Frankfurter Gemeine Zeitung

Stand der Dinge – Frankfurt im Sommer

Nun ist er vollzogen, der Wechsel an der Spitze – und alles scheint so weiter zu gehen, wie es sich für eine ά-City gehört. Na gut, das mit der Green-City Sache hat nicht geklappt, fehlt die Streuobstwiese in der Anlage, die hängenden Gärten und der CO2-neutrale Kulturcampus. Was nicht ist, wird sicher noch werden.

Das Wetter ist beschissen und die Kämpfer*innen sind erschöpft. War doch einiges los in der Stadt, jetzt ist es wieder ruhig wie immer, die Goethestrasse ist nicht mehr verrammelt, die Freßgass’ kann ihre Feste feiern, am Bockenheimer Depot wird endlich für alle gebaut, die Frankfurter Hoteliers können ihrerseits wieder ruhig schlafen, die Bettensteuer kommt nicht, dafür gleichen sich langsam aber stetig Miet- und Hotelpreise an.

iron frankfurt

Die Menschen von Maredo verlieren ihre Prozesse, die bei Neckermann ihre Jobs, die Deutsche Bank macht glänzende Geschäfte (und sich nichts aus der Unterscheidung legal – illegal), sowieso boomt Deutschland und an seiner Spitze steht Frankfurt.

Nur will sich partout kein Gefühl von Zufriedenheit einstellen, auch nicht in den Strassencafés der bekannten Frankfurter Meilen. Dabei hatte die Stadt reichlich Zuspruch in letzter Zeit: 30.000 bei Blockupy, 70.000 bei JP Morgan-Lauf, etwas 200.000 beim Ironman, hübsch was los. Alles hetzt von Event zu Event und das Leben pulsiert, das erfreut das Herz eines richtigen Metropoliten. Und das muss einfach weiter so gehen. Frankfurt ist voller Leuchttürme, die strahlen hinaus, global.

Dies ruft natürlich auch die Nörgler auf den Plan, die stets das Schlechte sehen, weil sie nicht von den Notwendigkeiten abstrahieren können, die die großartige globale Stellung und Zukunft so mit sich zu bringen pflegen und deshalb den Flughafen angreifen, der uns erlaubt in kurzer Zeit alle angenehmen Orte dieses Globus anzupeilen, aber auch das gehört zur Stadt, diese provinziellen Attitüden, stört aber mitunter.

Mal ehrlich, so Hand aufs Herz, hier haben wir doch Voraussetzungen, für die uns viele beneiden. Da gibt es jetzt einen OB, der angetreten ist, das Soziale mit dem Notwendigen zu versöhnen, ihm fehlt zwar die nötige Basis, jedenfalls parlamentarisch, aber das sollte doch Hoffnung wecken. Da ist sich die Basis mit den Funktionsträgern nicht mehr so richtig GRÜN, die halten dafür aber umso energischer an ihren Vereinbarungen mit der Macht fest, zum Besten aller hier, trotzdem.

Die Stadt funktioniert, immer noch ist das Bemühen vorherrschend, sich irgendwie einzurichten, na schön, es wird viel geklagt, doch wann wäre dies anders gewesen.

Mehrheitlich bleibt Frankfurt unaufgeregt, Sperrungen werden klaglos hingenommen, egal aus welchem Anlass, damit muss diese internationale Stadt einfach leben. Gelassen öffnet die Frankfurterin ihren Rucksack und lässt tiefe Einblicke zu, lächelt, wenn der Flyer für den nächsten Bushido-Workshop beschlagnahmt wird, und zieht dann weiter auf die Zeil. Der Preis halt für die internationale Aufmerksamkeit, Kennzeichen der Attraktivität, Begleiterscheinung einer international wettbewerbsfähigen Stadt.

Und leider wird viel zu oft vergessen, dass diese Stadt ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie aus Revoluzzern tragende Säulen dieser Gesellschaft geworden sind, die so richtig lebendige bunte Flecken in das vormalige Grau gebracht haben, wer kann schon einen Tigerpalast, ich will hier nicht alle aufzählen, in seinen Mauern vorweisen, einen Aussenminister von Weltrang, einen Europa-Abgeordneten mit derartiger Strahlkraft, die vielen hier nicht aufgezählten mögen es mir verzeihen. Schon diese Aufzählung droht den Schreiber zu erschöpfen und in tiefe Depression fallen zu lassen

So braucht diese Stadt ein Sommerloch, um sich zu stärken für die Nachferienzeit mit ihren glamourösen Festivitäten, zu denen sie wieder in tausenden strömen werden. Was eine leichte Untertreibung ist, denn für das Museumsufer, das festliche werden so 4 Millionen erwartet. Das nenne ich mal Mobilisierung.

Zwischenzeitlich begeben wir uns auf die Suche nach Orten der Sammlung im Auge des Taifuns der Zerstreuung und spinnen darüber, wie man die Hektik dazu nutzen könnte, sich selbst lahm zu legen, vertraute Gewohnheiten an ungewohnte Plätze bindet, fühlen uns wohl in diesen Szenarien, die immerhin noch Ahnungen von Alternativen vermitteln, Fluchtpunkte aus dieser verordneten Unerträglichkeit bilden – und geniessen den städtischen Abend.


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