Frankfurter Gemeine Zeitung

2003: Frankfurter Häuserkampf mit der ABG – eine Filmdokumentation

Der Frankfurter Dokumentarfilmer Martin Kessler schildert die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums mitten in der Main-Metropole. Die “Arbeitersiedlung” in Bockenheim gegenüber der Frankfurter Messe war neun Jahrzehnte ein Idyll für kleine Leute mit niedrigem Einkommen. Dann entschloss der städtische Wohnungsbau-Konzern ABG, durch Abriss und Sanierung an der Mietenexplosion zu partizipieren und an der Aufwertung des Quartiers „City West“ mitzustricken.
Der Film verfolgt den Widerstand der Altmieter, der am Ende zwar erfolglos blieb, aber die Wohnungspolitik der ABG Holding nachhaltig in Frage stellte. Eine Einschätzung der ABG Holding als Haupteigentümer großer Areale vom Campus Bockenheim, des Studierendenhauses und des – von Abriss bedrohten – Studentenwohnheims an der Bockenheimer Warte ist ebenso wie in den ABG-Siedlungen „Am Mainfeld“, „Platensiedlung“, … eine wichtige Voraussetzung für zukünftige Auseinandersetzungen mit diesem Konzern.

Der Film wurde auf der Veranstaltung “Mieten? Ja, wat denn?” im Studentenhaus Campus Bockenheim am 9. Oktober gezeigt. Mit gutem Grund: Die ABG spielt bei der Neubebauung des Areals eine Hauptrolle, so wie bei anderen Verdrängungsvorhaben quer durch Frankfurt.

Wohin mit all diesen Leuten in einer Stadt, in der die Geldbörse den Wert eines Menschen auf zwei Stellen hinter dem Komma genau angibt. Hier entsteht eine Situation, in der sich die Lage von Student*innen und all den anderen trifft, die mit wenig über die Runden kommen müssen und durch das Raster fallen. Sie genügen den Ansprüchen der Vermieterseite nicht, die einen, weil sie halt zumeist nur BaFöG ihr eigen nennen, die anderen, weil man sie nicht haben will, selbst wenn das Job-Center ihnen mit recht grosser Sicherheit die Mieten stellt.

77 Jahre hat Anneliese Welz in der „Arbeitersiedlung“ in Bockenheim gewohnt, direkt gegenüber der Frankfurter Messe. Als sie ein Jahr alt war kam sie mit ihren Eltern hier her – und sie ist geblieben, wie viele andere auch. Denn die Arbeitersiedlung war ein kleines Idyll inmitten der Stadt: riesige, alte Bäume in einem grünen Innenhof, in dem sich jung und alt, Griechen und Deutsche trafen und vor allem – die Miete war bezahlbar. Für Rentner, Ausländer, die „kleinen Leute“ eben. 1,82 Euro kostete der Quadratmeter, kalt. Bis im April 2002 der Bagger kam und den ersten Häuserblock einfach platt machte. Obwohl in den übrigen Häusern noch Mieter wohnten und preiswerter Wohnraum in Frankfurt Mangelware ist.
In der boomenden deutschen Finanzmetropole lässt sich schnelles Geld vor allem mit Abriss und anschließendem Neubau machen. Ein Geschäft für Immobilienspekulanten, Banken – und den städtischen Wohnungsbaukonzern ABG. Auch ABG – Geschäftsführer Frank Junker will von den explodierenden Bodenpreisen und Mieten profitieren. Doch er hat seine Rechnung ohne Ralf Harth
gemacht, den Sprecher des Mieterbündnisses, das die Arbeitersiedlung erhalten will. Obwohl der Teilabriss bereits begonnen hat, kämpfen Harth und seine Mieter weiter. Junker kontert mit Kündigungen und gezielter Zerstörung der Bausubstanz. Ein Kampf Haus um Haus hat begonnen. Mit welchen Mitteln der geführt wird und wie er endet, erzählt der Film von Martin Keßler, der die Akteure über ein Jahr lang begleitet hat und ganz dicht dran ist am Geschehen.


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