Frankfurter Gemeine Zeitung

Oswald Metzgers Glück und Ende

Oswald_MetzgerFoto: Tilwe

Erinnern sie sich noch an Oswald Metzger? Umtriebiger Vortragender, “Wirtschaftsexperte”, gern eingeladener Talkshowgast, denn er traute sich als Grüner “unbequeme Wahrheiten” wie diese auszusprechen: “Viele Sozialhilfeempfänger sehen ihren Lebenssinn darin , Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen.” Seinen eigenen Lebenssinn sah er hingegen darin, der -vorsichtig ausgedrückt- Unternehmernahen “Initiative Soziale Marktwirtschaft” lohnende Lobbydienste zu leisten, Bücher über “Die verlogene Gesellschaft” zu schreiben oder einen einheitlichen Steuersatz von 30-35% für alle zu fordern, der durch “Subventionsabbau” gegenfinanziert werden sollte. Kurz: Metzger war als Sarrazin der Grünen ein viel zitierter Medienheld, bis es selbst den Grünen zu bunt wurde. Renate Künast forderte ihn 2007 “zur konsequenten Umsetzung seiner Rücktrittsgedanken” auf. Metzer, der begnadete Stigmatisierer, fühlte sich nun seinerseits von den Grünen “stigmatisiert”. November 2007 trat er aus, im Februar 2008 legte er sein Landtagsmandat nieder und trat im März 2008 flugs in die CDU ein. Klare Sache, denn Metzger war bei den Grünen Vertreter der schwarz-grünen Pizzaconnection, die sich im Bonner Edelitaliener “Sasella” zu treffen pflegte, um bei reichlich Kohlehydraten und Alkohol Strippen zu ziehen.
Bald aber musste der bewährte Pizzaverschlinger und frischgebackene CDU-ler feststellen, dass sich die Medien für ihn als CDU-Mitglied nicht mehr sonderlich interessierte, da der Provokationseffekt fehlte, den er bei den Grünen einst besaß. Die Meldung: “CDU-Mitglied fordert weniger Steuern” hat ungefähr den Informationswert von “Hund beißt Mann.” Und er mußte feststellen, dass die CDU keinen Grund sah, ihren unverlorenen schwarzgrünen Sohn in die feisten Arme zu schließen. Die Bieberracher CDU wollte ihn nicht, auch im Bodenseekreis verlor der Ex-Star in seiner neuen Partei gegen einen Bürgermeister aus dem Winzort Herdwangen. 2010 versuchte er OB-Kandidat in der Spielzeugstadt Ravensburg zu werden- und verlor innerparteilich gegen Daniel Rapp. Prompt wurde der Bürgermeister. Vor einer Woche, am 7. Juli ist Metzger daran gescheitert vom Ravensburger CDU-Landkreis als Kandidat aufgestellt zu werden. Und das obwohl Metzger in Ravensburg lebt und er “im Schwäbischen aufgewachsen und verwurzelt” ist, wie seine Homepage beschwört. Aber da nutzte alle Verwurzelung nix, Metzger landete bei den Schwaben nur auf Platz 3 hinter dem Gymnasiallehrer Andreas Schockenhoff und dem Gastwirt Hans Jörg-Leonhardt aus dem Allgäu. Während der letztere gerne den Alkohol ausschenkt, ist der erstere vor allem dafür bekannt, dass er ihn sich gerne einschenkt: so fuhr Schockenhoff auf einem Musikfest in einen anderen Wagen, begann Fahrerflucht, wurde dann trotzdem mit 2 Promille im Blut erwischt. Eigentlich war dies die einzige Tat, mit der sich der Gymnasiallehrer, der seit 22 Jahren den Wahlkreis Ravensburg im Bundestag vertritt, jemals hervor getan hat. Und trotzdem hatte Metzger, über den der Stern einst schrieb:”An Oswald Metzger kommt keiner vorbei!” gegen diese beiden im Wortsinn “Flaschen” keine Chance. Vorbei, vorbei…
Tja, so sind sie die Schwaben. Vielleicht ging ihnen aber auch nur das Sprichwort im Kopf herum: nur die allerdümmsten Kälber wählen sich den Metzger selber. Und Metzger selbst? Sagte auf die Frage, ob er seine, äh, politische Karriere fortsetzen wolle: “Man soll niemals nie sagen.” Doch dem erwidern wir als furchtlose Ritter vom Nie: “Nie, Nie, Nie!”


Ein Kommentar zu “Oswald Metzgers Glück und Ende”

  1. Wohlgemuth

    Mir hat sich nicht gleich erschlossen, was uns der Autor mit dem Bericht über ein Wahldebakel in der schwäbischen CDU am Bodensee eigentlich sagen möchte.
    Kurzes Nachdenken über das schwarz-grüne Frankfurt offenbart aber eine handfeste Prophezeiung: wenn Grüne Leithammel im Geiste eigener Vorteile die neoliberale und postdemokratische Ausstattung der Stadt zusammen mit pechschwarzen Kumpanen in Römer und Wiesbaden zu weit treiben, dann wollen sie irgendwann selbst die Leute im Nordend und in Eschersheim nicht mehr sehen, nie, nie, nie mehr.

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