Frankfurter Gemeine Zeitung

Gelaber und Medien

“Der geschickte Journalist hat eine Waffe: Das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch” (Kurt Tucholsky)

Man sagt, die Medien berichten für die Mehrheit. Die Quoten bestätigen den Konsens. Aber kann man z.B. das Fernsehen – das was dort präsentiert wird – aufnehmen, ohne es auch als Ganzes wahrzunehmen? Dieses Medium hat keine Schwierigkeiten, sich ständig selbst zu widersprechen, in dem auf eine “Meinung” ihr Gegenteil folgt. Heute so – morgen so. Da sagt zu mir jemand, das sei Ausdruck der Objektivität und Meinungsvielfalt. Zum Teufel mit der Objektivität, wer keine Position inne hat, hat auch keine Meinung. Ausserdem kommen doch die meisten gar nicht zu Wort. Das Medium hat seine Scheingelehrten, Schauspieler in Sachen Wissen oder ausgebildete Allesdeuter, die selbst das Chaos erklären können. Finanziell schlechtgestellte Gruppen wie z.B. Arbeits- oder Obdachlose kommen gar nicht zu Wort, werden allenfalls vorgeführt, zu diesem Zweck bedient man sich der mediengeilen jener Gruppe und inszeniert eine Wirklichkeit. Die Aussage steht schon im voraus fest. Alles wird auf das Aussagemass zugeschnitten und arrangiert. Auf diese Weise werden ganze Gruppen diskreditiert und erniedrigt. Da solche Aussagen wieder zurück in den Alltag dringen durch Nachgeplapper von Papageien, erkennt man die verblödende Wirkung der Medien auf erschreckende Weise. Im Grunde ist die Meinungslosigkeit eine ideale Voraussetzung für nachhaltigen Mediengenuss, denn eine Meinung muss man erst durch bessere Argumente revidieren, während man die Inhaltslosigkeit nur abzufüllen braucht. Das Fernsehen sticht dabei besonders hervor, da man dem Medium nicht direkt widersprechen und die Bilder nicht anhalten kann, erleidet jedes bisschen Geist langfristig Schaden.

Im Grund sind wir auf Medien angewiesen, da fast nur über die Medien politische und gesellschaftliche Sachverhalte erörtert werden können. Darum wäre eine freie und unabhängige Presse von Nöten, ein echter Mangel. Denn andere politische Einstellungen und Meinungen als der Mainstream werden ignoriert oder nur bis zur Unkenntlichkeit verzerrt dargestellt, so das eine Identifikation oder Verständnis dafür kaum möglich ist. Die Zeitung ist dabei noch immer das bessere Medium, da man das Lesetempo selbst bestimmt, so dass sich zwischen den Augen auch etwas tun kann, vorausgesetzt, dass dort etwas vorhanden ist.

Auch dem Internet stehe ich kritisch gegenüber, was mich dort häufig stört, ist die enorme Redundanz, jeder scheint bei jedem abzuschreiben, und die Quellen, die brauchbar sind, sind sehr deutlich selten. Schlimmer noch, einige Zeitgenossen versuchen die etablierten Medien nachzuahmen und erklären damit die Niveaulosigkeit zum Non plus Ultra. In diesem Meer der Bedeutungslosigkeit geht alles unter. Selbstkritik Fehlanzeige. Der kritische Leser nun fängt aus Angst seine Zeit zu vertun an, Texte nur noch selektiv zu überfliegen, statt sie gründlich und analytisch zu lesen. Die Lesegewohnheiten verändern sich. Merke, die Geschwindigkeit des Denkens bestimmt auch ihre Weite.

Die Medien mutieren immer mehr zu Unterhaltungsmaschinerien, schicksalhafte Ereignisse und Beschlüsse streiten um den Rang der Wertigkeit mit Banalitäten. Nennen wir es ruhig beim Namen: Zensur! Und wer zensiert? …. Alle!

Der Beruf des Journalisten ist längst kein Traumberuf mehr, der Erfolgsdruck – eine Vielzahl der Journalisten sind nicht fest angestellt – zwingt sie ihre Artikel wie eine Ware anzubieten, d.h. aber auch marktgerecht im Sinne der Medieneigner. Der Verfasser muß sich also darüber informieren, was gerade gewünscht ist, man orientiert sich untereinander, man schaut was andere Journalisten schreiben. Was ist dann die Botschaft, wenn das journalistische Produkt nach Gefälligkeit sucht? Sicher nicht die Realität. Da nun die politische Realität deutlich vom Zerfall gekennzeichnet ist, der Leser aber nicht gerne so negativ gestimmt werden will, zudem stört diese Realität die Kosumfreudigkeit, ist die Kritik zum Ladenhüter geworden. Am besten gehen noch Katastrophen, Massenmorde und natürlich Blamagen aller Art und je berühmter der Blamierte desto besser. Es ist immer ein ausgesprochener Spass, sich über seine Mitmenschen lustig zu machen, solange man nicht selbst der Blamierte ist.

Es finden Einflussnahmen von allen Seiten statt. Zum einen zensiert sich der Journalist selber, zum anderen verlangt die Masse diese Abgeschmacktheit und zum dritten ist der schlechte Geschmack gut fürs Geschäft, und darum geht es ja schliesslich. Zudem, wer sich im Dickicht der Banalität verliert, muckt nicht auf und bleibt brav an seiner Stelle. Die kritische Minderheit, die so nie zur kritischen Masse werden kann, wird, weil für den Konsum eher schädlich, nicht bedient und von der Berichterstattung weitgehend ausgeschlossen.

Die großen Medienkonzerne und es gibt fast nur noch grosse, sind stark mit der restlichen Wirtschaft verzahnt. Über Interessenverbände wird sogar direkter Einfluss auf die Politik ausgeübt. Aufgrund der engen Vernetzung dieser Medienmonopole lässt sich leicht nachvollziehen warum gewisse politische Einstellungen unerwünscht sind. Die politische Dogmen dieser Medien sind ausnahmslos neoliberal gefärbt. Auch bei den öffentlich rechtlichen Medien sieht es nicht viel besser aus, auch sie sind alles andere als interessenneutral.

Insgesamt ist die Mittelmässigkeit der Medien auch durch ihre Größe bedingt, sie müssen schon eine grösse Masse ansprechen, um am Markt bestehen zu können. Und die Masse, wie wir alle wissen, ist unkritisch. Das Bild der Spassgesellschaft drängt sich auf, aber diese Spassgesellschaft ist auch nur ein Produkt der Medien. Da nun die Medien nicht ganz herumkommen um die Berichterstattung von politischen und gesellschaftlichen Problematiken, haben die Medienmacher die “Vermischte Meldung” erfunden, ursprünglich das Metier der Boulevardpresse ist zum Mittelpunkt der gesamten Berichterstattung geworden. Die “Vermischte Meldung” entwertet jegliche Kritik.

Bedenkt man die Tatsache, dass die Mehrheit, das Fernsehen als einzigste Informationsquelle nutzen, so fällt es auch nicht schwer zu verstehen, warum verschiedenste Interessengruppen Einfluss auf dieses Medium nehmen wollen, denn hier bekommt die Macht des Kapitals die Fäden in die Hand.

Was kann man dagegen tun? – Nichts! – Seine Quellen rein halten und für sich die Konsequenzen ziehen. Für Massenmedien, die zu nichts gut sind, sollte man keine Bäume fällen und keine Ressourcen verschwenden.

Diktatur der Masse
Wenn es nun stimmt, dass die Medien wirklich die Mehrheit repräsentieren, dann wird mir übel. Von so einer Mehrheit will ich nicht regiert werden. So appelliere ich für die Abschaffung dessen, was man repräsentative Demokratie nennt oder verlange, das jeder Wähler eine Aufnahmeprüfung ablegt und nur verantwortungsbewusste Wähler zur Wahl zugelassen werden. Das gleiche verlange ich auch von den Politikern. Ein Politiker, der nicht auch für das, was er verursacht, haftet (am besten mit seinem Leben), sollte nicht als Politiker zugelassen sein.

Diejenigen, die noch echtes Holz spalten und nicht nur Köpfe, die wissen genau, wieviel Arbeit es macht.


Ein Kommentar zu “Gelaber und Medien”

  1. Bembel

    Dumme unkritische Masse und Prüfung für Politiker, die uns dann ordentlich regieren. Medien abschaffen und im Interenet die Klappe halten. Tun kann man/frau eh nichts.
    Warum dann eigentlich dieser Artikel?
    Klingt wie nationalkonservativer Populismus.

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