Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Neue bei der Blöd-Zeitung

- Hinweis: Dieser Artikel ist eine reine satirische Überspitzung und gibt keine tatsächlichen Gespräche wieder. Bei dem Chefredakteur der fiktiven Blöd-Zeitung handelt es sich nicht um eine real existierende Person-

Der junge, aufstrebende Journalist A. wollte eigentlich nie bei Blöd arbeiten. Doch man muss sehen wo man bleibt und schließlich ist die Blöd-Zeitung ja auch unbestreitbar eine der ganz großen der Branche. Ein geeignetes Sprungbrett sozusagen.
Außerdem war es nun mal die Blöd, die ihm keine Absage auf seine Bewerbung geschickt hat. Jetzt war er also da.
Und er hatte seine erste große Story. „Blöd kämpft für Sie!“.
Die Tante der 16-jährigen Moneereh S. hatte sich in ihrer Verzweiflung an Blöd gewandt. Moneereh S. sollte nämlich abgeschoben werden.
Da der junge Journalist A. nicht so genau wusste, wie er die Story aufziehen soll, fragte er den Chefredakteur nach seinem weisen Ratschlag.
Mit einem väterlich-jovialen Schulterklopfen machte dieser sich daran, dem Jungspund zu erklären, wo der Hase im Pfeffer liegt und der Hund begraben ist.

Chef: Gefühl muss rein. Auf jeden Fall Gefühl. Und ein Bisschen Heimat. Hat die kleine Orientalin vielleicht gute Deutschnoten? So was kommt immer gut. Strebsame Schüler. Das lieben unsere Leser.
Journalist: Iranerin.
Chef: Was?
Journalist: Sie ist Iranerin.
Chef: Das können Sie nicht schreiben! Schreiben Sie Perserin.
Journalist: Also dann schreibe ich, dass das Mädchen nach Persien abgeschoben werden soll?
Chef: Nein Iran.
Journalist: Also jetzt doch Iranerin?
Chef: Schreiben Sie Perserin soll in den Iran abgeschoben werden. Das passt.
Journalist: In Ordnung. Aber warum ist das so wichtig?
Chef: Naja… Iran klingt halt so schmuddelig. Schurkenstaat und so. Und wir wollen das Mädchen doch gut darstellen. Persien klingt nach Hochkultur, Bauchtanz und Märchen aus tausendundeiner Nacht. Iran klingt nach Burkas und bärtigen Mullahs.
Journalist: Ach so. Ich verstehe.
Chef: Außerdem… Sie sind ja zu jung um sich noch an den Schah von Persien zu erinnern. Das war ein toller Monarch. Damals war da unten noch alles in Ordnung. So ein glamouröser und kluger Herrscher. Und wie die Perser ihm zugejubelt haben, das hätten Sie sehen müssen. Unsere Zeitung hat immer zum Schah gehalten.
Journalist: Das macht Sinn.

Chef: Aber ihre Schulnoten? Das muss sein, sonst ist sie nicht integriert. Deutsch, Mathe und so. Nicht so was wie Kunst und Sozialkunde.
Journalist: Gute Deutschnoten hat sie und in Mathe ist sie auch nicht schlecht.
Chef: Klasse. Das müssen sie erwähnen. Soll ja keiner denken, dass sie nur dem Sozialsystem auf der Tasche hängt, wenn sie mal groß ist. Irgendwelche Sexgeschichten?
Journalist: Wie bitte?
Chef: Ob sie einen Freund hat oder so.
Journalist: Ich weiß nicht so genau. Ich glaube nicht.

Chef: Recherchieren Sie da nochmal. Wenn sie einen Freund hat, dann sollte sie vielleicht so ein bisschen Sexy abfotografiert werden. Das mögen die Leser. Sie müssen die Menschen schließlich noch mit einem Adjektiv versehen, damit der Leser weiß, was er zu fühlen hat. „Die schöne Moneereh S.“, das klingt so ein bisschen nach diesen Hula-Mädchen. So nach exotischem Reiz und so. Da appellieren Sie an Träume bei unseren Lesern. Das ist wichtig.
Journalist: Und wenn sie keinen Freund hat?
Chef: Unschuldig! Eine orientalische Jungfrau. Unberührt. Eng.
Journalist: Das soll ich aber nicht so schreiben. Oder?
Chef: Nein! Natürlich nicht! Ich habe nur laut gedacht. Machen sie halt so ein bisschen Engelchen mit einer Spur Lolita. Beschützerinstinkt in Kombination mit Sex. Das zieht.

Journalist: Aber sollte es in dem Artikel nicht um ihre Abschiebung gehen?
Chef: Darum geht es ja! Wir verhindern ihre Abschiebung!
Journalist: Aber wie können wir ihre Abschiebung verhindern, wenn wir nur über ihr Sexualleben und ihre Schulnoten schreiben und überhaupt nichts zur Sache sagen?
Chef: Wir wecken Emotionen. Wir mobilisieren einfach ein paar Leute. Und welcher Amtsschimmel würde sich mit uns und dem Volkszorn, den wir entfesseln können, anlegen? Wenn wir sagen, „hier Leute, die hier schiebt ihr aber nicht ab“, dann wird sie nicht abgeschoben. Basta! Soll ich Ihnen mal was ganz ehrliches anvertrauen?
Journalist: Ja was?
Chef: Ich sage Ihnen das nur weil ich Sie mag und Sie müssen mir versprechen, dass Sie niemandem sagen, was ich ihnen jetzt sage und vor allem, wie ich es gesagt habe.
Journalist: Versprochen!
Chef: Vergessen Sie nicht, dass ich Sie jederzeit verschwinden lassen kann. Beruflich und anderweitig.
Journalist: Äh… ja.
Chef: Also hören Sie mir gut zu. Eigentlich ist mir dieses Kanakenmädchen so was von piepegal, das glauben Sie gar nicht. Von mir aus können die sie nach Timbuktu abschieben und dort von drei Riesennegern…
Journalist: Äh…
Chef: Ach egal. Vergessen Sie das eben. Der Kaffee, sie verstehen?
Journalist: Ich verstehe. Aber warum nehmen wir uns der Sache dann überhaupt an? Ich meine gestern haben wir noch einen Artikel über die kriminellen Ausländer geschrieben, mit dem Tenor, dass die alle weg müssen.
Chef: (lacht) Sie sind noch so jung und naiv! Genau das ist unsere Strategie. Solche emotionalen Einzelfälle mit denen profilieren wir uns in der Öffentlichkeit. Da kann dann keiner von der dreckigen Linkspresse mehr kommen und uns sagen, wir wären ausländerfeindlich. Da können wir uns hinstellen und sagen „Seht her! Wir haben die kleine *wiehießsiegleich* vor der Abschiebung gerettet und was habt Ihr getan?“ Wir können dann sagen „Seht her! Wir machen neutralen Journalismus. Wir sind weder links noch rechts. Wir sind investigativ!“.

Journalist: Also deshalb machen wir das?
Chef: Naja… das hat auch noch ein paar andere Gründe.
Journalist: Welche?
Chef: Wir müssen da auch an unsere Leser denken. Unsere Leser mögen eigentlich keine Ausländer. Aber jeder hat so seinen Ausländer den er liebgewonnen hat. Ali den Dönermann von Nebenan. Costas den Gemüseverkäufer. Fatima die schöne Backwarenverkäuferin. Jeder hat so seinen guten Ausländer. Wir müssen den Leuten das Gefühl geben, dass wir ihnen den nicht wegnehmen wollen. Wir müssen auch an die kleinen Leute denken. Und an unsere Leser… , die kleinen Leute.
Journalist: Jetzt verstehe ich. Das ist genial.
Chef: Das Konzept ist erprobt und funktioniert. Aber es gibt noch einen Grund.
Journalist: Welchen?
Chef: Naja… die Ausländer sind doch eh überall. Die kaufen uns auch.

Journalist: Stimmt! Aber was soll ich noch mit der Story machen?
Chef: Hmmm… Iran sagten Sie?
Journalist: Ja.
Chef: Dann bietet sich doch was mit Islam an oder so? Die soll schließlich in so einen Mullah-Staat abgeschoben werden. Schreiben Sie neben das Foto: „Soll dieser schöne Kopf verschleiert werden?“ Was Islamkritisches ist immer gewünscht!
Journalist: Gewünscht? Von wem?
Chef: (zuckt mit den Schultern) Wer ist John Galt?
Journalist: Wie bitte?

Der Chef lacht kurz und schaut den Journalisten an, als hätte dieser einen Insiderwitz nicht verstanden.

Chef: Eine Amerikanerin. (murmelt) … hat das geschrieben…
Journalist: Ich verstehe nicht. Was meinen Sie?
Chef: Ein Buch. Ich dachte Sie kennen das vielleicht. Sehr gutes Buch. Sollten Sie mal lesen. Hier und da vielleicht zu liberal für meinen Geschmack.
Journalist: Nein. Kenne ich nicht. Was hat das damit zu tun?

Chef: Unser alter Verleger war ein großer Mann. Mit Visionen. Es gibt einfach Leute, die haben so eine Schaffenskraft. Das sind natürliche Eliten, einfach weil sie dazu bestimmt sind, es zu sein. So einer war unser Verleger. Wir sind nicht einfach irgendwer. Wir haben Ziele. Wir wollen was für uns erreichen und für Deutschland, wir vom Verlag. Diese Schaffenskraft ist das was wir wollen. Steuern runter macht Deutschland munter! Schluss mit Hartz-IV-Beschiss auf Florida und den ganzen Sozialschmarotzern! Wir wollen dem hart arbeitenden Bürger etwas geben. Ein Volksradio oder einen Volks-PC zum Beispiel.
Journalist: Also das ist das Ziel?
Chef: Naja… genau betrachtet geschieht das mehr nebenbei. Eigentlich wollen wir eher etwas verhindern, als etwas erreichen.
Journalist: Was verhindern?
Chef: Verrücktheiten eben. Da draußen laufen so viele Verrückte herum. Linke, Protestierer, Autonome, Sozialisten, Kommunisten, arbeitsunwillige Schmarotzer, Ökos und jetzt neuerdings auch Islamisten. Wir wollen, den Leuten Orientierung geben. Den einfachen Leuten Orientierung geben, sonst rennen die diesen Anderen hinterher und dann haben wir hier morgen Kommunismus oder die Scharia. Wissen Sie: Es geht um Kultur. Kulturkreise. Clash of Cultures. Wir oder die. Ich habe eigentlich garnichts gegen Hinrichtungen, auch wenn ich die im Iran immer kritisiere. Wenn ich das mit den ganzen Kinderschändern hier mitkriege, dann wünschte ich mir doch so eine ordentliche Steinigung. Insgeheim tut das doch auch jeder unserer Leser. Es müsste halt eine deutsche Steinigung sein und keine islamistische. Wissen Sie noch wie dieses unsympathische Backpfeifengesicht, dieser Magnus G. den kleinen Jakob von Metzler ermordet hat?

Journalist: Ja das weiß ich noch. Die Folterdiskussion.
Chef: Die Folterdiskussion. Genau. Wir müssen bei so was ein Bisschen unkorrekt sein, politisch gesehen. Die Leute wollen das. Wir wollen, dass die Leute das wollen. Wir sind ja auch ein großer Verlag und haben mehrere Zeitungen. Die kleinen Leute lesen die Blöd und die mit Studium lesen den Planet. Das ist schließlich auch aus unserem Hause. Der Planet schreibt eigentlich das gleiche wie wir. Nur in längeren Sätzen. Aber wir sind eben das Flaggschiff. Die meisten Intellektuellen mögen uns ja gar nicht. Aber trotzdem ist es so, dass uns alle kaufen. Die Rechten kaufen uns weil wir ihren Gefühlen und Denkmustern entsprechen. Die Linken kaufen uns, um sich über uns lustig zu machen oder aufzuregen. Und die Unpolitischen kaufen uns wegen der Titten und Sexgeschichten. So einfach ist das. Wir machen Meinung und dabei viel Geld. Und wir rahmen Leute ein.
Journalist: Was meinen Sie mit einrahmen?
Chef: Schauen Sie mal. Da haben wir diese ganzen linken Promis angeschrieben und ihnen angeboten, dass sie auf einem Werbeplakat alles schreiben können, was sie wollen. Auch uns kritisieren durften sie. Und die meisten waren so dumm und haben mitgemacht. Dann mussten wir nur noch unser Logo unter diese Leute setzen und schon haben sie sich selbst jegliche Glaubwürdigkeit genommen. Wie wollen diese Leute uns noch kritisieren, nachdem wir selbst ihre Kritik an uns noch zu unserer Werbung gemacht haben?
Journalist: Genial! Und was mache ich jetzt mit dem Artikel über das iranische Mädchen?
Chef: Ach. Schreiben Sie irgendwas, was das Herz oder die Eier unserer Leser anspricht und lassen Sie die öffentliche Meinung den Rest erledigen. Wenn alles nichts hilft, diffamieren Sie den Beamten, der für die Abschiebung zuständig ist. „Herzlos-Beamter will schöne Perserin abschieben“ oder sowas. Selbst wenn der uns verklagt. An der Auflage verdienen wir mehr, als seine Anwälte, seine Klage und sein ganzes Scheißleben wert sind. Wenn wir mit dem fertig sind, dann kann der sich doch nur noch untern Gasherd legen. Der kann es sich gar nicht leisten eine Klage gegen uns zu verlieren. Oder zu gewinnen.


4 Kommentare zu “Der Neue bei der Blöd-Zeitung”

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