Frankfurter Gemeine Zeitung

Protestaktion am 15. September 2012: Bundeswehr auf der Berufsmesse “Stuzubi”


Wer hat Zeit?

Protestaktion

Bundeswehrstand auf der Berufsmesse Stuzubi
am 15.09.2012 im Casino/IG-Farben-Campus

Am 15.09.2012 findet von 9:00h bis 16:00h die Berufsmesse „Stuzubi“ auf dem IG-Farben-Campus im Casino statt: http://www.stuzubi.de/messe/messestaedte/rhein-main-15-september-2012.html

Auch die Bundeswehr präsentiert sich als Arbeitgeber_in mit einem Stand, um junge Menschen für todsichere Jobs zu gewinnen.
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Droht eine breite Mietervertreibung in Großstädten?

In Deutschland jubeln Anleger und Wirtschaftspolitiker über einen “Immobilienboom“, die Preise für Wohungen und Häuser steigen von Monat zu Monat. Großstädte wie Frankfurt und München sind die beliebten Ziele für Investoren im Wohnungsbau, sie erwarten massive Wertesteigerungen in den nächsten Jahren. Vermutlich funktioniert genau dieser Bauboom auch als wichtige Komponente des “deutschen Wirtschaftswunders”, das in der Eurokrise einen Wirtschaftsabsturz hier im Lande bisher verhinderte.

Während Investoren, Immobilienhändler und Unternehmen jubeln, drohen den weniger wohlhabenden Bewohnern einer Stadt wie Frankfurt ungemütliche Zeiten. Vor einer Massenvertreibung warnt inzwischen auch der Deutsche Mieterbund: “Wohnen wird in Deutschland immer teurer. Mieterinnen und Mieter müssen im Durchschnitt schon mehr als ein Drittel (34,1 Prozent) ihres Haushaltsnettoeinkommens für Miete und Energie zahlen – so viel wie noch nie. Wohnungsengpässe, insbesondere in Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten, treiben die Mieten – zunächst vor allem die Neuvertragsmieten – weiter in die Höhe. Seit 2005 sind die Strompreise um 44 Prozent, die Heizkosten je nach Energieträgen zwischen 31 und 62 Prozent gestiegen. Energiewende und energetische Gebäudesanierung verteuern das Wohnen zusätzlich.” Laut Mieterbund fehlen in den zehn deutschen Städten mit dem stärksten Wohnungsmangel ungefähr 100 000 Mietwohnungen – allein 31 000 davon in München, 17 500 in Frankfurt und 15 000 in Hamburg.

Und das sind sicherlich noch vorsichtige Zahlen, denn bei Marktpreisen von 14 bis 15 Euro Kaltmiete wie im Frankfurter Westend, in Bockenheim, im Nordend oder Bornheim sind selbst bei gutem Durchschnittseinkommen schnell 50 % für die Miete weg. Bei eher prekären Existenzbedingungen, wenn das Leben über kurzfristige Aufträge oder Jobs, oder gar vom Amt finanziert wird, sind derartige Mietbedingungen  regelrecht utopisch.

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Riedberg: neue Investitionsräume

Noch bedrohlicher diagnostitiziert der Mieterbund die Lage bei Sozialwohnungen und Mietzuschüssen: zwischen 2002 und 2010, tatscächlich in nur 8 Jahren sei der bundesweite Bestand an Sozialwohnungen um rund ein Drittel von knapp 2,5 Millionen auf knapp 1,7 Millionen zurückgegangen. Auch bei der Zahlung Wohngeld gab es nach Angaben des Verbandes Einbußen: Betrug der Wohngeldanspruch im Jahr 2010 im Bundesdurchschnitt noch 126 Euro im Monat, waren es 2011 nur noch 115 Euro, und das bei gestiegenen Mietpreisen. Die Abschaffung von Sozialwohnungen passt auch in Franfurt voll in den Trend.

Die Geschichte schaukelt sich auf, zum Vorteil von Anlegern und Immobilienfirmen. Wenn nach Mieterhöhungen die Wohnungen von Mietern geräumt werden, können die Mietpreise in Neuverträgen unbegrenzt erhöht werden, was wiederum das Mietpreisniveau des Mietspiegels der Stadt anhebt. Nach ihm richten sich auch die Mietpreise in kommunalen Wohnbaugesellschaften wie der ABG in Frankfurt, die gerade nach der letzten Erhebung erhebliche Preiserhöhungen in ihren gut 50.000 Wohnungen durchsetzten. Erwähnt sei, dass die Grundlagen der Zahlen im Mietspiegel sich mehr als fraglich erweisen, die schwarz-grüne Stadtregierung trotzdem unbeeindruckt an der Erhöhungspolitik festhält.

Diese politische Vorgabe wundert nicht, denn gerade hier vor Ort erleben wir einen besonderen Einklang der schwarz-grünen Stadtregierung, kommunaler Fiirmen und der Finanz- und Immobilienwirtschaft: die Stadt als “Business Location” hält überall Einzug. In diesem Sinne erleben wir vor Ort ein Zusammenspiel der Beteiligten zum Schaden der Mieter: die kommunalen Wohnungsfirmen sollen nur noch nach Ertragsoptimierung agieren, was die Durchschnittspreise schubweise erhöht. Die Anstiege wiederum machen die Stadt attraktiver für Anleger, denn die Preise und Erträge richten sich besonders nach Miethöhe, dem preislichen Umfeld und deren erwartete Steigerung in den nächsten 10, 20 Jahren.

Dazu kommt die Menge verfügbaren Geldes aus den riskanten Aktienmärkten ins Spiel, das nach vermeintlich sicheren Anlagen sucht, sowie die vielen liquiden Mittel, die zur “Marktstabilisierung” durch die EZB den Banken fast zinsfrei offeriert wird. Diese können jetzt Finanzierungslücken bei Immobiliengeschäften billig bedienen und regelrecht einen Hype auf dem Immobilienmarkt bewirken. Das geschieht zu ihrem kurzfristigen Vorteil, denn sie erhalten Provisionen, Zinsgewinne bei hoher Sicherheit, zumindest in einer Finanzmetropole wie Frankfurt.

All das zeigt allerdings schon ein Stück weit in Richtung Blase. Wir erinnern uns, dass in den USA wie in Spanien eine Krisenursache 2007-2009 in völlig überhöhten Immobilienpreisen zu finden war, und sie resultierte im massenhaften Rauzsschmiss der verschuldeten Besitzer aus den Häusern und Wohnungen.

In Deutschland ist die Lage etwas anders, hier spielen die Mittel der Vermögenden und internationaler Investoren die Hauptrolle. Ausserdem gibt es bei uns weit mehr Mieter als Eigner, besonders im Vergleich mit angelsächsischen Ländern. Und sind die Preise auf dem Wahnungsmarkt einmal oben, dann bleiben sie auch dort, zumindest gilt das für die “Alpha-Cities”.  In dieser ganzen Preispirale kommt noch eine Art “Mobilisierung” zur Wirkung, die Finanzinstitute bis Medien ergreift und den Wunsch nach dem “sicheren Hafen Immobilie” immer mehr befeuert: “die Finanzierung ist doch günstig und die Preise werdengewiß steigen”. Damit werden dann weniger Vermögende zum Immobilienkauf bewegt, oft mit fatalen Folgen für sie selbst.

Die breitflächigen Folgen für die Mieter bleiben aber bei solcher Politik unübersehbar:  wenn sie aus ihren einstmals günstigen Wohnungen und Quartieren draussen sind, können sie auch nicht mehr zurück ziehen, denn selbst bei dem “Verdichtungsbau” den die ABG in vormals günstigen und lebenswerteren Siedlungen stadtweit gestartet hat, steigen die Preise ohne Unterbrechung.

Obwohl in Frankfurt die Preise schon an zwoiter Stelle in Deutschland angekommen sind, müssen sich die Mieter noch auf einiges gefasst machen. Ein beträchlicher Anteil davon steckt in der Politik des Römers.


Erfolg: wie fühlt es sich so damit

Eine Stadt wie Frankfurt kultiviert Erfolg, ja predigt ihn. Und einige kassieren damit im großen Stil. Frankfurt möchte ein Durchlauferhitzer sein, in der angeblich verdienter Erfolg gerne mit einer individuellen “Leistung” identifiziert wird. Die Geldmaschine “Alpha-City” polarisiert sich dann in Erfolgreiche und Erfolglose, die sich verkaufen als “Leistungselite”, der einer Schar “Leistungsschwachen” gegenüberstehe und die sie letztlich zu versorgen habe.

Diese vermeintliche Leistungselite residiert nicht nur in den Villen und Hochhäusern, sondern kultiviert Sektoren der Stadt, Areale, die quasi zur städtischen “Erfolgs-Zitadelle” gehören. Erfolgreiche treffen sich in den Senator-Lounges von Frankfurt Airport, sitzt an der “City Light Bar” oder ziehen sich in die richtigen Locations zwischen Tausnusanlage und Messeturm zurück. Hier kann der Erfolg kommuniziert und der Mißerfolg in den Randlagen im passenden Ton verachtet werden.

Ein Hörpiel versucht, diese Stimmung einzufangen und zu zeigen, wie sich Klassenstatus im 21. Jahrhundert artikulieren könnte.

Tina Klopp: Erfolg!

Alle wollen ihn, aber gleichzeitig haftet an ihm der schlechte Ruf des Charakterverderbers: Was ist Erfolg und wie erreicht man ihn? Warum ist Erfolg – messbar in Ruhm und Geld – so erstrebenswert und worüber reden die, die ihn haben, wenn sie unter sich sind? Ein Gespräch in trauter Runde. Ein Spitzenpolitiker, ein Weltstar und ein Topmanager treffen sich in einer Bar, um einander aus ihrem Leben an der Spitze der Gesellschaft zu erzählen. Ohne Rücksicht auf Wähler, Fans oder Kunden analysieren sie die Psychologien der Macht und demontieren die Rechtfertigungsstrategien der Erfolglosen. Denn unmoralisches Verhalten kritisieren kann jeder. Schwerer schon ist auszuhalten, dass am Ende der Erfolg doch immer denjenigen Recht gibt, die ihn erreicht haben. Mutiger als Kapitalismuskritik und die Klage über Werteverlust scheint da auf einmal das Lob von Anpassertum, Konsumismus und der schönen Oberfläche. Und letztlich sind Menschen, die in Ökosupermärkten einkaufen oder sich für die richtige Sache engagieren, vielleicht auch einfach nur die größeren Nervensägen.


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