Frankfurter Gemeine Zeitung

Unser Traumhaus im Europaviertel und die SubSubs

europaviertel
I.
Wollen sie wissen, was mein Traumhaus ist? Gleich ums Eck von Bockenheim, im neuen Europaviertel neben der Messe, wird immer noch gebaut.
Ein Flyer verkündet:
„Hier entsteht das Haus Nygars Park,
Exclusive Gartenwohnungen, zum Teil mit eigenem Eingang u. 2,80 m Deckenhöhe.
Bis zu 300 qm Gartenfläche zum Teil mit eigenem Pool.
Fenstertüren aus Holz zu den Terrassen und Loggien komplett aufschiebbar
in allen Räumen massives Eichenholzparkett mit Fußbodenheizung
Hohe Einbruchschutzstandards.“

Wenn ich das lese, läuft mir das Wasser im eigenen Brain-Pool zusammen.
Ich durchschreite Terrassen, komplett aufschiebbare Loggien, lebe mitten in Frankfurt in einer „Gartenwohnung“, wärme mir die Füße am Eichenholzparkett und habe gleichzeitig den Kopf frei für all meine wunderbaren Ideen Dank 2,80 m Deckenhöhe.
Gibt es ein schöneres, deutscheres Wort als „Einbruchschutzstandards“?
Wozu noch Nordend, Ostend, Westend, wenn wir bald das: „Parkend“ haben können und mit dem Europaviertel den “bunten Nutzungsmix” aus Mensch, Arbeit & Natur?
Grundidee des Europaviertels als Modell für die moderne europäische Stadt ist ein bunter Nutzungsmix mit dem Ziel, Mensch, Arbeit und Natur zusammenzubringen. Vier Quartiere, in denen sich Büro- und Wohngebäude harmonisch ergänzen, gruppieren sich rund um das grüne Herz des Europaviertels, den 60.000 m² großen Europagarten: das Edelquartier „Parkend“ und das bodenständige Wohnviertel „Helenenhöfe“, dazu die beiden verdichteten Quartiere „Boulevard West“ und „Boulevard Mitte“. Die 60 m breite Europa-Allee bietet für erfolgreiche Unternehmen und Dienstleister eine exklusive, unverwechselbare Adresse.
Urbane Eleganz mit einer Vielzahl grüner Akzente. Mit seinen 18 eleganten Bauten und der Vielzahl an grünen Akzenten wird das Parkend schon in wenigen Jahren das wohl schönste Quartier im Europaviertel sein. Die beeindruckende Architektur mit den großzügigen Innenhöfen erinnert an eine kleine Schlossanlage. Ein besonderes Highlight ist das spezielle Nacht-Design, das nach Einbruch der Dunkelheit für eine stimmungsvolle Beleuchtung von Gebäuden und Gartenmauern sorgt.“

Das haben Christine und ich uns schon immer gewünscht: die stimmungsvolle Beleuchtung von Gebäuden und Gartenmauern, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. Und zur guten Nacht das passende Nacht-Design.
Ach, Frankfurt: Deine Nächte mögen tiefschwarz sein. Aber sie sind voller grüner Akzente.

II.
Die, die das Haus Nygars Park bauen, wohnen laut der FR so: „Die 13 Arbeiter teilen sich eine Drei-Zimmer-Wohnung in Dietzenbach. Zuvor seien sie in einer Werkshalle in Dielheim untergebracht gewesen, wo etwa 50 Mann auf dem Boden geschlafen und sich eine Toilette geteilt hätten. Da es nur wenige Fahrzeuge für den Transport gab, seien sie oft erst gegen Mitternacht in der Unterkunft angekommen.“
Ich war schon ein wenig befremdet, als ich das Christine vorgelesen habe. Die haben allen Ernstes Rumänen genommen, um das Nygars Park zu bauen! Bei Verkaufspreisen von 4000 Euro pro Quadratmeter hätte ich wenigstens mit Polen gerechnet. Obwohl man da keine Vorurteile haben soll: natürlich können inzwischen auch Rumänen solide Arbeit abliefern. Solide Arbeit-mehr nicht, aber das immerhin ist inzwischen möglich. Genau wie das mit dem Auf-dem Boden -Schlafen weniger schlimm ist, als es sich anhört. So lange es Eichenparkett ist und eine Fußbodenheizung hat, würde selbst ich mal gerne auf dem Boden schlafen. Ich weiß nicht, ob das in Dietzenbach der Fall ist, aber ebenso wie der Oliver Cunitz kann ich mich ja nicht um alles kümmern.
Außerdem: grade die Rumänen sind weit schlimmeres gewöhnt.

III.
Trotzdem haben sie jetzt eine „Mahnwache“ abgehalten und streiken, weil sie statt eines Gehalts von 1200 Euro pro Kopf, das man ihnen angeblich versprochen hat, plus 300 als Verpflegungspauschale, sich jetzt zu dreizehnt 1500 Euro teilen sollen. Das wären dann ca. 115 Euro pro Kopf im Monat. Sie haben ausgerechnet, dass ihr Stundenlohn für den Bau des Europaviertels dann bei 1,09 Euro läge. Ich werde das mal nachrechnen, ob das wirklich so hinkommt. Ich weiß, es ist ein Vorurteil, aber die Rumänen verrechnen sich oft zu ihren Gunsten. Andererseits: 1200 plus 300 Verpflegungspauschale- da wurden mal wieder Leute mit völlig unrealistischen Versprechungen von weit her nach Frankfurt gelockt!
Das war natürlich auch von rumänischer Seite reichlich naiv.
In meinen bangen Momenten frage ich mich: wie soll man das europäische Haus bauen mit all diesen Leuten, die immer nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, auf der einen Seite die naturgemäß einseitig auf Profit bedachten Bauherren, auf der andren Seite die Bauarbeiter, die selbst in Frankfurt unzufrieden sind, obwohl sie da, wo sie herkommen, nicht mal ein Dach über dem Kopf haben. Zumindest kein vernünftiges mit 2,80 m. Deckenhöhe.
Aber nichtsdestotrotz würde ich mich als Bürger jederzeit dafür einsetzen, dass die Rumänen, obwohl sie als Rumänen hier arbeiten, wie andere ausländischen Arbeitskräfte die in Frankfurt auf dem Bau üblichen 4,50 Euro pro Stunde kriegen. Damit kann man ja in Rumänien auch eine Menge sinnvoller Projekte anstoßen, was bei 1,09 Euro in der Stunde -selbst in Rumänien- nicht möglich ist..

IV.
Was mich irritiert hat, war dieses Foto in der FR, wo diese Rumänen, die in Streik getreten sind, es sind nur ein paar, alle so nach unten geguckt haben.

Foto: FR

Foto: FR

Irgendwie erinnert mich das an die Sinti in der Fußgängerzone, die schauen auch immer so nach unten, so pseudodevot, mit unechten Kindern auf dem Arm, falschen Beinstümpfen und Großmüttern. Das stößt mich ab, ich fühle mich dann immer auf den Arm genommen wie ein unechtes Kind. Das ist auch gegenüber deutschen Sehgewohnheiten kontraproduktiv. Aber ich bin froh, dass die jetzt endlich ihr Mahnmal haben, dann kehrt in unseren Fußgängerzonen vielleicht mal mehr Ruhe ein. Allerdings habe ich das Gefühl die interessieren sich gar nicht für ihr Mahnmal, obwohl das immerhin die Bundeskanzlerin eingeweiht hat, das fehlt´s am Bezug zur eigenen Geschichte. Das ist ja auch irgendwie schade. Um das klar zu stellen: die Sinti, die haben jetzt ihr Mahnmal wegen der NS-Sache, die Rumänen machen nur vorübergehend eine Mahnwache wg. einer ausstehenden Lohnzahlung. Ich finde es ja etwas albern eigentlich: eine Mahnwache wegen zu geringem Stundenlohn! Wenn ich da jedes Mal eine Mahnwache machen würde…Aber: man darf generell die Rumänen nicht mit den Sinti gleich setzen, die Rumänen wollen das auch selber nicht.

V.
Ich habe in der FR gelesen, das Ganze liegt daran, das der Bauherr „Dressler Bau“ ein Subunternehmen beauftragt hat, „Tamer Atasoy“, das wiederum ein Subunternehmen beauftragt hat, eine „Borza GbR“. Das erste klingt irgendwie türkisch, das zweite waren dann wahrscheinlich Rumänen. Ja, ist ja immer besonders traurig, dass die ihre eigenen Leute so ausbeuten. Dagegen kann man als Bauherr nichts ausrichten. Ich würde ja ohnehin nie mit einer „GbR“ Geschäfte machen, schon gar nicht, wenn es um eine große Sache geht und das Europaviertel IST eine große Sache. Aber Dressler konnte nicht wissen, dass Tamer Atasoy so etwas macht, dass also sein Subunternehmer sich noch einen weiteren Subunternehmer nimmt. Und am Ende stehen dann eben die Subsubs: die Rumänischen Bauarbeiter im Europaviertel. Unter jedem Sub gibt es eben immer noch einen weiteren Sub, das ist wie bei den Mamuschkapuppen, so dass die Bauaufsicht am Ende gar nicht mehr genau weiß, wer der Verantwortliche ist, da kann man dann eben nur sehr schwer etwas machen. Die rumänischen Subsubs für 1,09 Euro die Stunde sind nämlich eigentlich „Selbstständige“. „ Von einem Subunternehmer des Subunternehmers seien sie dazu gebracht worden, ein Gewerbe anzumelden, ohne dass er ihnen gesagt habe, worum es sich handelte. Arbeitsverträge seien nie unterschrieben worden. Die Rumänen hätten sechs Tage die Woche gearbeitet, an einigen Tagen auch auf einer Baustelle in Karlsruhe, meistens zehn Stunden täglich, manchmal 13 Stunden. Samstags seien es acht Stunden ohne Mittagspause gewesen“ . Gut, das ist sicher übertrieben-der Osteuropäer übertreibt gerne-, aber trotzdem hat man diese Leute offenkundig nicht fair behandelt.

VI
In der SM Szene bezeichnet der Sub den passiven, der Top den aktiven Part. Ich sehe mich ja eher als den aktiven Part, aber solche SubSubs wie die Rumänen sind trotzdem ein bisschen viel, ein normaler Sub würde mir genügen. Irgendwie ist mir das auf dem Foto auch zu pseudodevot, da fehlt das Authentische. Außerdem sind da ja keine Frauen dabei, nur diese ausgemergelten Typen. Sollte ich aber mal eine normale Subfrau kennen lernen, wäre ich nicht abgeneigt, Wichtig ist nur, dass sie es ernst meint. Ich habe da schon viele traurige Erfahrungen machen müssen. Außerdem würde ich mir eher eine Sub auf der Topebene wünschen, aber eine Rumänin, die es damit ernst meint, wäre mir auch willkommen.

VL
Wir waren diesen Mittwoch natürlich bei der Eröffnung der interkulturellen Wochen in der Stadtbücherei. Da stürmten dann irgendwann so ein paar Youngsters rein, mit Schildern wie „Multikulti wegbassen“. Die tanzten zu Technomusik und sahen gar nicht so schlimm aus wie die Nazis, die kann sich Christine nämlich nicht angucken. Eher sahen sie so aus, als würden sie eines Tages auf jeden Fall mehr als 4,50 die Stunde verdienen. Sie waren auch gar nicht so schlimm wie die Nazis, sie sagten nur dass „Multikulti gescheitert ist.“ usw. Ich will das nicht glauben, aber oft denke ich: da ist schon was dran. Ist Neukölln nicht überall? Auch in Afrika? Ich meine, wenn sich jetzt schon die Rumänen beschweren in Frankfurt. Und mit den osteuropäische Frauen habe ich, das muss ich jetzt leider noch mal sagen, auch oft die Erfahrung gemacht, dass ihr Verständnis und ihre Devotheit nur vorgetäuscht sind.
Aber ich bin bereit, dass alles zu vergeben und vergessen und weiterhin an die Europäische Idee zu glauben, wenn Nygars Park rechtzeitig fertig gestellt wird. Christine und ich haben auch schon ganz klare Vorstellungen, wie wir die Zimmer für die Kinder gestalten möchten.
Die ganze Diskussion um Nygars Park hat uns belastet und wir hoffen, dass es zu einem Ausgleich kommt. Aber hat nicht jedes Traumhaus seine dunkle Seite?


Ein Kommentar zu “Unser Traumhaus im Europaviertel und die SubSubs”

  1. Sebastian Schneider

    Christliche Nächstenliebe und verantwortungsbewusster Umgang mit seinen Mitarbeitern sowie unserer Wirtschaft (als Vizepresident des BDI) – dafür steht Friedhelm Loh – er ist Eigentümer des Grundstücks!
    Da fehlen einem doch die Worte!!!

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