Frankfurter Gemeine Zeitung

Magistrat und BILD gegen Occupy Frankfurt: Ekel-Alarm

ratten
Das beste an Occupy Frankfurt ist bekanntlich, dass es immer noch da ist. Erstaunlicherweise scheint in unserer Mainmetropole des Weltoffenheitsschmonzes allein schon DAS als Provokation zu genügen, um den politisierten Campern den Garaus machen zu wollen. So nach dem Gestus: irgendwann muss ja mal Schluß sein mit der Weltoffenheit. Aber der Stadt ergeht es nicht anders als jedem anderen spießigen Liebhaber, der die, die ihn einst -trotz all ihrer Fehler-faszinierte, irgendwie loswerden will: eine Begründung muss her. Die Kritik an den Banken kanns nicht sein, denn die hat man ja kopfnickend begrüßt und für irgendwie bedenkenswert befunden. Die Gewaltkarte hat man schon während der BloccupyTage eher erfolglos gespielt. Die Occupisten geben eher Narrenkappen als Haßkappen ab. Also heißt jetzt die Exit-Linie: Du achtest nicht auf Dich…und die Wohnung sieht aus…das ganze schmutzige Geschirr….und dann diese Leute mit denen Du Dich umgibst…besser wir sehen uns eine Weile nicht mehr. Ordnungsdezernent Frank will das Occupy Camp jetzt wegen Rattenplage und Seuchengefahr schließen lassen. Und dann die Roma…für einen Ordnungsdezernenten liegen ja unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten Ratten und Roma nicht so weit auseinander. Aber wer kann einem bei dem einigermaßen irrsinnigen Versuch unterstützen, für Frankfurt die potentielle Pestglocke zu läuten? Klar, die BILD. So lesen wir denn dort Überschriften wie EKEL-ALARM: RATTEN BESETZEN OCCUPY-CAMP. Oder: RUMÄNEN ÜBERNEHMEN DAS CAMP. Dazu das Bild eines triumphierenden Rumänen und die Unterzeile: DIE RUMÄNEN HABEN JETZT DAS SAGEN IM OCCUPY-CAMP. GottseiDank hat aber BILD immer noch das Sagen im Land und der Ordnungsdezernent Frank in der Stadt.lUnd man darf gespannt sein, wer, wenn es hart auf hart kommt,gewinnt: die Rumänen, die Ratten oder der Frank. Man könnte etwa im Anschluß an Foucault interessante Untersuchungen anstellen, wann und wo überall der Hygiene-Diskurs angewendet wurde, um Herrschaft durch zu setzen. Leider bin ich dazu nicht in der Lage, weil mich ergreift bei dieser gemeinsamen Ekel-Kampagne von Stadt und BILD eine gewisses Unwohlsein, man könnte sagen…Ü-Ü-Übelkeit….entschuldigen Sie mich kurz.
So, geht schon wieder. Wie fühlen sich eigentlich die Grünen in der Stadtregierung? Ach so, prima. Ja.
Occupy Frankfurt versteht das natürlich alles nicht, wie alle Verlassenen, und ist jetzt und wie in ihrer Pressemeldung wahrhaftig zu lesen ist: schwer enttäuscht. Unterstützen wir sie in Ihrer Ent-täuschung. Am Samstag den 28.7.gibts eine Demo ab 12 Uhr auf dem Rathenauplatz.


Occupy Frankfurt gegen BILD

Am Montag, 23.7. gegen 12 Uhr versammelten sich rund ein dutzend Aktivisten von Occupy Frankfurt vor dem Redakionsgebäude der Frankfurter BILD-Redaktion. Sie wiesen mit einer Plakataktion auf die aus ihrer Sicht inakzeptable und einseitige Berichterstattung des Boulevardblattes hin. Transparente mit Anspielung auf die BILD-Zeitung als untergehendes “BILDTanic” Schiff wurden durch konkrete Auflagenzahlen der bundesweit erscheinenden Zeitung belegt. Die Verkäufe der gedruckten Ausgabe sind in den letzten 15 Jahren beständig rückläufig.

Den Kern ihrer Argumentation sehen die Aktivisten im Anprangern einer menschenverachtenden und rassistischen Kampagne der BILD-Zeitung gegenüber dem Camp der Occupy Bewegung Frankfurt. In Berichten der BILD wurden in den letzten Tagen Schwerpunkt auf die nationale Herkunft von einigen Campbewohnern gelegt: “Rumänen übernehmen das Camp”, oder hygienische Herausforderungen als einziger Focus des Camps dargestellt: “Ekel-Alarm: Ratten besetzen Occupy-Camp”.

Das soziale Miteinander der Menschen in unserer Gesellschaft sehen die Aktivisten durch solche Berichterstattung angegriffen, und auf eine harte Probe gestellt.

Dazu drängt sich der Verdacht auf, als Nebeneffekt könnte eine Stimmung in der öffentlichen Wahrnehmung geschaffen werden, die eine Räumung des Camps, geradezu Säuberung durch die Stadtverwaltung Frankfurt begünstigen soll.

Für die Aktivisten von Occupy Frankfurt besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen der Funktion der BILD-Zeitung als Massenmedium in unserer Gesellschaft, und dem Bestreben Einzelner, die durch Alle erwirtschafteten Gewinne nur Wenigen zu Gute kommen zu lassen. Insofern ist die BILD-Zeitung, so Occupy Frankfurt, ein Organ, das unkritisch dem Systemerhalt dient.


LiteRad-Tour – Lesen und Radeln entlang des Mains

LiteradTour (2)
Am 29.7. ab 15 Uhr, wird es die erste Lite-Rad-Tour entlang des Mains geben. Halt wird an drei Locations gemacht – und gelesen: am Waggon am Kulturgleis in Offenbach, im Yachtklub in Frankfurt und ein paar Meter weiter am Maincafé.
Der Ausgangspunkt der Veranstalter war: Wir hassen Wasserglas-Lesungen! Eine Stunde still dasitzen, einem monoton lesenden Menschen zuhören, wie er/ sie hohe Literatur liest… grausam. Deshalb läuft das
in der monatlichen Lesebühne im Glücksladen in Frankfurt-Bornheim, Lesebühne des Glücks genannt, anders. Man kann intervenieren, sich einmischen, man kann kritisch fragen, diskutieren und selbst lesen. Alles ist ein bisschen spontaner, wie ein Happening. Wenn die Leute eine Pause brauchen, wird das angezeigt, und dann trinken Autoren mit ihren Gästen Wein (oder auch Wasser, wie man möchte) – wer spezielle Fragen stellen möchte, kann dies in dieser „Pause“ tun, die auch etwas länger ausfallen kann, wenn man beginnt Suppe oder mit Schafskäse gefüllte Teigtaschen zu essen (Spenden werden dafür angenommen). Autor-Leser-Kontakt ist das Stichwort. Die olympischen Spiele beginnen am 27.7. – wieso also nicht Sport mit Literatur verbinden? Ein bisschen in der Sonne radeln – wenn sie scheinen sollte –, entlang des Mains Halt machen und ein bisschen lesen und diskutieren – und vor allem trinken und sich stärken. Dabei ist es einerlei, ob man nur beim ersten Halt dabei ist, ob man zu zweien kommt oder doch von Anfang bis Ende dabei ist. Der Beginn ist um 15.00 Uhr am Waggon am Kulturgleis in Offenbach: Da wird mit dem Lesen begonnen. Danach entlang des Mains radeln.
Um 17.30 Uhr Lesung am Yachtklub, auf der schönen Terrasse, auf dem Main quasi. Danach radeln oder ein Stückchen die Mainpromenade entlang laufen.
Und als letzten Höhepunkt um 19.30 Uhr Lesung am Maincafé Frankfurt – und Apfelwein trinken und diskutieren. Oder auch nicht. ;-) Unter anderem lesen Petra M. Jansen, Jule Weber, George Goodman, Dennis Krause, Carsten Nagels und Jannis Plastargias, mehr dazu hier auf Facebook.
Die Texte? Nun, Poetry Slam, Naturgedichte, witzige, sozialkritische Texte, alles ganz bunt gemischt und etwas anders. Ein bisschen Beat. Etwas Underground…
Ein kleiner Eindruck von der Lesebühne im Glücksladen gibt es hier:


Fünf Ringe uns zu knechten

Olympia Nein Danke

Ein großer Vorteil, den demokratische Systeme gegenüber Militärdiktaturen haben, ist dass sich das Militär in einer Demokratie eben nicht alles gegenüber den Bürgern herausnehmen kann. Das Militär kann beispielsweise nicht einfach mit dem Schützenpanzer durch das Geranienbeet eines unbescholtenten Bürgers walzen und natürlich muss auch niemand in Friedenszeiten eine Flugabwehrraketenstellung auf seinem heimischen Dach dulden.
Dies sollte in einer Demokratie so selbstverständlich sein, dass Verantwortliche aus Politik und Militär niemals auf eine derart abwegige Idee kommen könnten.

Doch wenn irgendwo ein sportliches Großereignis ist, an dem erhebliche wirtschaftliche und nationale Prestigeinteressen hängen, dann scheinen selbst die elementarsten Bürgerrechte zweitrangig zu werden.

Es ist ja bekannt:
Wann immer eine Fußballmeisterschaft (Welt- oder Europa) oder Olympische Spiele in einer Diktatur ausgetragen werden, wird die Diktatur noch ein Wenig diktatorischer. Regimegegner werden vorher noch schnell eingeschüchtert oder schlimmer noch „verschwinden lassen“ und die Meinungsfreiheit wird stärker eingeschränkt, als zuvor.
So war es ja auch während der letzten Olympischen Spiele in China.

Doch wie man sieht, nehmen auch Demokratien unter der Herrschaft von König Sport diktatorische Züge an und vielen Londoner Bürgern dürfte die Freude an Olympia jetzt schon vergangen sein, nachdem ihre Stadt dafür in einen skurrilen Belagerungszustand versetzt wurde, der die übersteigerte Mobilisierung von Sicherheitskräften in Frankfurt zu den Blockupy-Protesten wie eine harmlose Kindergartenveranstaltung aussehen lässt.

Bei den Olympischen Spielen in London handelt es sich nämlich um den größten inländischen Militäreinsatz der britischen Armee in der gesamten Nachkriegsgeschichte.
Es gibt Scharfschützen auf Dächern, Panzerfahrzeuge in den Straßen, tieffliegende Hubschrauber, Raketenstellungen in Parks und auf privaten Hausdächern und auf der Themse kreuzt ein schwer bewaffnetes Kriegsschiff, so als könnten großkalibrige Geschütze irgendwen davon abhalten, sich mit einem Rucksack voller Sprengstoff in einer Menschenmenge in die Luft zu sprengen.

Zwischen dem ganzen Irrsinn müssen nun jene leben und arbeiten, die sich diesen Zustand weder ausgesucht haben, noch in irgendeiner Form von dem olympischen Spektakel profitieren. Und diesen Menschen geht es wie Karl dem Käfer aus dem bekannten Lied: Sie wurden nicht gefragt.
Inzwischen wurde gerichtlich entschieden, dass diese Leute auch nicht zu fragen sind. Das britische Militär hat demnach auch in Friedenszeiten das Recht auf den privaten Grundstücken der Bürger zu veranstalten, was es gerade will, eine Entscheidung, die begünstigt durch Olympia geschaffen wurde, aber als Präzedenzfall durchaus auch Bedeutung gewinnen könnte, wenn es wieder einmal zu sozialen Unruhen kommt.

Sollten politische Verantwortliche, die der Meinung sind, dass die Terrorgefahr in ihrem Lande derart hoch ist, dass Olympische Spiele nur unter massivstem Schutz von Militär und Polizei möglich sind, nicht vielleicht gänzlich darauf verzichten, solche Spiele abzuhalten? Oder könnte noch etwas Anderes dahinterstecken?
Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um zu vermuten, dass es der herrschenden Regierung gut zupass kommt, einmal ausprobieren zu können, wieviel Militarisierung und Überwachung ihres Privatbereiches sie ihren Bürgern noch zumuten können.

Ist es vielleicht so, dass die Leute nicht merken, dass sie in Richtung Diktatur bewegt werden, wenn dieser Prozess nur langsam und schleichend genug stattfindet, gleich dem Frosch, der nicht aus dem Kochtopf springt, wenn man ihn nur langsam genug erhitzt?

Könnte das, was in Frankfurt zu Blockupy im kleinen Stil und in London im großen Stil geprobt wurde, einmal bedeutsam sein, wenn die Zeiten kommen zu denen es heißt „heraus mit dem Gold aus dem Mund“? (frei nach Degenhardt)
(Schützen-)Gräben ums Haus zieht man in London ja jetzt wohl schon nicht nur im übertragenen Sinne.
Ich bin davon überzeugt, dass sportliche Massenveranstaltungen der Staatsmacht oft den Vorwand liefern, den sozialen Ernstfall zu proben und außerdem alles, was missliebig ist und das Bild stört (Bettler, Regimekritiker, Staßenhunde) wegzuknüppeln oder einfach zu killen.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Bürger diese Zusammenhänge erkennen und sportlichen Massenveranstaltungen wie WM, EM und Olympia die Legitimation verweigern. Denn ohne die Begeisterung der Bürger sind diese Veranstaltungen nichts.
So hoffe ich auch, dass niemals wieder so eine Scheißolympiade auf deutschem Boden ausgetragen wird, zumal Olympia in Deutschland ohnehin unter einem schlechten Stern steht.
Der hochtrabende olympische Gedanke ist doch ohnehin nichts mehr als ein schlechter Scherz, eine klägliche Fassade, die die dahinterliegende, von Geld und Doping betriebene, Maschinerie allenfalls notdürftig verdecken kann.
Nicht einmal den plumpen Wert ablenkender Unterhaltung im Sinne von „Brot und Spiele“ hat Olympia. Denn jenen, die das Brot am nötigsten hätten, bringt die Olympiade überhaupt nichts. Nicht einmal eine teure Eintrittskarte zu den Spielen können sich diese Leute leisten.
Brot und Spiele gibt es bei der ganzen verlogenen Veranstaltung also auch nur für die, welche ohnehin besser betucht sind.

Warum schauen sich die Leute aber dennoch jedes Mal wieder zu Olympiaden irgendwelche Sportarten an, für die sich sonst keine Sau interessiert und beachten den Medaillenspiegel, als ob er irgendwelche Relevanz für das eigene Leben hätte?
Kann man sich ein Turnier im Wasserball ober Bahnradfahren nicht eigentlich viel angenehmer ohne den olympischen Popanz ansehen?
Ich denke, dass man dem Gespenst Olympia viel von seiner Macht nehmen könnte, wenn die Menschen es endlich rational und ohne jeden Anflug von nationaler Begeisterung als das betrachten würden, was es ist:

Fünf Ringe uns zu knechten!


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