Frankfurter Gemeine Zeitung

Korpsgeist Rheinmain

Das Zusammenspiel von Korpsgeist, Rassismus und rechtsradikalen Verbindungen in der deutschen Exekutive

Für manche Protagonisten deutscher Parteipolitik steht es hoch im Kurs, „auch weiterhin national gesinnte junge Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden“. Eine Partei mit ausgeprägtem „nationalkonservativen“ Geist gibt die hessische CDU, er steht seit den 50er Jahren bis heute in guter Tradition. Dessen geistiger Vater war der Alt-Nationalsozialist Alfred Dregger, bis 1982 Chef der hessischen CDU. Er stammte aus Fulda und in seinem Umkreis wie den ländlichen Bezirken um die CDU-Osthessen gab es immer wieder enge Verbindungen der Partei mit allen möglichen Nazi-Gruppierungen, die dort einen guten Nährboden fanden.
Alfred Dregger, immer noch von der hessischen CDU als Lehrmeister gefeiert, war als NSDAP-Mitglied Bataillonskommandeur der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg. In echtem soldatischen Korpsgeist verteidigte er tatsächlich Hitlers Angriff auf die Sowjetunion bis vor Jahren: dieser sei „nicht grundsätzlich falsch gewesen“. Rechtsradikale Größen, die solchen Korpsgeist der hessischen CDU unterstützen waren Legion, der Kärtner Rechtsaussen Jörg Haider nur der bekannteste. Wen wundert es, das Dregger die Einrichtung von „Terroristen-Jagdkommandos“ forderte, die „freigestellt von bürokratischen Einwirkungen“ Hetzjagden betreiben können. Ziel sollten Linksradikale sein, anderes hatte Dregger nie im Visier.

WestfalencouleurEine weitere konstante Größe der hessischen CDU war Manfred Kanther, die rechte Hand von Dregger, zuerst ab 1970 Landesgeschäftsführer in Wiesbaden, dann ab 1980 Generalsekretär der hessischen CDU. Seinen nationalen Korpsgeist lernte Kanther schon früh als Aktiver bei der Studentenverbindung „Corps Guestphalia et Suevoborussia“ Marburg, der er noch heute als Alter Herr angehört, ganz im guten nationalen Sinn. Als deutscher Innenminister konnte er seine Polizei diesen Geist lehren, und der Hessen-CDUler war entsprechend als echter „Law-and-order“ Mann verschrien. Kein Wunder bei seinem Lehrherrn.
Mit Law-and-Order meinen die Nationalkonservativen gerne Subalterne oder Fremde, zuletzt sich selbst und ihre feinen Freude. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) stilisierte sich als „brutalst möglicher Aufklärer“ der illegal nach Liechtenstein verschobenen Multi-Millionen der hessischen CDU, organisiert vom besagten Manfred Kanther. Der feine Anwalt ist seitdem vorbestraft – natürlich ohne jegliche Reue: All das, die von ihm vorgetäuschten „jüdischen Vermächtnisse“ und die Betrügereien geschahen schließlich aus seinem Korpsgeist für die CDU. Und was kann daran Unrecht sein? Es gilt schließlich nach ihm „weiterhin national gesinnte junge Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden“.
Solche nationalkonservative Tradition, die Gesetze nicht sonderlich genau nimmt, wenn´s um die Schlagkraft der Deutschen Nation geht, eben den Korpsgeist der CDU setzte Koch dann mit seinen bekannten Hetzkampagnen gegen Ausländer vor 10 Jahren fort.

Mit „Korpsgeist“ kommen wir den aktuellen Problemen der Polizeibehörden sowohl mit Rechtsradikalen wie mit rassistischen Übergriffen vermutlich am besten nahe. Eine christlich-soldatische Unbeflecktheit gilt nämlich als unausgesprochene Pflicht in der deutschen Exekutive, allemal bei solchen nationalkonservativen Dienstherren wie in Hessen. Er kommt  in den unzähligen Fällen vernichteter Akten um die NSU-Morde zum Ausdruck, übrigens eine Methode, mit der sich Ex-Nazis in den deutschen Parteien nach dem Krieg reinwuschen. Dem guten Geist dieser Behörden folgen eilfertige Massenmedien, die sie als „Pannen“ titulieren, eben genau der Bezeichnung, die sie von Behördervertretern auf Pressekonferenzen vernehmen.
Der Korpsgeist funktioniert auch in den diversen Tötungen schwarzer Mitbürger durch deutsche Polizeibeamte einigermaßen gut, bei der sogar Gefesselte in Gefängniszellen sich angeblich selbst verbrennen, und die ganze amtliche Bagage sich gegenseitig deckt, gleich im Dutzend. Polizeilicher Schutz der Nation scheint Stillschweigen zu verlangen, und der Bedrohungen durch Unbootmäßige sind viele. Da tut Zusammenhalten gegen die draussen Not.

Diesen Korpsgeist von Nationalem, über militärisches bis polizeiliches Selbstverständnis zwischen Exekutive und Landesregierung, der bis in die ausländerfeindlichen Attituden der “Christlichen Partei” reicht, bildet eine Art national bewehrte „Gesinnungsaffinität“ zur Rechten. Dass in diesem Klima rechtsradikale Momente oder Berührungspunkte fast natürlicherweise unterm Tisch gehalten werden, das ist vermutlich des Pudels Kern auch bei der „NSU-Affäre“.
Zweifelsohne gibt es in Exekutivorganen mit militärisch-polizeilichem Einschlag, gar unter den genannten Führungsbedingungen eher rechtsradikale denn linksradikale Verbindungen. Auch das ist fast „natürlich“, weil Rechtsaussen eine Freude am Nationalen wie am Militärischen hat, am Korpsgeist und dem Zwang gegen Subalterne. Solches gehört regelrecht zur rechtsradikalen DNS. Deshalb spielen sich die einander affinen Korpsgeists immer mal wieder in die Hände, und bevor die braune Brühe in die saubere Behördenwohnung flutet, spült man sie am besten weg, ob in Verfassungsschutz- oder in Kriminalämtern.
Solche Affinitäten und ihre amtlichen Reinigungsakte haben allerdings noch einen besonderen, gefährlichen Effekt. Er entsteht zwischen Ämtern und Rechtsradikalen durch das verdeckte Geschehen einer Art rechter „Tarngemeinschaft“. Sie baut sich darüber auf, dass beide Seiten und nur sie über ihre Verbindungen Bescheid wissen, und die Geheimnisse können sie nur zusammen wahren! Deshalb: Zusammen die Klappe halten.
Welche Kinder entstehen wohl aus dieser Liaison, und was haben wir dann zu befürchten, wenn die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland rauer wird?

Auf diesem Hintergrund scheint es mir angemessen, den politischen Führungen in Bund und den Ländern inklusive den Innenministern eine aktive Förderung rechtsradikaler Unterwanderung der Exekutive vorzuwerfen. Warum: Weil sie nicht von Anbeginn an, vor einem Jahr, jegliche Verdunklung und Aktenvernichtung  im rechtsdadikalen Kontext bei ihren Behördern unterbanden und damit die Entwicklung einer „Tarngemeinschaft“ begünstigten.

Da erreicht uns diese Woche die Nachricht über die Ernennung eines Neuordners des hessischen Verfassungsschutzes.
Er wurde bestellt von einem jüngeren „Law-and-Order Mann“, dem CDUler und hessischen Innenminister Boris Rhein, ist selbst CDUler und Rechtsanwalt wie sein Vater. Der Vater heißt Manfred Kanther, der Sohn heißt Wilhelm Kanther und das Projekt heißt „Neuorientierung des Verfassungsschutzes“.
Der Wiesbadener Korpsgeist weht weiter!


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