Frankfurter Gemeine Zeitung

Treffen zur ABG am Donnerstag 12. Juli

agb

Am vergangenen Wochenende wurde ein – mit öffentlichen Mitteln finanziertes, ehemals landeseigenes – Haus der ABG Holding besetzt: das leerstehende, denkmalgeschützte Philosphicum auf dem Campus Bockenheim. Das Universitätsgebäude wurde von dem – von Adorno und Horkheimer aus dem Exil gerufenen – Baumeister Ferdinand Kramer entworfen, um der Demokratisierungen der Hochschule nach 1945 eine architektonische Form zu geben. Der Geschäftsführer der ABG Holding hatte wiederholt öffentlich verkündet, dass der Erhalt dieses Gebäudes “unrentabel” sei und abgerissen werden sollte. Die Besetzer haben mit ihrer Aktion nicht nur den Denkmalschutz und die Umnutzung eines leerstehenden Gebäudes für bezahlbaren Wohnraum thematisiert, sondern auch die gewinnorientierte Geschäftspolitik der ABG Holding in Frage gestellt.

Diese Geschäftspolitik wurde am 27. Juni’ von Petra Roth bei einer Bilanz-Presse-Konferenz kommentiert mit den Worten: “”Mit der ABG FRANKFURT HOLDING hat die Stadt Frankfurt ein wirtschaftlich erfolgreiches und im Markt hervorragend positioniertes Wohnungsunternehmen, das auch seiner sozialen Verantwortung und seiner Verantwortung für die Umwelt in vollem
Umfang gerecht wird.”
www.abg-fh.de/home/homepage.htm

Hinsichtlich der “sozialen Verantwortung” gibt es zahlreiche Berichte von MieterInnen der ABG Holding, die das Gegenteil behaupten.

Hinsichtlich des wirtschaftlichen Erfolgs kann man nur staunen: während der Rotstift im öffentlichen Haushalt regiert, kassierte die ABG Holding einen satten Konzernjahresüberschuss für das Geschäftsjahr 2011: 53,6 Millionen Euro (2010: 45,7 Millionen Euro). Offen bleibt die Frage, wie dieser Profit zustande kam und wofür er verwendet werden soll.

Wir wollen uns in einer AG vom “Aktionsbündnis für bezahlbaren Wohnraum” mit der ABG Holding befassen und Aktivitäten beraten.

Als Vorschläge für unser Treffen am Donnerstag, 12. Juli,19 Uhr im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim ( K3 im ersten Stock) liegen u.a. auf dem Tisch:

* Zeitung für die MieterInnen der ABG
* Öffentliche Pressekonferenz vor dem Geschäftshaus der ABG Holding
* Aktion zum Neubauprojekt der ABG Holding am Bockenheimer Depot
* Filmveranstaltung “Frankfurter Häuserkampf” (Sanierungsmaßnahmen der ABG Holding in der City West)

Wir freuen uns über weitere Vorschläge und vor allem über MitstreiterInnen, die solche Vorschläge auch organisatorisch umsetzen.


Geburtstag und Krisen des Kapitalismus

Zum Sonntag sei an ein lange verstorbenes Geburtstagskind und seine immer noch überraschenden Einsichten erinnert. Während im Jahre 2012 in Deutschland die Wissenschaft, namentlich die von vielen anerkannte der Wirtschaft sich in einen wirklich erbärmlichen Zustand des Unwissens befindet, lassen sich von dem Herrn, der von 300 Jahren geboren wurde, einige wesentliche Mechanismen der Wirtschaft lernen. Vielleicht kommen die von Steuergeldern bezahlten “Fachleute” heute dann nicht mehr darauf, ihre Schematisierungen auch noch im Gestus von Stammtisch-Appellen der Öffentlichkeit zu verkaufen.

Ein ganz besonderer Mechanismus, der gleich den herrschenden  Krisenumgang im heutigen Deutschland mit erklärt und den Wirtschaftswissenschaftler zu denken geben sollte, vielleicht sogar über ihrer eigene Rolle sei zitiert, brachte  Jean-Jacques Rousseau im Jahre 1755 dem damals dem noch verständnisvolleren Publikum nahe.

Er beschreibt damit einen “Gesellschaftsvertrag des Betruges” zwischen Reichen und Armen in modernen Gesellschaften, die deren reibungslosen Gang garantieren. Der Reiche bringt ihn wie folgt vor:
Ihr braucht mich, denn ich bin reich und ihr seid arm; treffen wir doch unter uns eine Vereinbarung: Ich erlaube, dass Ihr die Ehre habt, mir zu dienen, unter der Bedingung, dass ihr mir das wenige geben werdet, was euch bleibt, und dies für die Mühe, der ich mich unterziehen werde, um euch zu befehlen.

Heute sind viele Verträge verwandter Art, etwa zwischen Privatunternehmen und Öffentlichen gleich gar nicht mehr für uns lesbar, damit wir nicht genau wissen, was sie uns alles aus der tasche ziehen.


Siberian Art Underground

372793_388720034524426_305905324_nSo, und während die Mauer zwischen zwei Deutschlands noch nicht – zumindest materiell – gefallen war, weit weg, in Sibirien, genauer gesagt in Tomsk – und noch genauer: 5.538 Kilometer von Berlin entfernt (70 Stunden Autofahrt, 984 Stunden zu Fuss) – da wurde im Herbst 1988 die Internationale Assoziation der Neuen Proletarischen Kunst gegründet. Und dann im Februar 1989 bereits das erste Dada-Konzert in der UdSSR. Und noch jede Menge anderer Aktivitäten, die immer wieder die Mainstream+Staatskultur der UdSSR sprengten, hinterfragten, persiflierten.

Organisatoren waren Anatoli Skatchkov, Maks Baturin, Andrej Filimonov.

Und nun machen wir einen Zeit/Ort-Sprung aus der Vergangenheit in die – gegenwärtige – Zukunft, und zwar in die nächste Woche. Aus Tomsk nach Frankfurt am Main, in die Platform Sarai, über die wir bereits berichteten, berichten und berichten werden.

Der Euch bereits seit langem bekannte Organisator der Frankfurter Kunsplatform Sarai, Anatoli Skatchkov, lädt den Euch vielleicht ab jetzt bekannten Autor Andrej Filimovov zur Lesung ein.

Aus dem Programm:

Geboren 1969 in Tomsk, Sibirien, Andrej ist einer der berühmtesten Dichter und TV-Journalisten seiner Generation. Lesen wird er Auszüge aus seinem preisgekrönten Buch “Aus dem Leben von Jelupener” – Dokumentation des lebens der sibirischen Underground-Kunst-Szene in den späten Sovjet-Zeiten. Zu den Protagonisten des Buches zählen neben dem Autor selbst auch Maks Baturin, Fedor Lutov, Nat Skatchkov und andere. Anschliessend wird eine Videodokumentation des aktuellsten Literaturfestivals PlaceNowhere in Tomsk gezeigt.

Die Zeiten ändern sich. Nicht.

Wann: Dienstag, 10. Juli 2012, ab 20:00
Wo: Platform Sarai, Schweizer Str. 23, Frankfurt
Web: https://www.facebook.com/events/388720034524426/


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