Frankfurter Gemeine Zeitung

Staatliche Antigentrifizierung, oder Viel Lärm um Roth.

Frankfurt ist dynamisch. Frankfurt ist im Wandel. Frankfurt ist im Werden. Frankfurt geht berg ab/auf (das richtige bitte streichen).

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Dazu geschieht in Frankfurt etwas mysteriöses…

Wir leben in einer aufregenden Epoche, werte Leser[GrossesI]nnen. Denn bedenken Sie dies: alle Frankfurter Viertel werden gegeneinandergewürfelt. Während Bockenheim, Gallusviertel, Bornheim der Gentrifizierung zum Opfer fallen, während dort Luxuswohnungen für die Reichen und Schönen dieser Welt geplant sind / gebaut werden, während die Urbewohner dieser Viertel durch steigende Mieten fortgejagt werden, geschieht in Sachsenhausen etwas völlig gegensätzliches. Dank Bemühungen der nunmal ehemaligen OB Petra Roth.

Falls jemand diese Tage in jene Gegend hineinwagt, erlebt man eine aussergewöhnliche Art der Solidarität. In jedem schnuckeligen Fenster, an jedem gut gebauten Auto, auf jeder Sachsenhäuser Straßenlaterne hängen Poster, Aufkleber, Slogans gegen das allgegenwärtige Übel: Fluglärm.

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Und tatsächlich: werden die Fluglärmgegner am Römer als Sonderlinge behandelt, versteht man erst hier, in dieser Gegend, worum es geht: Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge. Heidenlärm in Endlosschleife. Tagsüber. Und Nachts. Denn beim Nachtflugverbot werden nunmal einige Ausnahmefluge genehmigt – und dieses Ausnahme-Kontingent wird jede Nacht froh ausgeschöpft.

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Doch am Römer werden diese Sonderlinge nur schwer geduldet. Denn – selber schuld. Bereits 2000 wies die Demokratie-Expertin Petra Roth jede Kritik an Flughafenausbau im Bezug auf Lärm ab:

Wem es zu laut wird, der hat ja das demokratische Recht wegzuziehen” (Im Oberräder Depot, 20.03.2000)

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Nun, Anfang dieser Woche, als ex-OB am Paulusplatz mit Merkel&Co verabschiedet werden sollte, wollten die Sonderlinge aus Sachsenhausen (und allen anderen Frankfurter Gegenden) den Verabschiedungsakt mit LärmStörAktionen begleiten. So einfach wollte es Frankfurt den Lärmgegnern nicht machen, so mussten sie sich das Recht auf Demonstration vor Gericht erstreiten. Doch Frankfurt gab nicht nach, es kam eine weiter Hürde auf die Protestierer zu.

“Die Stadt hat den Protestlern die Auflage gemacht, dass sie nicht lauter als 80 Dezibel sein dürfen; die Einhaltung wird mit Messungen an zwei Stellen überprüft.” (FNP, 11.06.2012)

Die LärmStörAktion gegen Fluglärm sollte halt nicht so störend sein, und nicht so lärmend. Damit die liebenswerten Damen Roth und Merkel dadurch ja nicht gestört werden. Ach, diese lästigen Kopfschmerzen bei den lauten Protestaktionen… Frei nach “S’ils n’ont pas de pain, qu’ils mangent de la brioche.

“Die Fluglärm-Gegner fühlen sich durch die Lärmauflage schikaniert: “80 Dezibel ist genau die Lautstärke, mit der die Schmerzklinik in Mainz überflogen wird”, betont Michael Wilk vom Arbeitskreis Umwelt zu Beginn seiner Rede.” (ebenda)

Doch erfinderische Geister Johannes Faupel und Bernd Mey haben bereits eine andere wunderbare Möglichkeit gefunden – LärmMobil. Und das funktioniert so: man parkt das LärmMobil in Nieder-Erlenbach, neben der Haustür der ehemaligen OB Petra Roth. Und per high-tech-System wird hierher der Lärm übertragen, der gerade im Himmel über Sachsenhausen herrscht.

Denn zurück zu Sachsenhausen, dessen Schicki-Micki-Status noch vor kurzem mit dem von Westend und Nordend konkurrierte. Das war mal ein besseres Viertel, das sieht man nach all den Häuser mit putzigen Gärten und Mini-Villen, deren Fenster nun jeden Besucher buchstäblich anschreien.

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Doch die Schreie hört man nicht, denn tatsächlich – der Flugverkehr über dem Kopf übersteigt jede rationale Ebene.

Und so kommt ein seltsamer Gedanke. Das, was hier geschieht, ist nichts anderes als Anti-Gentrifizierung. Die Mieten fallen, die Häuser werden verkauft, stehen verlassen leer (ein feuchter Traum jedes Maklers wird hier wahr), die Bevölkerung, die es kann, verlässt die Gegend.

Und dann kommt ein weitere, noch seltsamerer Gedanke. Was ist, wenn die Gentrifizierung von Bockenheim und Co. eine vorausschauende Strategie im Bezug auf Antigentrifizierung von Sachsenhausen ist? Damit die Eliten nicht nach Wiesbaden oder woanders demokratisch wegziehen, sondern doch in Frankfurt bleiben? Die Bewohner Frankfurter Viertel werden schlechthin ausgetauscht.

Nein, das ist wohl zu weit gedacht, möchte man hoffen. Nichtdestotrotz – die Stadtlandschaft wird in den nächsten Jahren völlig anders sein. Dank unermüdlichen Bemühungen von Petra Roth. Nun, jetzt kommt Peter Feldmann. Man munkelt, er habe während seiner Wahlkampagne bei einer Familie in Sachsenhausen übernachtet.  Tjaja.

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5 Kommentare zu “Staatliche Antigentrifizierung, oder Viel Lärm um Roth.”

  1. Sarah

    Ich war bei der Überschrift des Artikels leicht verwirrt und bin es auch jetzt noch. Das Wort Gentrifizierung beinhaltet doch die Aufwertung anderer Stadtteile oder auch Straßenzüge. Diese wird in Frankfurt eben über die Abwertung anderer Stadttiele vorgenommen. Der Gentrifizierungsbegriff greift auch iher – imho

  2. Merzmensch

    Das stimmt zwar schon, Gentrifizierung funktioniert durch wandelnde Ab- und Aufwertung der Stadtviertel. Doch im Bezug auf Sachsenhausen spielt der Begriff Gentrifizierung – in meinen Augen – eine paradoxale, wenn nicht oxymoronhafte Rolle. Denn mir scheint es, dass Sachsenhausen eigentlich kein passendes Viertel ist, um in Rahmen der Gentrifizierung abgewertet zu werden, so statusbeladen ist sein Image. Hier ist, denke ich, das Unvermeidbare im Spiel – die engstirnig zielstrebige Ausbau des Flughafens, um jeden Preis, ohne die Konsequenzen der Stadtentwicklung zu beachten – oder jene ignorierend.

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