Frankfurter Gemeine Zeitung

Neues im Fall Wevelsiep


Foto: Aylin Karacan.

Recherchen der Frankfurter Rundschau haben ergeben, dass zwei der vier Polizisten, die Derege Wevelsiep an der Haltestelle Bornheim Mitte verprügelt haben sollen, bereits in einen Fall von “Körperverletzung im Amt” verwickelt waren. Auch hier war der Ausgangspunkt der Polizeigewalt eine Banaliät, bzw. eine angebliche Beleidigung der Polizisten: Ein betrunkener Eintracht-Fan war nach einem siegreichen Spiel im Taxi zusammen mit seiner Freundin an einem Streifenwagen vorbei gefahren; nach eigenen Angaben gestikulierte er in Richtung des Polizeiwagens, nach Polizeiangaben zeigte er in einer altbekannten Geste den Mittelfinger. Die beiden Polizisten reagierten in Rambomanier. Sie stoppten das Taxi, zerrten den Eintrachtfan heraus, warfen ihn zu Boden und fesselten ihn. Dessen Feundin dokumentierte den polizeilichen Übergriff auf ihrem Smartphone. Auf die Anzeige des Mannes antworteten die beiden Polizisten wie im Fall Wevelsiep mit einer Gegenanzeige wegen Beleidigung. Interessant wäre von den beteiligten Polizisten zu erfahren, ob sie das Zeigen eines Mittelfingers oder das böse Naziwort, das sie Wevelsiep unterstellt haben, für eine ausreichende Begründung halten, um Leute wie Schwerstkriminelle fest zu nehmen oder bewußtlos zu schlagen.  Die Fans der Eintracht goutieren das Verhalten der Polizei offenbar wenig: Sie entrollten am Samstag beim Spiel gegen Augsburg ein Transparent mit der Aufschrift:  “Frankfurter Polizisten-Schläger und Rassisten”, dessen Slogan gewissermassen den Eintrachtfall und den Fall Wevelsiep zusammenführt. Allerdings führte das Transparent auch in den Fanforen zu einzelnen Diskussionen, in denen vor einer Vorverurteilung gewarnt wurde.  Die Staatsanwaltschaft jedenfalls scheint im Fall des Eintracht-Fans wie in vielen anderen Fällen eine eher Polizeiaffine Sichtweise zu haben: Sie verzichtete auf ein Ermittlungsverfahren und befragte die Beamten lediglich schriftlich. Allerdings hat der Anwalt dagegen eine Beschwerde eingereicht.Im Fall Wevelsiep war eine solch “laxe Handhabung” durch die Staatsanwaltschaft nicht möglich, da hier die Öffentlichkeit schon über das Krankenhaus eingeschaltet war und die Mißhandlung eine andere Dimension hatte. Inzwischen ist auch ein Foto aufgetaucht, dass Wevelsiep mit blutendem Kopf “im Schwitzkasten” der Polizei zeigt.

Das Schweigen der Polizei

Die Frankfurter Polizei hat bislang keine eigene Version des Tathergangs präsentiert, wenn man von dem Vorwurf absieht, die Beamten wären von Wevelsiep als Nazis verunglimpft worden.  Zu den eigentlichen Vorwürfen hingegen, dem unmotivierten Prügeln, der Fesselung, dem Hausfriedensbruch der Nötigung des Krankenhauspersonals herrscht Schweigen auf den Revieren mit Hinweis auf die “laufenden Ermittlungen”: Da stellt sich die Frage, warum sollte eine Gegendarstellung laufende Ermittlungen gefährden? Obwohl sie sich selbst nicht äußert oder alternative Erklärungen der Vorfälle anbietet,  empfindet die Polizei die gegenwärtige Berichterstattung als unfair. Dies berichtet zumindest der Landtagsabgeordnete Jan Schneider (CDU) nach einem Besuch auf dem Polizeirevier am Frankfurter Berg.  Auch die Freien Wähler im Stadtparlament schießen gegen die Medien, insbesondere gegen die Frankfurter Rundschau. Ein schier endloser Artikel auf ihrer Homepage spricht gar von einem “FR-Komplott” und bezichtigt Wevelsiep mittels tendenziöser Textexegese der Lüge und des Simulantentums. Aber die Freien Wähler sehen ja auch die brav sozialliberale FR allen Ernstes als Haus- und Magenblatt von “Linksradikalen”  und enthüllen damit ungewollt, auf welch verschrobene Art sie sich rechts außen in Frankfurt postionieren wollen.

Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle

Weil in Fällen von Polizeigewalt  die Neigung der Staatsanwälte und der ermittelnden Beamten zu bestehen scheint, “unter Kollegen” ein Auge zuzudrücken, haben die Grünen und die SPD im hessischen Landtag gefordert, eine unabhängige Beschwerdestelle einzurichten, wie es sie z.B. in England gibt. Auch die Frankfurter SPD unterstützt diese Forderung. Die Landesregierung lehnte sie ab, u.a. mit dem Hinweis darauf, dass die britische Independent Police Complaints Commission (IPCC) mit 600 Beschäftigten 7.000 Beschwerden pro Jahr bearbeitet, so etwas könne ein Bundesland gar nicht stemmen. Abgesehen davon, dass Hessen nicht so groß ist wie Großbritannien, gibt die hohe Zahl der Beschwerden, die eingereicht werden, wenn eine unabhängige Kommission existiert, in ganz andere Richtung zu denken. Sind die deutschen Polizisten ungleich friedlicher als ihre britischen Kollegen? Dafür spricht wenig. Bereits in einer Studie von 2010 hat Amnesty International darauf hingewiesen, dass hierzulande die Polizei gegen Polizisten nur sehr ungern ermittelt. “Unsere Recherche hat gezeigt, dass ernstzunehmende Vorwürfe gegen Polizisten nicht gründlich ermittelt werden. In einigen Fällen werden Ermittlungen erst sehr spät aufgenommen, in anderen werden nicht alle Beweise erhoben, zum Teil steht auch Aussage gegen Aussage. In solchen Fällen stellt die Staatsanwaltschaft schnell die Ermittlungsverfahren ein, so dass es erst gar nicht zur Gerichtsverhandlung kommt”, sagt damals Monika Lüke, die Generalsekretärin von AI”In Ländern, in denen es auch unabhängige Untersuchungsinstitutionen gibt, übernehmen diese auch die Aufarbeitung von Verstößen gegen Dienstvorschriften und machen Änderungsvorschläge. Daran könnte sich Deutschland ein Vorbild nehmen.” Aber weder die hessische Landesregierung noch die Bundesregierung haben offenbar ein Interesse, dies zu tun.

Fotos der Demonstration in Bornheim von Aylin Karacan







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8 Kommentare zu “Neues im Fall Wevelsiep”

  1. Sandra

    “Inzwischen ist auch ein Foto aufgetaucht, dass Wevelsiep mit blutendem Kopf “im Schwitzkasten” der Polizei zeigt.”

    Diese Behauptung taucht im ganzen großen Internet nur in diesem Blog auf.

    Ich würde diese Behauptung schlichtweg als Lüge bezeichnen,
    solange Sie nicht nähere Angaben…Beweise…na ja am besten das Foto selber, liefern

    Es hat sich trotz wochenlanger Kampagne (?) der FR noch immer kein neutraler Zeuge des Vorfalls gefunden.
    Na ja, und zumindest der Fotograf des Fotos müßte ja ein solcher Zeuge sein.

    Auch den Rest des Artikels finde ich sehr tendenziös, verallgemeinernd und vorverurteilend.

    Eine derartige Verallgemeinerung darf sich gegenüber Migranten niemand erlauben, ohne als Rassist beschimpft zu werden.

    Herr/Frau Karacan sind sie Rassist/in gegenüber Deutschen??

  2. Bert Bresgen

    Der Artikel stammt nicht von Frau Karacan, wie Sie annehmen, sondern wie ausdrücklich ausgewiesen aus der “Redaktion der FGZ”. Frau Karacan hat lediglich die Demonstration in Bornheim fotographiert, an der sich im übrigen augenscheinlich viele Deutsche (nämlich ca. 2000) beteiligt haben. Insofern erübrigt sich Ihre Frage nach einem “Rassismus gegenüber Deutschen”-mal abgesehen davon, dass Frau Karacan ebenfalls Deutsche ist. Ihre Behauptung, dass das Foto von Wevelsiep “mit blutendem Kopf im Schwitzkasten der Polizei” sei nur in diesem “Blog” (der im übrigen kein Blog ist) aufgetaucht, ist ebenfalls nachweislich falsch. Vielmehr heißt es in dem in unserem Text verlinkten Artikel der FR: “Bereits am Mittwoch war Wevelsiep von der Staatsanwaltschaft in einer mehrstündigen Befragung angehört worden. Dabei wurden ihm auch Bilder vorgelegt, die offenbar von den Beamten geschossen worden waren. Sie zeigen seinen blutenden Kopf im Würgegriff eines der Polizisten”. Sie sollten sich also vielleicht die Mühe machen, Links anzuklicken, bevor sie “Behauptungen schlichtweg als Lüge bezeichnen”. Unstrittig ist, dass Wevelsiep laut ärztlichem Gutachtem aufgrund von “Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit, Prellung Thorax rechts, Prellung Knie rechts und Prellung Hüfte rechts” drei Tage im Krankenhaus lag. Die Frankfurter Polizei hat sich bislang, wie im Artikel berichtet, geweigert, gegenüber der Öffentlichkeit die Verletzungen zu erklären. Das ist ein Skandal.

  3. Sandra

    Danke für den Hinweis das Frau Karacan Deutsche ist (war ja vom Namen her nicht so wahrscheinlich), ist aber auch irgendwie irrelevant, da es ja (leider) viele Deutsche gibt, die rassistisch gegenüber den eigenen Landsleuten eingestellt sind (besonders bei bestimmten Migrationshintergrund).

    Den Artikel (von wem auch immer geschrieben) halte nach wie vor für hochgradig tendenziös und vorverurteilend.

    Sie sind kein Blog?
    Vielleicht informieren Sie sich mal bei Ihrem eigenen Punkt “Info”: http://kwassl.net/um-was-gehts/

    Zitat dort: Die ”Frankfurter Gemeine Zeitung” ist ein neuer journalistischer politisch-kultureller Blog.

  4. Florian K.

    Über die Frage, ob die FGZ ein Blog ist, gibt es wahrscheinlich so viele verschiedene Ansichten, wie FGZ-Autoren.^^

    Aber jetzt doch mal “Butter bei die Fische”:

    Was an dem Artikel ist denn tendenziös? Welche Passagen meinen Sie da genau? Und warum soll ein Artikel, der die Polizei kritisiert, rassistisch gegenüber Deutschen sein?

  5. Aylin

    Hallo Frau Sandra,

    ich bin die Frau Karacan, die von Ihnen öffentlich veurteilt wurde Rassistin gegenüber Deutsche zu sein, ohne jegliche Grundlage hierfür! Meine Wenigkeit versteht genauso wenig wie Florian K., was Sie an diesem Artikel “hochgradig tendenziös und vorverurteilend” finden. Darf keine Kritik gegenüber der Polizei ausgeübt werden, wenn der Name “ausländisch” klingt und ohne als Rassist gegenüber Deutsche verurteilt zu werden? Wie würden Sie einen deutschen Autor hierfür verurteilen? Sie unternehmen nichts anderes, als das Sie selbst kritisieren. Desweiteren finde ich Ihre Kritik “Eine derartige Verallgemeinerung darf sich gegenüber Migranten niemand erlauben, ohne als Rassist beschimpft zu werden” , verallgemeinert und nicht haltbar. Wohin soll so eine Aussage führen? Das lenkt das Thema um das es hier geht in eine unproduktive Streitdebatte, die jedenfalls aus meiner Sicht nicht förderlich ist für ein fiedliches Zusammenleben ist. Wir sprechen hier von Ordnungshütern einer demokratischen Gesellschaft, die brutal einen Bürger zusammengeschlagen haben. Unabhängig von der Beweislage! ist ein solches brutales Vorgehen einer staatlichen Institution (der Polizei) gegenüber EINEM MENSCHEN zu kritisieren und zu verachten!

  6. Sandra

    @Florian K.

    Eigentlich hat mein Betrag schon genug “Butter bei die Fische”.
    Aber trotzdem hier nochmal zusammengefasst:
    Es gibt weiter und breit keine Zeugen für den Vorfall, statt dessen eher immer mehr Zweifel an der Aussage der Verlobten.

    Deshalb, auch wenn Ihnen das anscheinend nicht gefällt, die Unschuldsvermutung gilt selbsverständlich auch für Polizisten.
    Und genau deshalb ist dieser Artikel selbstverständlich tendenziös und vorverurteilend.

    Da wir uns vermutlich einig sind, das dieser Fall von FR und z.b. Blogs wie diesen nur am köcheln gehalten wird, da das mutmaßliche Opfer Farbiger ist (ein weißer deutscher hätte bei gleichen Vorkommnissen keine mediale Aufmerksamkeit bekommen) ist dieser Artikel selbstverständlich als rassistisch gegen weiße Deutsche einzustufen.

  7. gaukler

    @Sandra
    Gefasel wird auch durch einfache Wiederholung nicht besser. Vielleicht verstehen sie die Ausdrücke “Krankenhaus”, “Bilder” u. a. etc einfach nicht, oder ein anderer “Korpsgeist” wirkt bei ihnen.

  8. Wallacerhymn

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