Stimmung zu gefährden, da sollte er KnightFrank einmal vorsorglich mit Unterlassungsklage drohen, so geht man nicht mit der tollen Bürgerschaft um, selbst wenn die Vermittlung bereits beschlossene Sache sein sollte.

Wie es aussieht, könnte man sich so richtig auf die Abschlussveranstaltung freuen – so oder so. denn „noch ist nichts entschieden.

Doch sind da ja auch noch die „interessierten“ BürgerInnen und da wird es unübersichtlich, die Hoffnung, so sagt man, stirbt zuletzt und so lange werden da einige um ihr Häuschen bangen. Und eine nicht geringe Zahl junger KünstlerInnen wird sich auch noch bemühen, den Nachweis zu erbringen, dass ein kleines Atelier für sie doch drin sein müsste. Bleibt noch das kulturelle Erbe, das im Namen der Bewahrung der Umwelt für die Nachwelt, leider leider, der Nachhaltigkeit zu opfern ist. und hier sehen wir, dass ‚demokratische’ Architektur auch nicht von Bestand ist.

Na dann, es werden noch weitere Planungswerkstätten kommen: Im Mainfeld, die van Steuben-Siedlung, es hört ja gar nicht mehr auf bei so einer attraktiven Stadt. Da muss noch gewaltig umgesiedelt werden. Nur kurz am Ende: das Städel ist in den Untergrund gegangen. Wär das nicht was! Neue Wohnformen, radikal umgesetzt.


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.