Frankfurter Gemeine Zeitung

Bewerbung als Wurstdesigner bei REWE

Wurtdesign
Foto: Matt Dolibog

An
Rewe Markt Naumann GmbH
z.Hd. Herrn Naumann
Industriestr.6
35091 Cölbe
Frankfurt, 3.6. 2012

Bewerbung als Wurstdesigner

Sehr geehrter Herr Naumann,

auf Facebook bin ich auf ihr Anzeige aufmerksam geworden. Hiermit bewerbe ich mich um die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als “Wurstdesigner” im REWE-Markt in Cölbe. Ich bin von Jugend an kreativ gewesen, wie Sie in ihrer Anzeige vorrausetzen, habe den REWE-Markt stets als “serviceorientiert und marktfrisch gekannt” und Deutsch und Geschichte studiert. Außerdem hege ich schon lange nebenberuflich ein Interessen an Krakauern.
Der Großvater meiner momentanen Lebensgefährtin war ein bekannter Metzger, dessen Pfälzer Kalbsleberwurst ebenso wie sein Feinrippunterhemd mehrfach prämiert wurde.

Andererseits arbeiten einige meiner Freunde erfolgreich als GrafikdesignerInnen. Auch insofern spüre ich eine natürliche Affinität zum Wurstdesign, dem in diesem Bereich die Zukunft gehört. Ich denke hier z. B. an Aufschnitt in Form von lustigen Clowns-Gesichtern, Video-Tafeln, in denen ein interaktives, animiertes Schwein, den Kunden einlädt, dieses oder jenes Stück von ihm zu probieren, berührungssensible Wurstpellen u. a.  Ich habe noch ein paar weiterführende Ideen, die ich Ihnen gerne im Verlaufe eines persönlichen Gespräches unterbreiten würde.Warum nicht mal eine ganze “Schlachtplatte”, die die zerstörte Frankfurter Altstadt wieder aufleben läßt? Über die Zerstörung von Cölbe oder Ihre eigene weiß ich bislang vergleichsweise wenig-das läßt sich sicher nachholen.

Aber auch eine reine Verkaufstätigkeit, wie sie der Untertitel: “Fachverkäufer Feinkost” andeutet, käme mir entgegen, da ich nicht zuletzt auch gerne mit Menschen arbeite und nach einer Wirbelsäulen-OP eine berufliche Neuorientierung suche.
Aufgrund meines Alters und meiner Ausbildung sehe ich mich eher als Quereinsteiger, denn als Azubi.

Über die Gelegenheit zu einem persönlichen Verwurstungsgespräch würde ich mich freuen.

Bert Bresgen


Lehrer-Prozentrechnen mit Nicola Beer

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Calculating Machine von Charles Babbage (1847)

Sie werden jetzt vielleicht fragen: WHO THE FUCK ist Nicola Beer? Nicola Beer ist von der fdp, aha, die Partei gibts ja immer noch, und seit dieser Woche ist sie sogar neue Kultusministerin hierzulande. Sie wurde in HR-Info befragt zur hessischen Schulpolitik, genauer zur Versorgung der Schulen mit Lehrern. Ihre Vorgängerin Dorothea Henzler, auch FDP, hatte als Zielvorgabe ausgegeben, die hessischen Schulen sollten bis 2013 “eine 105-prozentige Lehrerversorgung” erhalten. Sie werden vielleicht fragen: ja, warum das denn? “105 Prozent”, das ist ja wie bei den Wahlen in der DDR, das hieße ja….im Ende…wenn mans genauer betrachtet…. fünf Prozent mehr als hundert! Warum denn SO viele? Mit den fünf Prozent extra wollte die Landesregierung die Schulen in die Lage versetzen, auch mal einen Sozialpädagogen einzustellen oder Schwerpunkte zu setzen oder Krankheitsfälle aus zu gleichen und andere schöne Dinge. Nicola Beer hat nun klar gestellt, dass sie von den 105 Prozent nichts hält und zwar mit folgender Begründung: “Es kommt am Ende nicht so sehr auf die Zahl an. Eltern können mit 105, 104 oder auch 108 wenig anfangen, wenn vor Ort Unterricht ausfällt.” Sind doch nur Zahlen und Zahlen zählen nicht, liebe Eltern, und mal ehrlich, die meisten von Euch habens doch eh nicht so mit Zahlen, oder? Das ist die im HR verkündete Botschaft der neuen Kultusministerin ans Volk. Also, ich persönlich könnte ja schon was mit der Zahl “105″ oder gar “108″ anfangen, wenn “vor Ort Unterricht ausfällt”, denn dann würde ich mich fragen, wo sind die 5 oder 8 Prozent zusätzliche Lehrer, die eingestellt wurden und jetzt Vertretung machen könnten, haben die sich alle im Lehrerzimmer eingeschlossen? Aber die meisten Eltern, so denkt Nicola Beer offenbar, können sich gar nicht vorstellen, dass 5 % bei 56000 Lehrern in Hessen ein Unterschied machen, wahrscheinlich weil der Matheunterricht früher sowieso immer ausgefallen ist, da gabs ja noch weniger Lehrer, und das ist doch auch gegangen. Und sie selbst, kaum im Amt, nervt die Sache auch schon: sie will, sagte sie noch, nicht “mit der Opposition Schlachten um irgendwelche Statistiken” führen, sondern wahrscheinlich lieber frisch von der Leber weg vor Ort ihr Amt genießen. Und wer verstünde das nicht? Die Grünen verstehens schon irgendwie, wie sie ja alles verstehen, aber der Lehrer in ihnen bäumt sich trotzdem auf und klagt “Verlässlichkeit” ein: “Wir waren uns eigentlich fraktionsübergreifend einig, dass eine 105prozentige Lehrerversorgung notwendig ist, um die Schulen bei ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen, ” so der Grüne Bildungsexperte Mathias Wagner. Aber das nützt ihm wenig, denn der bildungspolitische Sprecher der CDU, Hans Jügen Irmer, kann und will sich an die schöne Fraktionsübergreifende Einigkeit gar nicht erinnern, sondern hält der Opposition jetzt vor, sie klammere  sich “an selektiv betrachtete Werte wie ein Betrunkener an den Laternenpfahl.” Man darf die Werte achten, aber nicht selektiv betrachten, sondern immer im Kontext. Und es gibt überall und immer nur einen relevanten Kontext: Geld und Macht. Davon abgesehen: was geht uns unser Geschwätz von gestern an? So ist das. Wenn man es so läßt.


Das Rendite-Wunder ist tot! Es lebe das Rendite-Wunder!

Am Freitag vernahm ich in einem Frankfurter Cafe ein paar Sätze älterer Herrn, die ihr Bedauern über den Abgang von Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG am Vortage ausdrückten. Den wichtigsten Frankfurter für die beiden Verehrer des Instituts sahen sie jetzt durch eine regelrechte Fremdokkupation ersetzt, nämlich in der Nachfolge durch einen indischen Geldzauberer, der noch nicht mal Deutsch spricht – und das bei einer Deutschen Bank.
Das allseits beliebte Ziel Ackermann machte auch mich noch einmal wehmütig: welchen Betrag leistete er doch für die kontinuierliche große Politik bei uns. Der Schweizer war auch so schön deutsch, verehrt und weltweit erfolgreich, ein Kapitän durch die Krise und vermutlich der wichtigste deutsche Wirtschaftsführer, immer wieder im Fernsehen und noch vieles mehr. Deswegen mochten ihn alle, so oder so.
Vor allen Dingen beherrschte er Stimmungsmache wenn es um was geht, für das Klientel und das große Publikum: nur selten ging das daneben. Vor, bei Ausbruch und im chronischen Verlauf der Krise aus US-Land machte der Chef-Banker einige mutige Kursbewegungen mit: leuchtende Augen von Vermögens-Rentiers bis Finanzkollegen bei seinem Renditeziel von 25%, feierliche Stimmung bei Hilfereichungen im Kanzleramt vor und zu Ackermanns Geburtstag, danach eifriges Kopfnicken wenn der Meister des Cash Flows den Wert des Staats für die Wirtschaft betont, und zum Schluß wieder, jetzt, wenn der Staat selbst klammer wird, die Betonung der Führungskraft wirtschaftlicher Prinzipien, der Lerneffekte, die von seinem Institut für die Sparsamkeit der öffentlichen Finanzen ausgehen. Wer will schon viel Staat? Genau.

Deutsche Bank AG: wirklich systemrelenavt

Deutsche Bank AG: wirklich systemrelevant

All das in einem kommt in den Nachrufen auf den Star gut an, jetzt wo wir hier kämpfen müssen. Fast alle in Deutschland haben seine Appelle zum richtigen Sparen in der Welt begriffen, denn wer von uns weiß nicht, was es kostet, wenn für den Dispo im Jahr 18 Prozent Zinsen zu zahlen sind, an die Bank. Da muß doch jeder in die Krise kommen, der nicht richtig haushaltet.
Nun tritt der Londoner Investmentbanker als Chef der Bank zur richtigen Zeit auf die Bühne, um mit Investments den Wettbewerb anheizen zu können. Das ist gut für uns und die armen afrikanischen Kinder, aber nicht für die prassenden Griechen, wie es Ackermanns Kollegin Christine Lagarde für den IWF schön auf den Punkt brachte. Und sie waren wieder schlau in den Doppeltürmen, mit einem Herz für die alternden Rentiers, der Zielgruppe der Vermögensverwaltung: deutsche Gründlichkeit soll der zweite Vorstandschef des Instituts ausstrahlen. Sie repräsentieren ideal die beiden Seiten, denen sich das deutsche Grundgefühl des Wettbewerbsstaats so ergeben fühlt: an manchem ordentlich sparen um den Ertrag für andere ordentlich zu verbessern.
Und darin sind sich viele einig in Deutschland, seien sie schwarz oder gelb, von der SPD oder den Grünen: das Rad muß weiter gedreht werden, auch der Finanzmarkt muß wie geschmiert laufen. Deshalb haben sie es schließlich in den letzten 15 Jahren angeschoben. Und Ackermann hat ihnen so gut geholfen dabei, eine Tradition, die uns in Zukunft gewiß erhalten bleibt.
Der kurze Aussetzer im Geschäft ist schon längst vergessen, oder?


Pressemitteilung von Occupy Frankfurt: “Wir lassen uns nicht verbieten”

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*Occupy:Frankfurt Camp wird – wie von der Stadt Frankfurt gefordert – zu etwa 80% teilgeräumt; die restlichen 20% zu räumen, ist aus Sicht von Occupy:Frankfurt politisch und organisatorisch nicht vertretbar

Frankfurt, 04. Juni 2012 Auf der Asamblea (Versammlung) vom 03. Juni 2012 gab es einen regen Meinungsaustausch über die Zukunft von Occupy:Frankfurt und dem €-Camp an der EZB. Auch wenn nicht konkret über den von der Stadt Frankfurt geforderten Auflösungstermin (31.7.2012) abgestimmt wurde, zeichnet sich schon jetzt eine klare Tendenz ab: die AktivistInnen sind nicht gewillt, mit ihrem Protest zu einem bestimmten Datum aufzuhören. Die Occupy Bewegung hat inzwischen eher mehr als weniger Grund, den politischen Protest an die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Sichtweise der Stadt Frankfurt ist richtig, dass es in den Reihen der Campbesucher soziale Probleme gibt. Diese Probleme würden aber durch ein Verbot des Camps nicht beseitigt, sondern nur verlagert werden. Occupy:Frankfurt mahnt hier ganz klar die soziale Verantwortung der Stadt Frankfurt an. “Wir von Occupy:Frankfurt sind der Auffassung, dass genügend Mittel für die Behebung von sozialen Problemen zur Verfügung ständen, wenn die deutsche und europäische Politik ihre Aufgaben ernst genommen hätte. Stattdessen werden diese Mittel für die Behebung der Probleme von reichen Bankern genutzt.”

Die Stadt Frankfurt hat bereits Zwangsgelder wegen dem aus ihrer Sicht illegalen Camp-Aufenthalt der Roma Familie verhängt. Dazu stellt Occupy:Frankfurt fest: “Wir haben in dem Campbereich kein Hausrecht und unterstützen das politische Anliegen der Roma. Wir werden uns nicht dem Druck der Stadt Frankfurt beugen und heimatlose Menschen (darunter hochschwangere Frauen) vollends in die Gosse zu stoßen. Nach unserer Auffassung hätte eine Stadtverwaltung, die ihre soziale Verantwortung ernst nimmt, längst für einen angemessenen Wohnraum (zumindest für die schwangeren Frauen) gesorgt.”

Die Diskussion zu den Forderungen der Stadt Frankfurt wird in einer weiteren Asamblea fortgesetzt. Der Termin hierzu wird kurzfristig auf unserer Homepage (http://www.occupyfrankfurt.de/) veröffentlicht. Außerdem gibt es einen Hinweis hierzu in unserer nächsten Pressemitteilung.

Stimmen von AktivistInnen:

Wiebke, 36: „Wir werden nicht wie das Kaninchen vor der Schlange warten bis die Stadt Frankfurt Ende Juli versucht Tatsachen zu schaffen, sondern wir werden offensiv agieren um einen öffentlichen und politischen Druck zu erzeugen, der ein fortbestehen des Camps über diesen Termin hinaus möglich macht.“

„Politischer Protest ist in Deutschland nur meldepflichtig und bedarf keiner weiteren Genehmigung,” sagte Thomas Occupy, 52. “Unser Protestcamp vor der EZB ist angemeldet. Wenn die Stadt Frankfurt dieses Camp ab einem jetzt schon bekannten Termin verbieten will, so soll sie dies umgehend öffentlich und mit Begründung tun. Der Weg über eine kurzfristige Verfügung mit dem sofortigen Vollzug ist aus meiner Sicht ein klarer Rechtsbruch.“

BlackHat: „Wenn man nicht den Banken hunderte von Milliarden zuschustern würde, wären
genügend Mittel vorhanden, um die meisten sozialen Probleme in Europa zu lösen.”


Blind Dates 4.6.- 11.6.

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Montag, 4. Juni

Club Voltaire: 20 Uhr: Die international ausgerichtete Zeitschrift für Literatur & Kultur DRIESCH aus Österreich (Wien-Drösling) zu Gast in Frankfurt. Herausgeber der DRIESCH Haimo L. Handl, und der Frankfurter Autor Vougar Aslanov, der ebenfalls bei Driesch publiziert, lesen aus Ihren Werken vor. Die Autoren, auch die Autoren mit Migrationshintergrund, die ihre Werke für Driesch anbieten wollen, sind ebenso herzlich eingeladen.

Mittwoch, 6. Juni

19.30 Uhr Café Koz im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim: Heute ihr, morgen wir.Vortrag: Repressive Maßnahmen gegen Fußballfans – Experimentierfeld für Demos, Diskos und Datenbanken?
In einigen Städten verhängen Diskobesitzer gegen missliebige Personen Diskothekenverbote für die gesamte Stadt nach dem Vorbild von Stadionverboten. Ausreiseverbote wurden zunächst gegen Fußballfans angewandt, bevor sie massenhaft gegen Gegner des G8­Gipfels in Genua eingesetzt wurden. Die Datei Gewalttäter Sport ist Vorbild für andere sog. Gewallttäterdateien wie z.B. die “Datei Gewalttäter links”. Die Referentin Angela Furmaniak ist Rechtsanwältin und vertritt sowohl Personen aus dem politisch linken Spektrum als auch Fußballfans.

Donnerstag, 7. Juni

18 Uhr Mal Seh’n Kino, Adlerflychtstr. 6, Film: SUSHI – THE GLOBAL CATCH (OmU) (bis 13.6.)

Das kulinarische Phänomen der letzten Jahre – Sushi. Zu seinen Anfängen in Japan von Straßenhändlern angeboten, ist der globale Siegeszug der exquisiten Delikatesse heute nicht mehr aufzuhalten.
Was jetzt Massenware ist, erforderte einst nicht nur Kunstfertigkeit, sondern vor allem Zeit.

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