Frankfurter Gemeine Zeitung

Neues vom Campus. Heute: Überraschung

Erstaunlich, gar überraschend, wie sich Campus Bockenheim verändert. Wenn Sie diese Tage sein ausgetrocknetes Innere besuchen, werden Sie tatsächlich überrascht sein:

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Und nun in Buchstaben zum Mitlesen (und mit-googlen):

EI LOVE ROSA!
NEU & nur für MÄDCHEN.
KINDER-Überraschung

Die Überraschung, ja gar Verwunderung ist gross.

Welche Zielgruppe wird hier angesprochen?

* Kinder-Uni? Sie fängt aber erst im September an.
* Die gender-kritischen Studentinnen mit Schocko-Vorlieben? Die kritischen Studentinnen essen aber bestimmt keine Ferrero-Produkte (s. CDU-Spendenaffären, [einstig?] nicht artgerechte Käfighaltung,  und gar eventuelle Kinderarbeit, sowie Abwesenheit des Fair-Prädikats).
* Die Mitarbeiterinnen der Hochschule, die in Stunde der Verzweiflung zum Pudels Schocko-Ei-Produkts Kern greifen? Nein, glauben Sie mir, die Mitarbeiterinnen des öffentlichen Dienstes greifen in den Stunden der Verzweiflung zu deutlich härteren Stoffen als zu den Ü-Eiern.

Dennoch scheint diese riesige Werbung auf der (für den draussen wütenden Strassenverkehr) völlig versteckten Innenseite des ehemaligen Labsaals auf einem ehemals kritischsten Campus Deutschlands völlig deplatziert zu sein.

Doch dann – eine Erleuchtung. Man findet auf den Facebook-Seiten von AstA Uni Frankfurt (Urheberschaft leider unbekannt) die einzig mögliche Hypothese, was mit dem Slogan “EI LOVE ROSA” gemeint ist:

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Aber natürlich! Jetzt ist alles klar.


6 Kommentare zu “Neues vom Campus. Heute: Überraschung”

  1. gaukler

    Ich denke, dass auch die Möglichkeit einer versteckten Aktion von Slavoi Zizek dahinter stecken könnte.
    Gäbe es eine bessere Stelle als an der Grenze zum Bankenviertel vor einer kommodifizierten Uni seine Analyse des Waren-Geheimnisses im Überraschungsei mit Lacan zu platzieren? Es geht um die Studierenden aus weißer Vollmilch- oder Zartbitterschokolade, in deren Innern sich gewissermaßen immer das gleiche Plastikspielzeug befände, um Zizek paraphrasieren.
    Was versteckt sich an diesem Ort der ABG für die nächsten Jahre noch – ein weiteres, echtes Überraschungsei?
    Wer den Text Zizeks nicht kennt, hier: http://www.zeit.de/2002/38/Unser_Innerstes/seite-1

  2. Merzmensch

    Oh ja, die Parallelen mit dem Žižek-Text sind naheliegend. Vielleicht abgesehen von der Fäkalsymbolik seines Textes, sowie Gender-Thematik des oben dargestellten Werks. Eigentlich ist es eine gute Idee, die Stadt mit solchen impliziten Diskursen zu bedecken, unter dem Mantelchen der Werbung – denn so wird der Simulacrum am Main auf einmal auf eine Meta-Ebene verschoben. Und das wäre echt ein Ding, wenn nicht der Rezipient die Meta-Ebene erreicht, sondern der Objekt seiner Aufmerksamkeit.

  3. ano

    Aber nicht vor lauter Diskursen und simulakren die Realität der kommodifizierten Stadt vergessen. Sonst endet es zahnlos wie bei der institutionalisierten Kritik ein paar Meter vom bunten eiplakat entfernt!

  4. Bert Bresgen

    In der Tat hat das Ding auch was erschreckendes: das elitäre Sich-Aufplustern der Universität zu einer Ansammlung von “Exzellenzclustern ” geht einher mit einem völligen Verlust des Gefühls für die Eigenlogik der Wissenschaft gegenüber den Ansprüchen der Ökonomie und für die “altmodische” Würde des Ortes-zumindest wenns nach außen nicht so sichtbar wird. Warum das Plakat nach innen und nicht zur Straße geklebt wurde, wo es mehr Leute sehen? Nach meiner Vermutung, weil man nach außen doch lieber den Goethe draufpappt. Ob das Ding innen ein paar Studis sehen….Scheiß drauf, hauptsache Nestle zahlt! Dazu muss man sich den Text auf der Uniseite reinziehen:”Bis zum Abriss des Labsaals, zu einem jetzt noch nicht feststehenden Zeitpunkt, werden nur noch die nötigsten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit am Gebäude vorgenommen und das Gebäude bietet Beschäftigten, Studierenden und Gästen der Universität und die Stadt Frankfurt einen „traurigen Anblick“.
    Zur Verbesserung des Erscheinungsbildes wurde ein Projekt initiiert, das hier Abhilfe schaffen soll.Auf der Fassadennachbildung können zeitweise große Poster angebracht werden, die auf Veranstaltungen, Kultur, Services und Leistungen von Stadt und Universität hinweisen und durch die das Projekt refinanziert wird.”
    Mit anderen Worten: Das Überraschungsei verbessert das Erscheinungsbild der Uni! “Der Schwarze Block”hat in seinem Zusammenhang übrigens zur olympischen Disziplin des eierweitwurfs aufgerufen.

  5. Paintball

    Colour it blue!

  6. Geschlechtertrennung bei der Schokolade - ~Schreibtrieb~

    [...] es bereits große Disskussionen. Auf Facebook richtet sich die Kritik direkt an Kinder-Riegel. Die Frankfurter Gemeine Zeitung dagegen amüsiert sich über die Werbung am Campus Bockenheim und dem Slogan der Mädchen-Ü-Eier, [...]

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