Frankfurter Gemeine Zeitung

EZB und das Ostend: Umbaustationen

Das Frankfurter Ostend wird umgebaut, ganz zugerichtet auf die Bedürfnisse der finanzregulierten Alpha-City. Die EZB auf der ehemaligen Großmarkthalle und ihre bauliche Garnierung zeigt den Wandel der europäischen Ökonomie und Lebensweisen wie in einem Brennglas.
Die Vorgeschichte des Ostends kennt kaum noch jemand: zwischen Flößerbrücke und Hanauer Landstrasse standen bis vor zehn, zwanzig Jahren noch große Teile der Frankfurter Metallindustrie, weit mehr Firmen als im Westen um die Adlerwerke im Gallus. Vor der neuen EZB zum Beispiel, in Front der jetzigen A-Lagen Eigentumswohnungen am Main war die Weseler Werft. Von der aus ging es Richtung Osthafen zu den Metallverwertungsfirmen wie Thyssen – genau dort, wo in Zukunft der Park entstehen soll, in dem die Bürger andächtig vor der EZB verweilen dürfen. Der Main war für die Metallverwertverwerter wichtig, die Berge gesammelten Metallschrotts konnten hier nämlich direkt über die Kaimauer ins Schiff verladen werden.
Gegenüber, etwa dort wo es von der Honsellbrücke zur neuen “Mainbrücke Ost” geht, die gerade über den Main installiert wird, arbeitete  British Steel in einer großen Halle. Die Geschichte dieses internationalen Konzerns kann als Symbol des europäischen Umbaus begriffen werden, und er kommt hier vor Ort besonders stark zur Geltung. Zur Zeit der britischen Labour-Regierung in den 60ern wurde die quasi-staatliche Großfirma für Metallverarbeitung in England aus vielen kleinen geformt, und sie übernahm schließlich auch einen Betrieb in Frankfurt. Die neoliberale Politikerin Thatcher privatisierte die Firma, aus Großbritannien sollte eine profitable Banken- und Dienstleistungsinsel werden. Mit British Steel ging es entsprechend bergab, vor Jahren wurde sie an die indische Tata Steel verkauft. Dort wird jetzt Metall für die Welt hergestellt und in Frankfurt ist das Werk schon lange dicht.
Nicht viel anders erging es den vielen anderen produzierenden Firmen dahinter. Kaum jemand weiß noch, dass das Hochhaus an der Hanauer hinter der Brücke zum Ostbahnhof als Schaltstelle von Mannesmann Stahl funktionierte. Einige Industriebauten in der Nähe dienen heute noch als repräsentative „Business-Center“, wie das ehemalige Hauptgebäude des großen Siemens Schaltgerätewerks, ein Stück hinter Mannesmann am Wurstladen von Gref Völsing vorbei, einem Inbegriff des Frankfurter Lokalkolorit. So ging es weiter die Hanauer, zu Messer Griesheim oder Golde, nur einer ist übrig geblieben, die “Samson Meßgeräte” Richtung Kaiserlei.
Aus Metall wird jetzt Geld, nicht nur in der EZB, sondern mit Immobiliengeschäften, die in den nächsten Jahren vermutlich das Ostend, die alten Siedlungen für die Metallarbeiter drum herum umpflügen werden. Oder in den diversen Dienstleistungsfirmen, ausgehend von der Finanzhochschule direkt vor der EZB, dann den diversen Eventtempeln die Hanauer entlang. Ihre Zwischenräume werden ausgepolstert mit Schauräumen von BMW, Porsche, Mercedes und anderen. Wie fügt sich das doch alles schön zusammen, mit dem vielen Geld.
Momentan, für kurze Zeit herrscht hier noch einmal das Metall und seine Arbeiter, bald ist fertig gebaut und die geldwerten Dienst können richtig Gas geben. Die dortige Umgebung wird sich sicher noch wundern was dabei alles geschehen kann.

IMG_0316

-

P1030895-

IMG_0362-

P1030904-

IMG_0455-

IMG_0460-

DSCN1768-

IMG_0317

-

IMG_0361

-

04-

05

Bilder “Mainbrücke Ost”: Stefan Geyer


Ein Kommentar zu “EZB und das Ostend: Umbaustationen”

  1. Mon_y Burns

    Was mich angeht sollen dei Frankfurter Bankiers den Internet-Providern die Virenscanner Zusatzzwangsabos verchecken dfür die es kostenlose Alternativen gibt nicht Erlauben ohne vorherige Ermächtigung einzuziehen!

    http://sch-einesystem.tumblr.com

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.