Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Nikolaus hilft einem betrügerischen Christen

Wir sind ja keine der Tagesaktualität sklavisch dienende Website, aber auch wir kommen nicht drum rum: Heute ist (immer noch) Nikolaus. Tja…
Hinter dem heiligen Nikolaus verbirgt sich eine reale Gestalt: Nikolaus von Myra, geboren irgendwann zwischen 270 und 286 in Patara, gestorben am 6. Dezember 326 oder 345 oder 351 oder 365. Spätestens 365 war er dann aber endgültig tot. Im Gegensatz zu den heutigen Nikoläusen war er kein Student, sondern wurde schon mit 19 zum Priester geweiht, später Abt eines Klosters. Zu ihm gibt es eine nahezu unbekannte Legende, in der er einen betrügerischen Christen wieder zum Leben erweckt. “Ein Christ leiht bei einem Juden Geld und verspricht, es rechtzeitig zurückzuzahlen. Dieser Zahlungsverpflichtung kommt er allerdings nicht nach, und die beiden landen vor Gericht. Um einen Meineid zu umgehen, lässt sich der Christ einen Trick einfallen: Er füllt das geliehene Geld in einen hohlen Stock. Während des Schwurs bittet er den Juden, den Stock so lange zu halten. Er schwört daraufhin, dass er das Geld bereits zurückgegeben habe. Der Jude gibt den Stab zurück und bleibt geprellt. Als die beiden nach Hause gehen, wird der Christ von einem vorbeifahrenden Wagen überfahren und stirbt. Bei dem Unfall zerbricht der Stock, und der Jude erkennt die Arglist. Die umstehenden Leute fordern den Juden auf, sich nun das Geld zu nehmen, da der Christ seine gerechte Strafe erhalten habe. Voll Mitleid entgegnet der Jude, dass er das Geld nur nehmen werde, wenn der heilige Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke. Tatsächlich steht daraufhin der meineidige Christ wieder lebendig auf, und der Jude lässt sich taufen.” ( aus wikipedia zu Nikolaus von Myra)
Es ist bedauerlich, dass grade diese Legende so selten in der Kirche verlesen wird im Gegensatz zu vielen anderen um den heiligen Nikolaus, zeigt sie doch, dass der Nikolaus auch gerne den betrügerischen Christen zur Seite steht. Sehr schön ist auch das Motiv des Stocks herausgearbeitet, der ja heute noch eine gewichtige Rolle spielt in der Nikolausmythologie. Letztendlich zeugt diese Legende auch von der Gradlinigkeit Gottes: er läßt den Christen nach seinem ganzen raffinierten Zaubertrick samt Stock einfach von einem Wagen überfahren. Und sie zeigt PR-mäßig die Beeindruckbarkeit der Juden durch diesen ein wenig fremden, aber nicht gänzlich fremden Gott des “Neuen Testaments” inclusive seines prominentem Heiligen: Wie da Sünder getötet werden und doch wiederauferstehen, entlockt ihnen offenbar ein Bekehrungsbereites “Chapeau!”. Die Taufe folgt danns auf dem Fuße.

Das Schicksal des Nikolaus unter heutigen Normalchristen hat Gerhard Polt 1979 für immer ausgemalt.


Zwangsräumung? Verhindert! Ein Geschichte über Verdrängung und Widerstand

Ein Vorbild für die Zukunft in Frankfurt?

Am 22. Oktober wurde in Berlin-Kreuzberg die Zwangsräumung einer Familie verhindert. Etwa 150 Personen solidarisierten sich mit der bedrohten Familie. Durch Sitzblockaden wurde der Gerichtsvollzieherin der Zutritt zur Wohnung verwehrt. Die Räumung wurde abgesagt und vorerst verhindert.

 
Eine Geschichte wie sie überall in Deutschland spielen könnte: Ein Haus wechselt seinen Eigentümer, dieser versucht die alten Mieter loszuwerden um die Wohungen teurer vermieten zu können.
Die fünfköpfige Familie Gülbol wohnt seit 35 Jahren in Kreuzberg, wehrte sich gerichtlich gegen Mieterhöhungen und ist nun durch Fristversäumnisse von der Räumung bedroht. Durch Sitzblockaden wurde der Gerichtsvollzieherin am 22.10.2012 der Zutritt zur Wohnung verwehrt. Die Räumung wurde abgesagt und vorerst verhindert.
Für Familie Gülbol und viele andere heißt es nun auch weiterhin: Kämpfen – gegen Verdrängung und Mietwucher.

Weiterführende Links:
http://de.indymedia.org/2012/10/336591.shtml
http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/2012/10/22/verhinderung-einer-zw…


“Schulden” und “Privatisierung”: zwei Schlagwörter zum Reibachmachen

Unter dem Titel “Staatsschuldenkrise” peitschen unsere Qualitätsmedien die herrschenden Finanzstrategien mit den immer gleichen “Experten” durch unsere betäubte Öffentlichkeit. Obwohl von Kommunen bis ganzen Nationalstaaten in den letzten 30 Jahren “Sparen” und “Privatisierung” weltweit zu meist katastophalen Resultaten für die Allgemeinheit führten, gibt eine kleine, neoliberale Elite weiterhin diese Route vor.

Aus der Perspektive des erfahrenen Frankfurter Finanzbeobachters gibt es nichts Neues in Europa und dem Rest der Welt: die Krise des privaten Reichtums, respektive der öffentlichen Armut, der Schulden der Armen an die Reichen soll durch Privatisierung des “Tafelsilbers” der Vielen in den Griff kommen. Haut ihn raus, den öffentlichen Besitz. Gerade die Krise dient dabei als Vehikel, bei der Öffentlichkeit den billigen Rost zu belassen und den zahlungskräftigen Privaten das Gold und Silber zu übereignen. Noch mehr Plus hier, noch mehr Miese dort.

Das klappt am besten auf dem Wege großer Drohungen, wenn angeblich Massenentlastungen und Existenznot für viele vor der Tür stehen: “Privatisierung” bringt dann nicht nur Geld in die leeren Kassen, wenigstens ein kleines bißchen, sondern fördert auch sonst alles Mögliche. Wie bei der rot-grünen Privatisierung der Rentenversicherung zeigt sich aber recht schnell, dass Privatisierung meistens nur Boni fördert.

Rohstoffe aus Griechenland: richtiger Reibach

Ein besonders übles Beipiel von Kasse-Machen bieten die Privatisierungsempfehlungen an das krankgesparte Griechenland. Sie kontrastieren mit dortigen Erfahrungen, die wie im Brennglas die Geschichte eines Raubzugs zeigen. Besonders eklatant ist der Fall der Goldminen von Halkidiki in Nordgriechenland, bei denen tatsächlich jedem einzelnen öffentlich kassierten Euro ein privatisierter Gegenwert von eintausendvierhundert Euro gegenübersteht. Ein Gewinn 1:1.400, lohnender geht es nimmer. Es dreht sich bei den Goldminen von Halkidiki um eine Wertsumme von erklecklichen 15 Milliarden Euro, nicht nur für Griechenland eine Menge Geld.

Hier die geraffte Geschichte:

11.000.000 Euro: Das ist der Preis, den Hellas Gold  bezahlte, um die Minenrechte für ein Gebiet im nördlichen Halkidiki, das 317.000 Morgen Land umfasst, zu erhalten. Der Vertrag wurde vom griechischen Staat nach der Intervention von Herrn Pachtas, dem damaligen Staatssekretär für Finanzen and jetzigem Bürgermeister der Gemeinde Aristoteles, unterzeichnet. Im Vorfeld des Vertrags gab es keine öffentliche Ausschreibung. Stattdessen wurde die Kommission direkt an ein Unternehmen vergeben, das gerade mal zwei Tage vorher gegründet wurde (ein Unternehmen mit einem Aktienkapital von 60.000 Euro!). Überdies wurde das Unternehmen laut Vertragsbedingungen von jeglichen Reparationsauflagen befreit, die im Zuge der Umweltschäden verursacht durch die Canadian TVX Gold (dieses Unternehmen löste sich eines Nachts in Luft auf, hinterließ 472 unbezahlte ArbeiterInnen; die Gesamtschulden des Unternehmens gegenüber den ArbeiterInnen betragen 17 Millionen Euro) im Gebiet auftraten.

95.700.000 Euro: Der Gewinn, den Leonidas Bobolas, Dimitrios Koutras und Frank Timiş (die Hauptaktionäre von Hellas Gold) machten, nachdem sie das Unternehmen schrittweise in Teilstücke zerlegten, die sie dann an das multinationale Mutterunternehmen European Goldfields verkauften.

408.000.000 Euro: Beträgt der Marktwert der Minen laut einer Schätzung, die ein globaler Finanzdienstleister sechs Monate nachdem der griechische Staat sie überschrieb, abgab. Das bedeutet, dass der Wert auf das 37-fache des Kaufpreises angestiegen ist. Trotzdem hielt es die Regierung nicht davon ab, Hellas Gold mit 15.000.000 Euro zu subventionieren.

2.300.000.000 Euro: Ist der heutige Wert mit dem die Minen auf dem Aktienmarkt von Toronto gehandelt werden, nach der Übernahme der European Goldfields durch die Eldorado Gold Corporation, die jetzt 95 % der Aktienanteile der Hellas Gold kontrolliert. Eldorado Gold ist eine in Kanada ansässige multinationale Aktiengesellschaft. Ihre Hauptinvestoren sind Fonds und Banken wie J.P.Morgan und Goldman Sachs.

15.436.000.000 (!) Euro: Der Wert der Mineralien, die in den Minen von Halkidiki liegen.

0 Euro: Der Gewinn des griechischen Staates. Laut des Bergbauverfahrens gehören die Erzressourcen und Ablagerungen in den Minen ausschließlich den Unternehmen, die sie abbauen. Es gibt keine Klausel zur Abtretung der Minenrechte an den Staat aufgrund ihrer Erschließung. Das ist der Grund, warum die IWF/EZB/EU Troika den Vorschlag der griechischen Regierung ablehnte, als diese in den Verhandlungen zum Schuldenabkommen die Halkidiki Minen als Garantien anbot.

Ach so, ich sollte es nicht vergessen: Fonds für Rohstoffe laufen gut im Frankfurter Finanzgeschäft!

Die griechischen Filmer von “Debtocracy” dokumentieren in der sehenswerten Fortsetzung die weltweite Privatisierungsgeschichte der letzten 20 Jahren. Oft lässt sich nicht entscheiden, ob sie uns eine Kommödie oder nur eine Tragödie vorführt.


CATASTROIKA – Multilingual von infowar


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