Frankfurter Gemeine Zeitung

Günther Grass – der überschießende Beißreflex der Eliten

Die Diskussion ist pathologisch, die wahren Wutbürger sprengen ihre mühsam errichtete zivilisierte Schale und mutieren zu diesen Werwölfen mit Ladehemmungen.

Der Zustand (der Eliten) dieser Welt offenbart sich nicht in diesem Gedicht, jedenfalls nicht ihre Gewaltbereitschaft, in der Reaktion auf seine Veröffentlichung schon. Und es darf angenommen werden, dass je genauer die Beschreibung, umso gewalttätiger die Reaktion. Einmal ganz abgesehen von den professionellen Ans-Bein-Pinkler à la Broder und Konsorten, die sich lediglich wieder einmal in Erinnerung bringen wollen (wer wenig zu sagen hat, muss dies umso infamer darbringen).

Die Aggression, die bei diesen Eliten unserer Weltordnung hervor bricht, kennt keinerlei Schranke, was fehlt ist die einstweilige Erschießung Günther Grassens. Ansonsten werden alle Ebenen mit grosser krimineller Energie vermischt, der sofortige Reflex ‚Antisemitismus’ verliert mittlerweile schon Wirkung, sein inflationärer Verbrauch rächt sich. Auch ein Innenminister, der allein schon durch seine Position im Kabinett verrät, wes Geistes Kind er ist (gilt auch hierzulande), der seine Landsleute vor solchen Existenzen bewahren muss, hat nicht geschafft, was deutsche Hinterbänkler und Mitglieder der deutsch-israelischen Gesellschaft fertig bringen: dem Dichter die geistige Fähigkeit abzuschreiben und ihn als dementen alten Kerl zu denunzieren. Weiter so, denn: wer braucht schon Gedichte, wenn er Atomwaffen hat.


12 Kommentare zu “Günther Grass – der überschießende Beißreflex der Eliten”

  1. Florian

    Hallo Trickster,
    ich muss ehrlich sagen, mich ärgert so eine Beschreibung der Reaktionen auf den dementen GG. Meinst Du, die Reaktionen sind gewalttätig und haben nur die von dir häufig erkannten “Eliten” reagiert? Wer sind diese “Eliten”? Warum ist das ein Beißreflex, wenn man kritisiert, dass jemand schlicht und ergreifend Unsinn als Gedicht tarnt?

  2. Mimi

    Hallo Florian,

    Eine Frage: woher weisst du, dass Günter Grass dement ist? Oder bekommt man automatisch ab einem gewissem Alter das Prädikat dement? und wenn, ab welchem Alter?

  3. Trickster

    @Florian
    allein die Zuweisung einer pathologischen Kategorie erübrigt eine Auseiandersetzung. Und eine einfache Beobachtung der Akteure genügt, den Beißreflex, also nicht gerade das, was Nachdenken heißt, ans Tageslicht zu bringen. Eliten meint ganz selbstverständlich alle, die sich dafür halten.
    Ich erinner mich, dass Ulbricht auf einem Parteitag mal sozialistisches und kapitalistisches Plutonium unterschied, grossartig nicht wahr?

  4. Florian

    Hallo Mimi,
    ich weiß es natürlich nicht, aber wenn jemand absichtlich so einen Blödsinn schreibt, Worte wie “Gleichschaltung”, “Vernichtung”, “Erstschlag” benutzt, sich danach “an den Pranger” gestellt sieht, muss entweder eine unglaubliche Lust darauf haben, am Pranger zu stehen oder eben nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Ich befürchte sogar, er ist nicht dement, sondern er arbeitet gerade auf merkwürdige Art seine Waffen-SS-Vergangeheit auf. Was meinst du?

  5. Florian

    @Trickster
    was willst du mir damit sagen? Ihc glaube, chemisch gibt es keinen Unterschied zwischen sozialistischem und kapitalistischem Plutonium. Aber politisch gibt es einen Unterschied zwischen einer islamistischen Diktatur, deren Präsident den Holocaust leugnet und seinen Fantasien von der Vernichtung Israels hin und wieder Ausdruck verleiht und gerade (mutmaßlich) dabei ist, eine Atombombe zu bauen und einer jüdischen Demokratie, die sich (mutmaßlich) bereits vor Jahren Atomwaffen zugelegt hat, nachdem es seit 1948 ausdrücklich mit Vernichtung bedroht wird und das selbst nie(!) mit einer Vernichtung seiner Nachbarn gedroht hat.

  6. gaukler

    @Florian
    Naja, bleiben wir doch einfach auf dem Boden: Grass hat schon öfters simplen Schmäh von sich gegeben. Da muß man nicht das Geblöcke der Medienerreger mitmachen, denn hier zieht genau die Metapher der Gleichschaltung, die Grass als demente Diagnose unterstellt wird: wie ein Virus verbreitete angebliche Demenz und 70 Jahre verspätete SS-Bearbeitung kommt als leeres Duplikat daher. Dieser ergänzt sich die feine Unterscheidung zwischen “Erstschlag” und “Präventivschlag”, letztere eine faktisch dort bekannte Kriegshandlung, bei der man nicht genau weiß, wer nicht alle Tassen im Schrank hat und auf was sie zielt. Warum möchte man nun für das ünrig gebliebene Wort “Vernichtung” tatsächlich “Irrsinn” diagnostizieren?
    Also: die Übergänge zwischen Dementen und Weisen im Medienwald scheinen hier arg fließend. Und irgendwie habe ich bei dünnen Zuweisungen von Irrsinn Bauchschmerzen, ganz schlechte historische Vorbilder.

    @Karl
    Welche Machtansprüche über mediale Hyperventilation ala Guttenberg etc hinaus hier genau gemeint sind, erschliesst sich mir aber auch nicht.

  7. Trickster

    @ Gaukler
    richtig, es ist diese ‘mediale Hyperventilation’, das reicht völlig.

  8. Florian

    An Argumentation seid ihr nicht interessiert, oder? Jedenfalls geht keiner von euch auf meine Argumente ein. Dass die berechtigte Kritik an Grass von euch als “Beißreflex” und die Verfasser als “Eliten” und “Medienerreger” dargestellt werden, ist das, was ich rauslese. Für mich erscheint die Unterscheidung zwischen “Weisen” und “Dementen” nicht verschwommen. Vielleicht, weil ich nicht deine Brille aufhabe, Gaukler. Jedenfalls sind deine Wortgirlanden allenfalls peinlich, weil du die Benutzung der Worte offenbar nicht beherrschst. >>Dieser ergänzt sich die feine Unterscheidung zwischen “Erstschlag” und “Präventivschlag”,…<< Häh…? Wer ist "dieser" und seit wann ergänzen sich Unterscheidungen, die übrigens nicht fein, sondern eindeutig sind, von selber? Aber vielleicht habe ich die Macht der Worte tatsächlich unterschätzt.
    Viele Grüße vom Boden…
    Florian

  9. Florian K.

    Ich muss sagen, dass ich meinem Namensvetter da doch einigen Stellen zustimmen muss.
    Gehen wir einmal weg vom brisanten Inhalt des Gedichtes und werfen einen Blick auf das Gedicht selbst.
    Wer findet dieses Gedicht denn nicht, gelinde gesagt, eines Literaturnobelpreisträgers unwürdig?

    Die Aussage Grass sei dement, ist mit Sicherheit plakativ gemeint. Doch ganz unwahrscheinlich erscheint die Diagnose “Demenz” bei einer Kombination aus hohem Alter mit einem Schwinden geistiger Fähigkeiten ja wohl nicht. Bei einem jüngeren Mann hätte ich vielleicht vermutet, dass er besoffen und voll auf Koks war, als er diese Zeilen verfasst hat.
    Wenn Grass dieses unsägliche Geschwurbel dann auch noch mit „letzter Tinte“ quasi als sein literarisches Testament darbringt, dann wird dies zwangsläufig einen negativen Schatten auf sein gesamtes Lebenswerk werfen.

    Außerdem: Worüber beschwert sich Grass denn?
    Welche Reaktionen hatte er erwartet, wenn er, als ehemaliger SS-Mann ein solches Gedicht über Israel verfasst?
    War ihm nicht klar, dass es Schlachthäuser gibt, in denen man vielleicht besser nicht mit Schweinen wirft? Doch… es war ihm klar…
    Und gleich einem Sarrazin präsentiert sich Grass nun im wohlfeilen Gestus des Märtyrers für die Meinungsfreiheit und gegen eine „gleichgeschaltete Schweinepresse“, zu dem er sich selbst stilisiert hat.
    Wie auch in der Sarrazin-Debatte sind es aber genau die, die sich künstlich aufregen, die das eigentlich nicht beachtenswerte Machwerk eines verbitterten und verwirrten Mannes, dieses Dokument geistiger Blasenschwäche, überhaupt erst in das Licht öffentlicher Beachtung gerückt haben.

    Nun aber doch zum Inhalt:
    Der Kardinalfehler des Gedichtes von Grass liegt vor allem darin, dass es eine simple „Gut-Böse-Schablone“ verwendet, die dem Konflikt in keiner Richtung Rechnung trägt.
    So reiht er sich in eine lange Kette von Idioten ein, die eine der Konfliktparteien als Störer des Friedens ausgemacht hat und nicht erkennen will, dass es hier um gegenläufige Interessen von Menschen und nicht um einen fundamentalen Kampf von Gut und Böse geht.

    Außerdem spielt das Gedicht mit einer Mischung aus Schuld und Angst, die ich im negativsten Sinne urdeutsch finde. (vom persönlichen Gefühl her)

    Letztlich bleibe ich aber der Meinung, dass das Gedicht keine Panikreaktionen oder gar Einreiseverbote verdient hat. Lasst uns sagen: „Der gute alte Grass ist über die Jahre ein wenig wunderlich geworden“ und uns sinnvolleren Diskussionen zuwenden.

    Nachtrag:

    Vielleicht aber ist Grass auch garnicht dement… Vielleicht ist er noch immer unglaublich clever und hat erkannt, womit man sich schnell und medienwirksam ins Gerede bringen kann. Wer weiß? Vielleicht ist sein “Gedicht” ja schon eine Promotion für sein neuestes Werk? Schließlich hat er sein SS-Geständnis diesbezüglich auch recht schlau getimed…

    Würde mich nicht wundern, wenn er recht bald ein neues Buch präsentiert. Ich hätte auch einen Vorschlag für den Titel:

    Wie wäre es mit “Im Schweinsgalopp”?

  10. Florian

    Da muss ich Dir wiederum an einigen Stellen zustimmen, Florian K. Die Form ist tatsächlich eines Literaturnobelpreisträgers unwürdig, da es sich schlicht um einen Leserbrief mit willkürlich gesetzten Zeilenumbrüchen handelt. Dass er sich im Klaren gewesen sein muss, dass die Reaktionen so und nicht anders ausfallen, denke ich auch. Ich glaube, ich habe von Dir mal einen sehr amüsanten und klugen Artikel über zwei Unterhaltungen mit einen Antideutschen und einem Antiimp gelesen. Kann das sein? Da hast Du (wenn ich richtig liege) sehr gut deutlich gemacht, wie schwachsinnig diese beiden Seiten argumentieren.
    In einem Punkt stimme ich dir aber nicht ganz zu. Ich kann seine Äußerungen nicht damit abtun, dass der “alte Mann ein bisschen wunderlich” geworden ist. Ich finde, die positiven Reaktionen von der Friedensbewegung bis zur NPD viel bedenklicher. Zugegeben, das sind nicht die Eliten. Aber viele schreien jetzt: “Genau! Das musste mal gesagt werden!” Und es gehört zu den rhetorischen Instrumenten von Walser, Sarrazin und Grass, dass sie mitschwingen lassen, dass irgendwer ihnen verbietet, die Wahrheit auszusprechen. Und wer könnte das wohl sein? Und bei wieviel Prozent der in Deutschland lebenden löst genau das antisemitische Reflexe aus?

  11. Florian K.

    @ Florian: Der Artikel über den Antiimp und den Antideutschen stammt tatsächlich von mir. Diesbezüglich vielen Dank!

    Mit meiner Aussage Günther Grass als wunderlichen alten Mann abzutun, meinte ich Folgendes:

    Genau wie bei Sarrazin profitiert auch Grass von der gewonnenen Aufmerksamkeit.
    Letztlich sind es genau jene, die sich über ihn (eigentlich zurecht) empören, die ihm erst helfen, dass seine Rechnung sich selbst zum “Märtyrer der Meinungsfreiheit der endlich das Schweigen gebrochen hat” hochzustilisieren, aufgeht.

    Daher auch mein Nachtrag, dass ich eine Publicity-Aktion dahinter vermute.
    Auch negative Publicity ist Publicity, was sich alleine schon daran zeigt, dass ein nicht nennenswertes Gedicht von Günther Grass zu DEM Thema der letzten Tage wurde und sogar weltweit (!!!) für Reaktionen aller Art gesorgt hat.

    So werden Grass und sein Geschreibsel zu einem unvergleichlichen Popanz aufgebläht und der Blick auf die wesentlichen Fragen tritt in den Hintergrund.

    Wenn alle nur müde gelächelt hätten und sich gedacht hätten “naja, jetzt spinnt Opi halt ein Bissel”, wäre das (durchschaubare) Konzept von Grass nicht aufgegangen.

  12. gaukler

    Na, das passt doch Florian K. Den Blätter-Hype um ein arg dürftiges Anti-Kriegs-Gedicht braucht man wirklich nicht. Man braucht dazu auch nicht die rhetorische Form der Demenz oder der späten SS-Kindheitsaufbereitung. Solches war schon in ähnlichen Medienpamphleten um Wiedergänger von Hitler oder Auschwitz die letzten 20 Jahre nicht üblich, auch wenn es dabei um genuine Kriegsprosa ging, um Aufforderung zur Mobilmachung, wie sie noch heute regelmäßig aus Hamburger Stuben tönt.
    Es bleibt zu wünschen, dass in dieser real brisanten Lage dort unten Klugheit leitet, eben alles auf dem Boden bleibt, und nicht die aggressiven Expansionisten aus den iranischen Revolutionsgarden, die rechtsradikalen Minister in Israels Regierung und die Phalanx der Dampfplauderer in deutschen Medien die Überlegungen treiben. All diese Schein-Eliten verfolgen andere, ganz eigene Ziele und Strategien.

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