Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Rechtsweg ist erschöpft – Räumung des Occupy-Camps

Die vollmundigen Ansagen von der Ausschöpfung des “Rechtsweges”, vorgetragen vom neuen Primus inter pares entpuppten sich wieder einmal als die Art von Einreden, die den Redner beruhigen. Also: alles wie gehabt.

Was sie für sich und ihre Interessen so gerne in Anspruch nehmen: die formalen Abläufe, die abzuwarten sind, das hat hier wenig Bedeutung. Gut gerüstet und vorbereitet, wartete unser Ordnungsrambo Frank nur auf den Spruch des Vorsitzenden und schon, zack, eine SMS, und die Staatsmacht war dabei, die hochgerüsteten Klon-Krieger durften in das Camp einfallen.

Und unser allseits geliebter Feldmann? Schweigen.

Der Zynismus der neoliberalen Standortpolitiker dieser Stadt tobt sich ungehindert aus, indem er die Aufmerksamkeit auf die lenkt, die dem “guten” Frankfurter schon je ein Dorn im Auge waren: Obdachlose, Alkis, Drogis, Roma, der gesamte Müll, der sich auf den Wallanlagen breit macht, auf penetrante Weise sichtbar wird, und der doch in der Innenstadt nichts zu suchen hat. Nun können sie, die wahren Leistungsträger, wieder durch diesen Teil der Anlage hetzen, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen, ohne sich mit Meinungen konfrontiert zu sehen, “denen sie nicht ausweichen können”. Auch den Bankern geht es wieder besser, können sie doch unbeschwert aus den Fenstern schauen, ohne sich die Folgen ihren Tuns vorhalten zu lassen.

Nun gut, das Camp dümpelte so vor sich hin, wollte einfach nicht zu einem städtischen Ort werden, von dem Impulse ausgehen, die in die Stadt eingreifen, weigerten sich die Camper zum Teil, sich als politisch darzustellen, moralisch oh ja, Symbol jener 99 %, die allerdings in Frankfurt sich nicht dazu zählen lassen wollten.

Bedenklich, wenn überhaupt, ist etwas anderes: die Bereitschaft der politischen Klasse hier, jederzeit mit einem militärischen Arsenal aufzufahren, das in keiner Relation zum Anlass steht. Auch hier, wo die Räumung keinerlei Grund für eine irgendwie geartete Bedrohung – ausser der imaginierten für die öffentliche Hygiene – hergibt, von einem breiten Rückhalt in der Bevölkerung kann sowieso keine Rede sein. Dass des Dezernenten Bild-geprägter Schädelinhalt nichts anderes hervor bringen kann, gebongt. Dass die GRÜNEN schweigen, kann nur den verwundern, der die letzten zwanzig Jahre total verpennt hat. Dass das linke Spektrum auch nicht viel zu sagen hat, rührt von der Abgrenzung der Campesinos her und eben der geringen Präsenz in der Stadt.

Gezeigt hat das Ganze, wie schwach dieses Setzen auf Duldung sich erweist, so nett und friedlich mit dem Ordnungsdezernenten über Streuobstwiesen zu diskutieren, es heisst, sich auf eine prekäre Situation einzulassen, in der Hoffnung, es würde sich schon etwas verändern, auf Offensive zu verzichten und die Macht zu bitten, doch etwas Abweichung zuzulassen. Wie gehabt: das reicht nicht, fördert aber die Zustimmung zu diesen wahrhaft “zupackenden” Politikhanseln.

Und: die Gewaltfrage wird nicht gestellt, sie wird zelebriert und stösst auf Einvernehmen. Das zeigt auch die eingeschlagene Taktik: erst das Feld weiträumig absperren, dann die Isolierten abräumen, Logenplätze garantiert. Und so wird das Camp das Schicksal so vieler Veranstaltungen in dieser Stadt teilen, nach dem Aufräumen wird es schnell vergessen sein – und der Platz ist frei für das nächste Event.


5 Kommentare zu “Der Rechtsweg ist erschöpft – Räumung des Occupy-Camps”

  1. Occupy Frankfurt wird geräumt « UmamiBücher

    [...] Kommentar in der Frankfurter Gemeinen Zeitung: Klick. Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies [...]

  2. Frank

    Was hier so geschrieben wurde, hat wieder mal wenig bis nix mit der Realität zu tun.

    “die hochgerüsteten Klon-Krieger durften in das Camp einfallen”
    “hier, jederzeit mit einem militärischen Arsenal aufzufahren”

    Ja, ja und Atomwaffen wurden auch eingesetzt ;-)
    Haben Sie eigentlich Bilder und Fernsehberichte gesehen, da war nix von den oben genannten zu sehen.

    Man ist das hier ein spinnerter Blog, aber wie schon mal gesagt … wenn es nicht so traurig wäre, irgendwie auch mit Amüsier-Potential

  3. Florian K.

    Wortbausatz für einen Frank-Kommentar:

    [Linke Gutmenschen] [Salafisten] [Linksfaschisten] [Realitätsfern] [Spinner] [das sehen alle so] [Fernsehen] [Verblendung] [Islamfaschismus]

    Man rearrangiere diese Worte in beliebiger Reihenfolge und füge noch ein paar zufällig ermittelte Verben und Adjektive hinzu:

    Fertig ist der Frank-Kommentar!

  4. Frank

    Da man keine Gegenargumente hat, versuchen (und das auch noch schlecht und unwitzig) den Kommentar des Vorredners hat ins lächerliche zu ziehen.

    Das wäre dann der typische Florian K Kommentar

  5. Mimi

    Die StaatsGEWALT hat in die Trickkiste gegriffen und den “zivilisierten” Bullen rausgeholt, um ganz zivilisiert Menschen zu entsorgen. Sie hätte sich für den Klonkrieger entscheiden können denn sie ist bekanntlich souverän!

    Jeder Polizist kann sicherlich jederzeit die Rolle abrufen, die gerade für taktisch sinnvoll erachtet wird.

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.