Frankfurter Gemeine Zeitung

Aktivierende Befragung in der Stadt

Die Idee einer aktivierenden Befragung in Frankfurt entstand im Netzwerk „Wem gehört die Stadt?“. Dieses Netzwerk hat sich Anfang 2011 gegründet. Dort arbeiten recht heterogene Gruppen zusammen: Dem Selbstverständnis des Netzwerks nach alles Menschen, „die sich im weitesten Sinne mit Gentrifizierung, Verdrängung und Überwachung etc.“ beschäftigen.

Bei Treffen des Netzwerks rückte das Thema „Mieten“ in den Mittelpunkt: über 800 Zwangsräumungen im Jahr 2011, ein Mietspiegel, mit dem die Stadt die Mietpreise weiter in die Höhe treibt, deutliche „Aufwertungs-“ und Verdrängungsprozesse, studentische Wohnungsnot am Anfang jedes Semesters.

Viele Aktive aus dem Netzwerk wohnen zwar in Stadtteilen, die von Aufwertung betroffen sind oder bald sein werden, können aber trotzdem schlecht einschätzen, wie die Stimmung in den Vierteln ist. Sind die Leute unzufrieden? Wenn ja, womit ganz genau? Glauben sie, dass es Sinn macht sich zu organisieren und zu wehren? Um diese Fragen besser einschätzen zu können, entstand die Idee der „aktivierenden Befragung“.
Diese „aktivierende“ Befragung will, anders als die sozialwissenschaftliche, keine objektiven Erkenntnisse gewinnen und von einem neutralen, wissenschaftlichen Standpunkt aus fragen. Stattdessen fragen wir nach unseren Wünschen und Bedürfnissen, als Menschen die unzufrieden sind mit der Situation in der Stadt, die es satt haben die Hälfte ihres Nettoeinkommens für Miete auszugeben, die nicht wollen, dass Frankfurt nur für eine globale Elite bezahlbar ist.

Wir wollen stattdessen eine Stadt, in der für alle Menschen Platz ist, in der keine solchen Verdrängungsprozesse stattfinden und letztlich eine Perspektive jenseits der kapitalistischen Produktionsweise. Dieser Standpunkt soll sich bewusst in den Fragen ausdrücken. Wir wollen darüber reden, wie mit unseren Erfahrungen umgehen, wo und wie schaffen wir es, uns gemeinsam eine Basis zu schaffen, von der aus wir unser Umfeld selbst gestalten können. Die Wahl fiel auf das Gallus und das Ostend, weil diese beiden wohl am Beginn der heftigsten Umstrukturierungsprozesse stehen.

Für die Befragung stellen wir uns ganz konkret ein Szenario vor, bei dem an einem zentralen, belebten Platz im jeweiligen Viertel ein großer Pavillon aufgebaut wird. Das Ganze soll einladend wirken, auch auf Leute die nicht gleich an der Befragung teilnehmen wollen. Wir würden gerne gegen Mittag anfangen und auf jeden Fall noch mit den Leuten sprechen können, die zu einer üblichen Uhrzeit von der Arbeit heimkehren.
Soll dies alles wirklich über den Tag hinaus Sinn machen, muss es der Anfang eines Prozesses sein. Das Anknüpfen an die Befragung würde dann durch eine Stadtteil- oder Mieter_innen-Versammlung geschehen. Unsere Hoffnung ist, dass aus diesen Versammlungen heraus sich eine Gruppe von Leuten findet, die sich aktiv mit den Verdrängungsprozessen in ihrem Stadtteil und in Frankfurt beschäftigt.

Es gibt in den meisten Stadtteilen Menschen, die sich mit der Situation auseinandergesetzt haben und eine Menge Infos haben. Dies zu übergehen wäre kontraproduktiv, daher wollen wir zunächst mit den bereits im Stadtteil tätigen Leuten und Gruppen in Kontakt treten. Gemeinsam lässt sich die Situation besser einschätzen und auch die Aktion besser planen. Außerdem finden wir es prinzipiell sinnvoll, gemeinsame Interessen auch gemeinsam zu verfolgen.

Die erste aktivierenden Befragung in Frankfurt findet am Freitag, den 02.11.2012 ab 14 Uhr an der Quäkerwiese, Frankenalle / Ecke Schwalbacher Straße statt !

Mieterhöhung? „Aufwertung“? Verdrängung? Sag uns deine Meinung!

Wer will das wissen? Das Netzwerk „Wem gehört die Stadt?“, in dem Menschen zusammenarbeiten, „die sich im weitesten Sinne mit Gentrifizierung, Verdrängung und Überwachung etc.“ beschäftigen.

Warum wollen wir das wissen? Über 800 Zwangsräumungen im Jahr 2011, ein Mietspiegel, mit dem die Stadt die Mietpreise weiter in die Höhe treibt, deutliche „Aufwertungs-“ und Verdrängungsprozesse, studentische Wohnungsnot am Anfang jedes Semesters. Viele Aktive aus dem Netzwerk wohnen zwar in Stadtteilen, die von Aufwertung betroffen sind oder bald sein werden, können aber trotzdem schlecht einschätzen, wie die Stimmung in den Vierteln ist.

Unsere Interesse: Nimmst du die Situation so ähnlich wahr wie wir? Oder ganz anders? Bist du unzufrieden und wenn ja, womit ganz genau? Oder ist alles super wie es ist und „…man kann ja eh nichts machen…“? Glaubst du, dass es Sinn macht sich zu organisieren und zu wehren? Wieviel gemeinsames wollen wir und was können wir schaffen? Damit sind längst nicht alle unsere Frage schon gestellt, aber du kennst in etwa unser Interesse….

Was wollen wir? Sicher keine „objektiven“ Erkenntnisse gewinnen und von einem neutralen, wissenschaftlichen Standpunkt aus fragen. Stattdessen lieber von unseren Wünschen und Bedürfnissen ausgehen, als Menschen die unzufrieden sind mit der Situation in der Stadt. Wir haben es satt, die Hälfte unseres Nettoeinkommens für Miete auszugeben. Wir wollen nicht, dass Frankfurt nur für eine globale Elite bezahlbar ist. Wir wollen stattdessen eine Stadt, in der für alle Menschen Platz ist, in der keine solchen Verdrängungsprozesse stattfinden und letztlich eine Perspektive jenseits der kapitalistischen Produktionsweise. Dieser Standpunkt wird sich bewusst in den Fragen ausdrücken. Wir wollen darüber reden, wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Wo und wie können wir uns eine gemeinsame Basis schaffen, von der aus wir unser Umfeld selbst gestalten können?

Netzwerk „Wem gehört die Stadt?”


Stadtnetzwerk im Gallus – und im Radio (X)

Selbst die Frankfurter Rundschau meldet es inzwischen fast täglich in die Stadt: die Wohnungssituation in Frankfurt wird immer prekärer. Selbst Investoren kommen ins Schwitzen wegen der Preisspirale nach oben, wie geht es dann erst denen, die sich nicht über Investitionen sondern an ihr schmales  Budget Sorgen machen? Das sind in Frankfurt eine ganze Menge Leute, und der schwarz-grüne Umbau Frankfurts zur Business-City fürs Business beunruhigt immer mehr.

Das Netzwerk “Wem gehört die Stadt” gründete sich 2011 auch deswegen, Sorgen und Unruhe von der kleinen Wohnung auf die große Strasse zu holen, vom individuellen Unmut zu öffentlicher Mißbilligung. In den kommenden Monaten möchte das Frankfurter Netzwerk die Situation der Mieter mit den Bewohnern in Stadtteilen zusammen erkunden, es sucht nach möglichst vielen Zeugen des Umbaus der Lebensweisen.

Mit “aktivierenden Untersuchungen” im Gallus und später im Ostend, zwei Stadtteilen im Visier von Investoren, möchten die Netzwerker Leute vor Ort über ihre Erfahrungen, Bewertungen und Zukunftsaussichten befragen. Solche Untersuchungen haben eine lange Geschichte, die vor einem halben Jahrhundert in Italien beginnt, und bei denen auf eine aktive Öffentlichkeit für Bewohner oder Lohnabhängige vor Ort  hin gearbeitet wurde. Aber nicht nur im Stadtteil soll die Aufmerksamkeit geschärft werden, sondern auf Verbindungen zwischen Stadtteilen zielt das Frankfurter Netzwerk ab.

Die erste Untersuchung im Gallus soll diesen Freitag (2. November) beginnen und zwar ab 14 Uhr
an der Quäkerwiese, Frankenalle / Ecke Schwalbacher Straße

RadioX strahlt dazu heute (Dienstag, 30. 11. 16 – 17 Uhr) eine Sendung aus, mit Aktivisten des Netzwerks am Mikro.


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