Frankfurter Gemeine Zeitung

Deutsche Verteidigungsliga – auch in RheinMain

Passend zum Nationen-Kampf gegen Wettbewerber und Verlierer wie Griechenland oder Portugal und ähnliche Luschen auf dem Platz und der Ökonomie verzeichnen schwarz-rot-goldene Enthusiasten neue Organisierung. Und das ist überhaupt nicht mehr zum Lachen, besonders wenn solche rechtsradikalen Trupps in Frankfurt wie am gestrigen Samstag in Ginnheim aufmarschieren können: unter massivem PolizeiSCHUTZ! Bedenken und Verbote wie bei den Demonstranten mit Grundgesetz an der Paulskirche vor einem Monat finden sich hier bei Schwarz-grün und Polizeiführung in Frankfurt nicht.

Polizeischutz für GDL - 23. Juni inf Frankfurt Ginnheim

Polizeischutz für GDL - 23. Juni in Frankfurt Ginnheim

Wer bisher dachte GDL stehe ausschließlich für Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wird sich in Zukunft möglicherweise darüber wundern wenn zu vernehmen ist, dass irgendwo eine Schlägerei zwischen Salafisten und Mitgliedern der GDL entbrannte. Es sind dann aber nicht aufrechte Gewerkschafter mit Qualifikation zum Führen eines Schienfahrzeuges, die sich ein Händel mit religiösen Spinnern geliefert haben Die Rede ist von der German Defence League, abgekürzt GDL. Diese orientiert sich an der English Defence League.

Die EDL ist ein Bündnis islamophober Hooligans und kann als militanter Arm der englischen Anti-Islam Szene verstanden werden. Britische Medien haben in der Vergangenheit wiederholt über gewalttätige Auseinandersetzungen bei Demonstrationen berichtet. Die deutsche Ableger der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen ( gibt es bei denen überhaupt irgendeine Frau? ) wirbt mit einem Link auf PI-News. Öffnet man den Link erscheint eine sparsame Seite in der ein gelb-rotes Kreuz auf schwarzem Grund den Blick fixiert. Umrundet wird das Kreuz von den Worten „German Defence League Maximum Resistance“. Das Logo könnte auch von Thor Steinar stammen, oder aus einem Computerspiel. Darunter findet sich ein Video das wohl für die Organisation werben soll, seine Spannung aber ausschließlich aus der Verwendung des Soundtracks des Films „Das Boot“ zieht. (Was will uns die GDL damit sagen? Das sie in der Tradition der deutschen U-Bootfahrer im zweiten Weltkrieg stehen? Das ihr Schiff, die GDL, am Ende versenkt wird? Das sie einfach nur die Musik geil finden? Sie dürften für die Verwendung genauso wenig die Rechte haben, wie die wiederholte Verwendung des Bundesadlers auf ihren Seiten – Wo sind eigentlich die Abmahnanwälte wenn man sie mal braucht? )

Interessant wird es bei dem Punkt „Wer wir sind – wofür wir stehen“ . Dort heißt es „Die German Defence League hat sich der Bewahrung der christlich-jüdischen Traditionen unserer europäischen Kultur verschrieben.“ Das passt zu dem Kreuzsymbol. Aber: europäische Kultur ist in ihren Augen vor allem Rechtskultur, denn diese bedeute Freiheit. Dem stehe gegenüber der Islam, der Recht als göttliches Naturrecht begreife. Dementsprechend ist der Mensch im Islam nicht frei. „Die Freiheit ist nicht Beliebigkeit, nicht Willkür, Freiheit bedeutet nach Kant Autonomie, d.h. Selbstgesetzgebung. Der Mensch ist frei, weil er sich selbst Gesetze geben kann. Der Islam kennt keine Selbstverpflichtung des Individuums sondern lediglich eine ca. 1430 Jahre alte religiöse Wertung, die alle Lebensverhältnisse eines Menschen regelt.

Hier offenbart sich in wenigen Sätzen die Beliebigkeit und Willkür im Umgang mit Geschichte und Philosophie der neuen Verteidiger des Abendlandes. Die christlich-jüdische Tradition von der gesprochen wird, ist ein zynisches Konstrukt, bestand doch jahrhundertelang die Tradition zwischen Christen und Juden darin, dass Letztere von Ersteren verfolgt wurden und zwar in ganz Europa. Man mag ihnen zugute halten, dass sie möglichweise nur Nachsprechen was Unionspolitiker erfunden haben, Gedankenlosigkeit macht es aber auch nicht besser. Eigenständig ist auf jeden Fall ihr Missverständnis über den Rechtsstaat. Rechtsstaatlichkeit ist eine Folge der Aufklärung und zu dieser hat das Christentum wenig beigetragen und mehr nach Kräften versucht diese zu hindern. Dies wird ignoriert obwohl sie im weiteren Text selber immer wieder anführen, wie bedeutsam in der Geschichte der Gedanke der Trennung von Religion und Staat war. Hier werden eigene Widersprüche ausgeblendet, um umso stärker die Rückschrittlichkeit der Anderen zu betonen. Ebenso selbstzentriert ist ihre Wahrnehmung von Freiheit. Sie können sich nicht vorstellen, dasses ebenso zur Freiheit des Menschen gehört, wenn er sich Gesetze wie die Scharia gibt. Das er dabei glaubt er habe sich diese nicht selbst gegeben, sondern stammen von ganz oben, ist dabei unerheblich. Es sei denn, und dafür spricht nichts bis Null, dass die Scharia tatsächlich von einem Gott käme. Dann wäre allerdings die Ausgangslage irgendwie schon eine andere.

Es ist eine interessante Idee die europäische Kultur, die natürlich auch durch den Nahen Osten geprägt wurde, primär als rechtgeschichtliche Entwicklung zu begreifen, die erst Freiheit hat entstehen lassen und damit das Subjekt konstituiert hat. Ein Gedanke den der Historiker Michel Foucault sicherlich anregend gefunden hätte. Dennoch bleibt es eine unzulässige Reduzierung von gesellschaftlicher Komplexität zugunsten eines einzelnen Aspekts. Die Frage ist, welche Konsequenzen zieht die Truppe aus ihrer Kreuz- und Bundesadlersymbolik, ihrer halbgaren Philosophie?. Sie nennen sich Verteidigungsliga und wollen das Recht verteidigen. Wollen sie es auch durchsetzen? Ich werde jetzt aber entgegen meiner Eingangsworte nicht sagen, dass bald rechte Polithooligans aufmarschieren die sich als moderne Kreuzritter imaginieren, auch wenn ihre Assoziation mit der English-Defence-League dies nahe legt. Es ist aber möglich das sich dauerhaft ein weiterer Akteur mit Radikalisierungspotential,.in der anderen Rechten etabliert. Einen Charter, pardon, eine Division gibt es auch schon im Rhein-Main Gebiet.


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