Frankfurter Gemeine Zeitung

Fünf Ringe uns zu knechten

Olympia Nein Danke

Ein großer Vorteil, den demokratische Systeme gegenüber Militärdiktaturen haben, ist dass sich das Militär in einer Demokratie eben nicht alles gegenüber den Bürgern herausnehmen kann. Das Militär kann beispielsweise nicht einfach mit dem Schützenpanzer durch das Geranienbeet eines unbescholtenten Bürgers walzen und natürlich muss auch niemand in Friedenszeiten eine Flugabwehrraketenstellung auf seinem heimischen Dach dulden.
Dies sollte in einer Demokratie so selbstverständlich sein, dass Verantwortliche aus Politik und Militär niemals auf eine derart abwegige Idee kommen könnten.

Doch wenn irgendwo ein sportliches Großereignis ist, an dem erhebliche wirtschaftliche und nationale Prestigeinteressen hängen, dann scheinen selbst die elementarsten Bürgerrechte zweitrangig zu werden.

Es ist ja bekannt:
Wann immer eine Fußballmeisterschaft (Welt- oder Europa) oder Olympische Spiele in einer Diktatur ausgetragen werden, wird die Diktatur noch ein Wenig diktatorischer. Regimegegner werden vorher noch schnell eingeschüchtert oder schlimmer noch „verschwinden lassen“ und die Meinungsfreiheit wird stärker eingeschränkt, als zuvor.
So war es ja auch während der letzten Olympischen Spiele in China.

Doch wie man sieht, nehmen auch Demokratien unter der Herrschaft von König Sport diktatorische Züge an und vielen Londoner Bürgern dürfte die Freude an Olympia jetzt schon vergangen sein, nachdem ihre Stadt dafür in einen skurrilen Belagerungszustand versetzt wurde, der die übersteigerte Mobilisierung von Sicherheitskräften in Frankfurt zu den Blockupy-Protesten wie eine harmlose Kindergartenveranstaltung aussehen lässt.

Bei den Olympischen Spielen in London handelt es sich nämlich um den größten inländischen Militäreinsatz der britischen Armee in der gesamten Nachkriegsgeschichte.
Es gibt Scharfschützen auf Dächern, Panzerfahrzeuge in den Straßen, tieffliegende Hubschrauber, Raketenstellungen in Parks und auf privaten Hausdächern und auf der Themse kreuzt ein schwer bewaffnetes Kriegsschiff, so als könnten großkalibrige Geschütze irgendwen davon abhalten, sich mit einem Rucksack voller Sprengstoff in einer Menschenmenge in die Luft zu sprengen.

Zwischen dem ganzen Irrsinn müssen nun jene leben und arbeiten, die sich diesen Zustand weder ausgesucht haben, noch in irgendeiner Form von dem olympischen Spektakel profitieren. Und diesen Menschen geht es wie Karl dem Käfer aus dem bekannten Lied: Sie wurden nicht gefragt.
Inzwischen wurde gerichtlich entschieden, dass diese Leute auch nicht zu fragen sind. Das britische Militär hat demnach auch in Friedenszeiten das Recht auf den privaten Grundstücken der Bürger zu veranstalten, was es gerade will, eine Entscheidung, die begünstigt durch Olympia geschaffen wurde, aber als Präzedenzfall durchaus auch Bedeutung gewinnen könnte, wenn es wieder einmal zu sozialen Unruhen kommt.

Sollten politische Verantwortliche, die der Meinung sind, dass die Terrorgefahr in ihrem Lande derart hoch ist, dass Olympische Spiele nur unter massivstem Schutz von Militär und Polizei möglich sind, nicht vielleicht gänzlich darauf verzichten, solche Spiele abzuhalten? Oder könnte noch etwas Anderes dahinterstecken?
Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um zu vermuten, dass es der herrschenden Regierung gut zupass kommt, einmal ausprobieren zu können, wieviel Militarisierung und Überwachung ihres Privatbereiches sie ihren Bürgern noch zumuten können.

Ist es vielleicht so, dass die Leute nicht merken, dass sie in Richtung Diktatur bewegt werden, wenn dieser Prozess nur langsam und schleichend genug stattfindet, gleich dem Frosch, der nicht aus dem Kochtopf springt, wenn man ihn nur langsam genug erhitzt?

Könnte das, was in Frankfurt zu Blockupy im kleinen Stil und in London im großen Stil geprobt wurde, einmal bedeutsam sein, wenn die Zeiten kommen zu denen es heißt „heraus mit dem Gold aus dem Mund“? (frei nach Degenhardt)
(Schützen-)Gräben ums Haus zieht man in London ja jetzt wohl schon nicht nur im übertragenen Sinne.
Ich bin davon überzeugt, dass sportliche Massenveranstaltungen der Staatsmacht oft den Vorwand liefern, den sozialen Ernstfall zu proben und außerdem alles, was missliebig ist und das Bild stört (Bettler, Regimekritiker, Staßenhunde) wegzuknüppeln oder einfach zu killen.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Bürger diese Zusammenhänge erkennen und sportlichen Massenveranstaltungen wie WM, EM und Olympia die Legitimation verweigern. Denn ohne die Begeisterung der Bürger sind diese Veranstaltungen nichts.
So hoffe ich auch, dass niemals wieder so eine Scheißolympiade auf deutschem Boden ausgetragen wird, zumal Olympia in Deutschland ohnehin unter einem schlechten Stern steht.
Der hochtrabende olympische Gedanke ist doch ohnehin nichts mehr als ein schlechter Scherz, eine klägliche Fassade, die die dahinterliegende, von Geld und Doping betriebene, Maschinerie allenfalls notdürftig verdecken kann.
Nicht einmal den plumpen Wert ablenkender Unterhaltung im Sinne von „Brot und Spiele“ hat Olympia. Denn jenen, die das Brot am nötigsten hätten, bringt die Olympiade überhaupt nichts. Nicht einmal eine teure Eintrittskarte zu den Spielen können sich diese Leute leisten.
Brot und Spiele gibt es bei der ganzen verlogenen Veranstaltung also auch nur für die, welche ohnehin besser betucht sind.

Warum schauen sich die Leute aber dennoch jedes Mal wieder zu Olympiaden irgendwelche Sportarten an, für die sich sonst keine Sau interessiert und beachten den Medaillenspiegel, als ob er irgendwelche Relevanz für das eigene Leben hätte?
Kann man sich ein Turnier im Wasserball ober Bahnradfahren nicht eigentlich viel angenehmer ohne den olympischen Popanz ansehen?
Ich denke, dass man dem Gespenst Olympia viel von seiner Macht nehmen könnte, wenn die Menschen es endlich rational und ohne jeden Anflug von nationaler Begeisterung als das betrachten würden, was es ist:

Fünf Ringe uns zu knechten!


32 Kommentare zu “Fünf Ringe uns zu knechten”

  1. gaukler

    Wie treffend!
    Es gibt wenige andere gute Gelegenheiten, die Aufmerksamkeit des Publikums längere Zeit so zu bündeln, dass alle Störungen beliebig agierenden Sanktionskräften überantwortet werden. Das bringt den nützlichen Effekt der Gewöhnung und Akzeptanz solcher paramilitärischen Aufmärsche.
    In London, wie fast immer bei solchen Events könnte man ergänzen, wird das ganze zu einer Stärkung der “unternehmerischen Stadt” genutzt, begleitet von Vertreibung ärmerer Bevölkerung.

  2. Merzmensch

    Ja, die Ausrüstung drüben in London bekommt langsam Ausmasse der lustigen Alpträume von Monty Python. Oder: “[Great Britain,] You are not funny anymore”.

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