Frankfurter Gemeine Zeitung

Das Rendite-Wunder ist tot! Es lebe das Rendite-Wunder!

Am Freitag vernahm ich in einem Frankfurter Cafe ein paar Sätze älterer Herrn, die ihr Bedauern über den Abgang von Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG am Vortage ausdrückten. Den wichtigsten Frankfurter für die beiden Verehrer des Instituts sahen sie jetzt durch eine regelrechte Fremdokkupation ersetzt, nämlich in der Nachfolge durch einen indischen Geldzauberer, der noch nicht mal Deutsch spricht – und das bei einer Deutschen Bank.
Das allseits beliebte Ziel Ackermann machte auch mich noch einmal wehmütig: welchen Betrag leistete er doch für die kontinuierliche große Politik bei uns. Der Schweizer war auch so schön deutsch, verehrt und weltweit erfolgreich, ein Kapitän durch die Krise und vermutlich der wichtigste deutsche Wirtschaftsführer, immer wieder im Fernsehen und noch vieles mehr. Deswegen mochten ihn alle, so oder so.
Vor allen Dingen beherrschte er Stimmungsmache wenn es um was geht, für das Klientel und das große Publikum: nur selten ging das daneben. Vor, bei Ausbruch und im chronischen Verlauf der Krise aus US-Land machte der Chef-Banker einige mutige Kursbewegungen mit: leuchtende Augen von Vermögens-Rentiers bis Finanzkollegen bei seinem Renditeziel von 25%, feierliche Stimmung bei Hilfereichungen im Kanzleramt vor und zu Ackermanns Geburtstag, danach eifriges Kopfnicken wenn der Meister des Cash Flows den Wert des Staats für die Wirtschaft betont, und zum Schluß wieder, jetzt, wenn der Staat selbst klammer wird, die Betonung der Führungskraft wirtschaftlicher Prinzipien, der Lerneffekte, die von seinem Institut für die Sparsamkeit der öffentlichen Finanzen ausgehen. Wer will schon viel Staat? Genau.

Deutsche Bank AG: wirklich systemrelenavt

Deutsche Bank AG: wirklich systemrelevant

All das in einem kommt in den Nachrufen auf den Star gut an, jetzt wo wir hier kämpfen müssen. Fast alle in Deutschland haben seine Appelle zum richtigen Sparen in der Welt begriffen, denn wer von uns weiß nicht, was es kostet, wenn für den Dispo im Jahr 18 Prozent Zinsen zu zahlen sind, an die Bank. Da muß doch jeder in die Krise kommen, der nicht richtig haushaltet.
Nun tritt der Londoner Investmentbanker als Chef der Bank zur richtigen Zeit auf die Bühne, um mit Investments den Wettbewerb anheizen zu können. Das ist gut für uns und die armen afrikanischen Kinder, aber nicht für die prassenden Griechen, wie es Ackermanns Kollegin Christine Lagarde für den IWF schön auf den Punkt brachte. Und sie waren wieder schlau in den Doppeltürmen, mit einem Herz für die alternden Rentiers, der Zielgruppe der Vermögensverwaltung: deutsche Gründlichkeit soll der zweite Vorstandschef des Instituts ausstrahlen. Sie repräsentieren ideal die beiden Seiten, denen sich das deutsche Grundgefühl des Wettbewerbsstaats so ergeben fühlt: an manchem ordentlich sparen um den Ertrag für andere ordentlich zu verbessern.
Und darin sind sich viele einig in Deutschland, seien sie schwarz oder gelb, von der SPD oder den Grünen: das Rad muß weiter gedreht werden, auch der Finanzmarkt muß wie geschmiert laufen. Deshalb haben sie es schließlich in den letzten 15 Jahren angeschoben. Und Ackermann hat ihnen so gut geholfen dabei, eine Tradition, die uns in Zukunft gewiß erhalten bleibt.
Der kurze Aussetzer im Geschäft ist schon längst vergessen, oder?


4 Kommentare zu “Das Rendite-Wunder ist tot! Es lebe das Rendite-Wunder!”

  1. Wachstum

    Gemeine Zeitung ist einfach nur ein geiler Name =)

  2. Esthernabt

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