Frankfurter Gemeine Zeitung

Am I a fucking hipster?

Pony Pic
Neulich fragte mich ein Kumpel, was ich von sogenannten Hipstern halte. Er fand diese Leute ganz schlimm ablehnungswürdig, denn sie seien nervtötend, versnobt und außerdem sei ihr Klamottenstil so was von Oberscheiße das gäbe es gar nicht.

Ich fand das interessant, da ich mich mit dem Thema der Hipster bis dahin nicht ernsthaft beschäftigt hatte, wenngleich ich irgendwie am Rande mitbekommen hatte, dass es wieder Personen gibt, die sich so nennen, beziehungsweise von den Medien so bezeichnet werden.

Ich hatte auch ein ungefähres Bild vor Augen:
So ein Typ, der ein T-Shirt von irgendeiner unbekannten britischen Rockband zusammen mit einem Nadelstreifen-Sacko trägt, einen Hut aufhat wie Pete Doherty und dazu eine Brille mit möglichst breitem schwarzem Gestell. Ein Dreitagebart gehörte auch irgendwie zu diesem Bild oder aber vielleicht Kotletten.
Ich stellte mir eine Person vor, die früher regelmäßiger Neon-Leser war, sich dafür aber jetzt ein Bisschen zu erwachsen fühlt, ohne allerdings eine Familie gegründet zu haben und auf Nido (falls es das noch gibt) umgestiegen zu sein.

Was könnte so eine Person sonst lesen, fragte ich mich und dachte sofort an Spex, das Magazin für Popkultur und dazu vielleicht noch etwas Politisches; die taz würde passen. Schließlich ist es ja auch irgendwie ein Statement in der U-Bahn taz zu lesen.

Naja… dachte ich mir da… ein Hipster bin ich wohl nicht, obwohl ich auch irgendwie nicht verstand, was an diesen Leuten so schlimm sein soll. Wenigstens kann man sich mit diesen Leuten auf einer Party über etwas Anderes unterhalten, als den neuen Spiderman/Batman/Wasweisichwasman-Film.

Doch um sicher zu sein, konnte es nur einen Weg geben: Ich musste feminin gehen.
Dieses schlechte Wortspiel bitte ich im Übrigen zu entschuldigen.

Genau genommen ging ich auf die Seite goFeminin.de und machte den todsicheren und unfehlbaren Psychotest „Wieviel Hipster steckt in Dir?“.
Über das Ergebnis war ich dann doch ein Wenig überrascht, denn dort wurde ich eindeutig und unzweifelhaft als „Vollbluthipster“ klassifiziert.

Wow… dachte ich mir.
Dabei kleide ich mich eigentlich eher praktisch als stylebewusst, Spex lese ich auch nicht und ich habe bestimmt noch nicht mal die neue Platte von Major Lazer gehört, es sei denn auf irgendeiner Party, an die ich mich nicht mehr erinnern kann.

Doch ein Psychotest von goFeminin.de kann sich schließlich nicht irren und so musste ich mir die Frage stellen:
Was macht mich zu einem Hipster?
Ich musste also recherchieren, ging dazu auf Wikipedia und las den Eintrag zu Hipster (21. Jahrhundert).

Dort stand:
„Hipster ist ein im frühen 21. Jahrhundert in den Medien verbreiteter, zumeist etwas spöttisch gebrauchter Begriff, der im weitesten Angehörige einer subkulturartigen gesellschaftlichen Gruppierung älterer Jugendlicher bis junger Erwachsener der urbanen Mittelschicht beschreiben soll, die ihrem Szenebewusstsein bei Gleichgültigkeit dem Mainstream gegenüber ignorant bis extravagant Ausdruck verleihen. Der Begriff Hipster ist der gleichnamigen avantgardistischen Subkultur des mittleren 20. Jahrhunderts entlehnt.“

Da hatte ich also den Missing-Link, denn den kommerziell-künstlerischen Mainstream lehnte ich spätestens seit meinem sechzehnten Lebensjahr ab. Einfach weil sich dieser für mich falsch anfühlte.
Ich konnte nun einmal nie besonders gut auf die gängigen Top100-Charttracks und Schlagerpartys sind und bleiben für mich einfach „Hölle, Hölle, Hölle“, selbst wenn ich sturzbesoffen bin.

Auch mit dem aktuellen Mainstream der Filmwelt kann ich wenig anfangen, denn wer solche Filme wie „Izo“, „Die Eleganz der Madame Michel“, „Die Geschichte vom weinenden Kamel“, „Schwarze Katze, weisser Kater“ oder „Lang lebe Ned Devine!“ gesehen und sich in diese Filme verliebt hat, der kann sich einfach keine „X-Men“ oder „Transformers“ mehr antun, ohne dass seine Hirnhaut spontan anfängt Blasen zu werfen.
Zumindest geht es mir da so und das ist irgendwie, bei Licht betrachtet, schon ziemlich hipstermäßig.

Zur urbanen Mittelschicht gehöre ich nun einmal auch und könnte dies wahrscheinlich nur dadurch verändern, dass ich mein gesamtes Vermögen verschenke, aus meiner schicken Wohnung ausziehe und ein paar Jahre „Platte machen“ gehe.
Dazu fehlt mir aber die Motivation.

Ich gehe auch inzwischen kaum noch in „reguläre“ Clubs und war vor kurzem seit Jahren mal wieder im Tanzhaus West gewesen; Drum´n´Bass natürlich, wie in alten Zeiten.
Normalerweise feiere ich aber lieber auf kleineren Parties, die in irgendwelchen Künstlerkollektiven oder ähnlichen Locations stattfinden, wo man an der Tür nicht durchsucht wird.

Vielleicht ist es ja das, was man an uns Hipstern nicht mag:
Wir machen den Mainstream nicht mit und wirken dadurch auf Zeitgenossen für die der Mainstream die Quelle der Unterhaltung schlechthin ist (mögen schließlich ALLE) wie verklemmte und spaßfeindliche Spielverderber.

Aus diesem Grund habe ich mir angewöhnt, gegenüber Normalos über deren Interessen mit einer Form der freundlichen Neutralität zu reden, die mir keine ungläubigen Blicke oder entsetzte Fragen einbringt, à la „Wie? Du fandest The Dark Knight (den von 2008) scheiße? Da hat doch HEATH LEDGER den Joker gespielt?!?“.

Manchmal allerdings will ich meine Mitmenschen trollen und halte meine Meinung nicht hinter dem Berg.
Dann beantworte ich die letztgenannte Frage gerne mit:
„Der einzig gute Film, in dem Heath Ledger mitgespielt hat, war Brokeback Mountain. Der war zwar langweilig, aber da gab es wenigstens Schwule.“
Meist fragt mein verstörtes Gegenüber dann, ob ich selber schwul sei, was ich verneine und dann zu grundsätzlichen Ausführungen darüber aushole, dass nicht-heterosexuelle Menschen in der Filmwelt gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil noch immer marginalisiert werden.
Spätestens an diesem Punkt ist mein Gesprächspartner meist sichtlich genervt und sucht sich einen weniger anstrengenden Mitmenschen zum Reden.
Manchmal finde ich diese Vorgehensweise äußerst hilfreich.

Natürlich gibt es auch Dinge an mir, die nicht hipstermäßig sind. Zum Beispiel hasse ich prinzipiell alle Apple-Produkte.
Ich schätze einfach die höhere Konsumentenfreiheit und die faireren Preise, die alle (!) anderen Hersteller im Gegensatz zu Apple bieten.
Außerdem ist Apple ja auch schon wieder ziemlich Mainstream und bereits in dem Moment wo ich diesen Gedanken hatte, schnappte die Hipster-Falle erneut zu.

Ich musste es wohl einsehen: Aus der Kiste komme ich nicht mehr heraus.

Und wenn man nun schon in einer Schublade steckt, bleibt einem ja gar nichts Anderes übrig, als sich in dieser häuslich einzurichten.
Wenn ich ehrlich bin, gibt es ja auch etwas Schlimmeres als für einen urbanen Kreativen mit extravagantem Geschmack gehalten zu werden.

Außerdem gibt es in Berlin jetzt die Hipster-Antifa, die auch angefeindet wird, weil sie laut einer anonymen Quelle auf indymedia Plakate anderer linker Gruppen abreißt.
Davon distanziere ich mich natürlich!

Plakate abreißen… das geht nun wirklich nicht!

Aber irgendwie ist mir dieses ganze Hipster-Ding auch wieder viel zu Mainstream. Ehrlich.


9 Kommentare zu “Am I a fucking hipster?”

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