Frankfurter Gemeine Zeitung

Jean-Pierre Mbange und die 99%

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Die Eltern des 16jährigen Jean-Pierre Mbange hatten beschlossen, ihren Sohn in die Hauptstadt Libreville arbeiten zu schicken.
Das bisschen Land, das die Familie bewirtschaftete, reichte einfach nicht aus um alle sattzukriegen. Sie rechneten sich gute Chancen aus, dass er einen Job finden würde, denn im Gegensatz zu ihnen hatte er ein paar Jahre die Schule besuchen können und Lesen und Schreiben gelernt.
Doch in der Stadt waren die Jobs knapp. Jean-Pierre suchte den ganzen Tag, aber niemand in ganz Libreville wollte ihm Arbeit geben.
Resigniert blieb er vor einem Schaufenster stehen. In diesem befanden sich Fernseher, etwas das Jean-Pierre zwar durchaus kannte, aber für ihn und seine Familie so unerreichbar war, wie der Mond.
Es liefen gerade Nachrichten und man sah eine Gruppe junger, gut gekleideter weißer Menschen. Sie schienen gegen etwas zu protestieren und hielten dabei Schilder hoch mit der Aufschrift: „We are 99%“
Als Jean-Pierre zurück in sein Dorf reiste, berichtete er seinen Eltern:
„Leider konnte mir in ganz Libreville niemand einen Job geben. Aber ich habe erfahren, dass 99% der Menschen auf der Welt weiß und gut gekleidet sind.“
Da antwortete seine Mutter: „Welch schweres Los, dass wir nicht zu den 99% gehören.“


Ein Kommentar zu “Jean-Pierre Mbange und die 99%”

  1. gaukler

    Eine schöne Bemerkung zu den oft arg eingetunnelten Blicken in der “westlichen Welt”

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