Frankfurter Gemeine Zeitung

Geburtstag und Krisen des Kapitalismus

Zum Sonntag sei an ein lange verstorbenes Geburtstagskind und seine immer noch überraschenden Einsichten erinnert. Während im Jahre 2012 in Deutschland die Wissenschaft, namentlich die von vielen anerkannte der Wirtschaft sich in einen wirklich erbärmlichen Zustand des Unwissens befindet, lassen sich von dem Herrn, der von 300 Jahren geboren wurde, einige wesentliche Mechanismen der Wirtschaft lernen. Vielleicht kommen die von Steuergeldern bezahlten “Fachleute” heute dann nicht mehr darauf, ihre Schematisierungen auch noch im Gestus von Stammtisch-Appellen der Öffentlichkeit zu verkaufen.

Ein ganz besonderer Mechanismus, der gleich den herrschenden  Krisenumgang im heutigen Deutschland mit erklärt und den Wirtschaftswissenschaftler zu denken geben sollte, vielleicht sogar über ihrer eigene Rolle sei zitiert, brachte  Jean-Jacques Rousseau im Jahre 1755 dem damals dem noch verständnisvolleren Publikum nahe.

Er beschreibt damit einen “Gesellschaftsvertrag des Betruges” zwischen Reichen und Armen in modernen Gesellschaften, die deren reibungslosen Gang garantieren. Der Reiche bringt ihn wie folgt vor:
Ihr braucht mich, denn ich bin reich und ihr seid arm; treffen wir doch unter uns eine Vereinbarung: Ich erlaube, dass Ihr die Ehre habt, mir zu dienen, unter der Bedingung, dass ihr mir das wenige geben werdet, was euch bleibt, und dies für die Mühe, der ich mich unterziehen werde, um euch zu befehlen.

Heute sind viele Verträge verwandter Art, etwa zwischen Privatunternehmen und Öffentlichen gleich gar nicht mehr für uns lesbar, damit wir nicht genau wissen, was sie uns alles aus der tasche ziehen.


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