Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Frankfurter Rundschau ist pleite!

Heute früh war es endgültig soweit: Anmeldung der Insolvenz beim Frankfurter Amtsgericht. Wie üblich bei diesen Fällen wussten die Betroffenen in den Sachsenhäuser Firmenräumen der FR davon nichts.
Eine Menge haben sie probiert, die letzten Seiten des Blattes kamen oft daher wie der “Boulevard”, nicht selten über die Schmerzgrenze hinaus. Im politischen Teil: Alle Wendungen der SPD bis zum Umfallen und zuletzt auch noch für Steinbrück den Unsäglichen die Fahne geschwungen. Auch beim postmodernen Linken-Bashing war die FR immer mit dabei, ob vorne oder im Feuilleton. Und eine Lokalredaktion, die meist um den Römer schwänzelte, oder direkt dahin überwechselte, mit lukrativen Aufstiegsmöglichkeiten versteht sich.

Es gab aber auch andere Seiten, sogar noch in den letzten Jahren, wo die meisten Kommentare der Berliner Redaktion entsprangen, und wenn wir mal die eher absurden Reminiszenzen an ein paar post-grüne Aufsteiger bei den Kolumnen beiseite schieben. So hätte die unglaubliche Steuerfahnder-Affäre wohl nie in dem Maße das Licht der großen Öffentlichkeit erblickt, wenn nicht Pitt Bebenburg aus der FR-Redaktion kontinuierlich Munition für geliefert hätte. Nicht oft wird eine Landesregierung als kriminelle Vereinigung desavouiert, wie in diesem Fall. Dass Koch und seine Kumpane immer noch hoch gelobt sind, war nicht die Schuld der Redaktion.

Alles nix genutzt. Nun gibt es in Frankfurt nur noch das eine, lokale konservative Blatt, das seinen Humus zwischen Kleingartenfeier und Opernball findet, und das andere, internationale konservativ-neoliberale Blatt, dass sich den Haufen Peinlichkeiten der Finanzindustrie in ihren Seiten mit dem besseren Feuilleton erschreibt.

Na, und das Netz? Bis auf wenige Seiten, wie unser kleines Blatt und ein paar politischen Blogs gibt es ausser mäßig kaschierten Werbeportalen Medien-Konzentration hoch zwei, SPON und Bild.de fressen fast die ganze Aufmerksamkeit medialer Öffentlichkeit. Entsprechend platt, pragmatisch plappernd gerieren sich unsere Blödmaschinen.
Nicht viel ist von kritischer Öffentlichkeit übrig geblieben, eher wie Putin-Land kommt es inzwischen bei uns daher, so bleibt denn doch ein Bedauern bei dieser Frankfurter Pleite.
Und den Beschäftigten dort sei alles Gute gewünscht, bei dieser Gestaltung der Medienwelt rutschen viele sicher weiter ins Prekäre. Wir können das nachvollziehen.


Ein Kommentar zu “Die Frankfurter Rundschau ist pleite!”

  1. Frankfurter Rundschau insolvent: Ein paar Gedenken dazu | vtaktuell

    [...] der Rhein-Main-Zeitung der FAZ gute Arbeit leisten, aber letztlich gehören sie zum gleichen Verlag mit einer klar konservativen Ausrichtung. Auch wenn man die linksliberale Haltung der FR nicht teilt, muss man an der demokrtatischen [...]

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