Frankfurter Gemeine Zeitung

Absurditäten: Google und das Wort “Jude”

Aktuell und vor allem wegen Bettina Wulff ist die Autovervollständigungsfunktion von Google derzeit in aller Munde.
Nach Googles eigener Auskunft basiert die Autovervollständigung von Google auf den tatsächlichen Suchbegriffen der User. Wenn also nur genug User nach den Begriffen „Bettina Wulff Prostituierte“ suchen, spuckt die Autovervollständigung diesen Begriff irgendwann auch als vorgeschlagenen Suchbegriff aus.
So weit dürfte das jetzt einem aufmerksamen Zeitungsleser nichts Neues sein.
Allgemein bekannt ist auch, dass Google sich vorbehält bestimmte Suchbegriffe auszufiltern, wenn sie beleidigend, rassistisch, pornographisch u.s.w. sind.
Wenn ich die Buchstaben „Nigg“ eingebe, so vervollständigt Google zu „Niggemeier“, „Niggemann“, „Niggeloh“ und „Niggemeyer“. Wenn ich „Fot“ eingebe, so kommen zum Beispiel „Fotomac“ und „Fotobuch“, wenn ich dann allerdings „Fotz“ daraus mache, so werden keine Suchbegriffe mehr angeboten. Ähnliches trifft auf die Buchstabenkombination „Arsc“ zu.
Irgendwie ist das ja auch nachvollziehbar.

Doch seit wann ist das Wort „Jude“ denn anstößig?

Als ich neulich auf Google nach der Homepage des Zentralrats der Juden suchte, so bekam ich folgende Vorschläge:

Zentralrat1

Am Userverhalten kann dies sicher nicht liegen, denn der Zentralrat der Juden ist bestimmt populärer als irgendein „Zentralrat der Luden“, dessen Webpräsenz lediglich auf eine Seite mit einem Funpic führt.
Als ich dann ganz dreist noch ein „J“ hinzufügte, passierte folgendes:

Zentralrat2

Yeziden wird in dem Vorschlag doch mit „Y“ geschrieben und der „Zentralrat der Jud“, was bitte soll das denn sein?
Als ich nach dem Museum Judengasse in Frankfurt suchen wollte, passierte dasselbe in grün.

Museum Judengasse1

Museum Judengasse2

Mal ehrlich:
Dafuq?

Der antisemitische Hetzfilm „Jud Süß“ von Veit Harlan wurde hingegen anstandslos als Suchbegriff vorgeschlagen.

Jud Süß

Wieder einmal wunderte ich mich über die Absurdität deutscher Realität, in der selbst das Gutgemeinte noch irgendwie befremdlich wirkt.
Und irgendwelche Verschwörungs-Kids wittern in ihren Foren bereits eine geheime “jüdische Zensurkonspiration”.

Nachtrag:

Ich wollte es selbst nicht glauben, aber:
Wenn ich den Suchbegriff „Protokolle“ eingebe, wird mir nicht etwa „Protokolle Bundestag“ oder Protokolle „Protokolle Uni Frankfurt“ angeboten, sondern „Protokolle der Weisen von Zion“, die berüchtigte antisemitische Hetzschrift.

Protokolle

Das Erschreckende daran:
Dies dürfte höchst wahrscheinlich mit den Suchgewohnheiten der deutschen User zu tun haben.


4 Kommentare zu “Absurditäten: Google und das Wort “Jude””

  1. Merzmensch

    Ja, diese Suchvorschläge sind ein interessantes Spiegelbild der Suchgwohnheiten in unserem Lande. Es ist zu Zeiten amusant, doch des öfteren erschreckend…

  2. Werner

    Wow. ich habe kwassl.net für mich entdeckt :-)

  3. Frank

    Zitat 1
    “Am Userverhalten kann dies sicher nicht liegen, denn der Zentralrat der Juden ist bestimmt populärer als irgendein…”

    Zitat 2 “Dies dürfte höchst wahrscheinlich mit den Suchgewohnheiten der deutschen User zu tun haben.”

    …merken Sie was…??

  4. ManuelGilla

    northwest pharmacy canada

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.