Frankfurter Gemeine Zeitung

Aus Schwarz-Grün mach Grün-Schwarz

Sicher, Stuttgart ist nicht Frankfurt. In Stuttgart haben sie Mercedes und Porsche, bei Frankfurt nur Opel. Den einen geht’s gut, den anderen schlecht. Gut läuft es bei Porsche und für die Stuttgarter Grünen, das scheint perfekt zusammen zu passen. Schwarz kam am neckar mit der neuen Zeit nicht zurecht, hat zu banal auf Korruption gesetzt, und das reichte den Stuttgartern schließlich. Deshalb kam jetzt der Wechsel, den die Süddeutsche, mit den Verhältnissen vor Ort gut vertraut, heute wie folgt beschrieb: „Fritz Kuhn heißt der erste grüne Bürgermeister in einer deutschen Landeshauptstadt.Der Ober-Realo darf seine Karriere nun im Stuttgarter Rathaus abrunden. Eine Revolution ist das nicht. Die wertkonservativen schwäbischen Grünen haben das bürgerliche Lager nie besiegen wollen. Sie wollten es erobern.

Dieses Statement macht die Nähe des politischen Klimas dort unten zu Frankfurt greifbar. Die beiden Hauptstädte des Grünen-Realismus seit Jahrzehnten, Stuttgart und Frankfurt, bildeten den Nährboden der unsäglichen Schröder/Fischer Regierung zwischen 1998 und 2005, mit ihren bekannten Maßnahmen zwischen Abbau des Sozialstaats und Deregulierung der Finanzwirtschaft. Fast ist es vergeswsen und in Stuttgart agierte das grüne politische Begehren seit Jahren gegen die eingespielte Pfründe-Clique rund um die CDU. Es spülte mit dem fragwürdigen Bahnhofsprojekt S21 einiges in die Baden-Württemberger Grüne Burg. Mit „grünen Werten“ schleifen möchten die Realos angeblich die faulen Geschäfte, und dann grün angetrieben die Wirtschaft so richtig auf Trab bringen. Was das genau heißt? Jeder soll vermutlich seinen grünen Porsche fahren können, wenn er sich nur ausserhalb der Fahrradzonen in der Innenstadt bewegt.

In Frankfurt heißt das große Business “Finance” und die Grünen bewegen sich schon seit Jahren in der Stadtregierung um die echten Global Player. Eine großstädtisch schwächelnde CDU freut grüne Protagonisten zwischen dem Basic am Merianplatz und schnuckeligen Holzhausenschlößchen. Hier tummelt sich viele der Bionade-Bourgeoisie, aus der einige karrierebewußt rund um den Römer politisch agieren. Dort gibt es nämlich echte Möglichkeiten: Die Immobilienwirtschaft war schon immer mit der Finanzwirtschaft liiert und es kann für die Zukunft der Grünen deshalb nur wegweisend sein, in der kommunalen ABG beim Bau von Luxus-ETWs solche Bande enger zu knüpfen,  und sich dabei selbst einzubringen. Wi-Win nennt man das, und richtig Grün wird es in Frankfurt nur mit den Kohorten der Wohlhabenden in Westend und Eschersheim. Dringender Handlungsbedarf und zwar nachhaltig für die Partei, denn aus der Finanzwirtschaft sitzen noch immer mehr für die CDU im Römer als für die Grünen.

Die Frankfurter Rundschau als Großstadtzeitung mit intimer Nähe zur Stadtregierung hat die Zeichen der Zeit gerade für Finanzfurt erkannt: Grün und Finance, darauf kommt es in den nächsten Jahren hier an. Ihre aktuelle Sonderbeilage (im Web unter dem Titel “Portal für Verantwortung und Nachhaltigkeit“, mit Drall zu Realsatire) soll den Lesern über 40 Seiten lang zeigen, wie sich Geldanlage und Green tischfertig zusammen backen lässt: „Das Kapital wird grün“, „Grünes Wachstum aus Euro, Dollar und Franken“. Die FR operiert bei diesem Werbeelaborat in seinen redaktionellen Beiträgen mit Zahlen von imaginierten grünen Finanzanlagen, die angeblich ein Vielfaches des Jahresbruttosozialproduktes Deutschlands betragen. Solche Lobpreisungen möchten vermutlich einem zahlungskräftigen Publikum suggerieren, dass die beworbenen Anlagen bereits Mainstream wurden und die Grünen als beste Anlageberater  der Millionen, Milliarden und Billionen gelten können, Greenwashing am Main. Solche Kunde trifft sogar im wohlbestallten, doch gewöhnlich distinguierten Dornbusch auf offenen Ohren.

Vielleicht klappt es mit breitem medialen Unterbau auch in Frankfurt für die Grünen, und ich habe schon mal die Vorlage für eine zukünftige Grüne Lokalhymne für Frankfurt aus Berlin importiert. Der dortige Ortsbeirat Nordend könnte sie zum Beispiel in einem gegrünten Klangteppich zwischen Basic Merianplatz und Holzhausenschlößchen verwenden. Das käme sicher gut an, etwa beim gemeinsamen Feiern rund um den Friedberger Platz.


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