Frankfurter Gemeine Zeitung

Are all cops bastards?

Es gibt nur wenige Dinge, die heimtückischer und schädlicher sein können, als ein Vorurteil. Vorurteile haben nämlich die Angewohnheit sich zu verselbständigen und sich dann sogar in gewisser Weise selbst zu bestätigen.

Wenn ein großer Teil unserer Gesellschaft pauschal allen Muslimen vorwirft, aggressive Terroristen zu sein und Muslime dann dementsprechend behandelt, führt dies fast zwangsläufig dazu, dass unter Muslimen Aggressionen entstehen, welche sich dann auch in Gewaltakten entladen.

Die meisten Aktiven der linken Szene sind sich dieses Zusammenhangs durchaus bewusst und versuchen deshalb ihre Kommunikation und ihr Handeln möglichst vorurteilsfrei zu gestalten, manchmal sogar bis zu einem Maße der Überreiztheit, dass die eigene Vorurteilsfreiheit selbst zu einem Vorurteil wird.

Doch auch die linke Szene pflegt ihre eigenen Vorurteile und wie alle Vorurteile, sind diese in erster Linie negativ zu bewerten.
Ein besonders augenfälliges Beispiel hierfür ist der Umgang mit der Polizei.

Ein Polizist könnte sich gegenüber manchem Linken noch so deeskalierend und zuvorkommend verhalten und bliebe trotzdem das „Bullenschwein“.
Schließlich, so weiß es eine so beliebte wie stupide Parole, sind „alle Bullen Bastarde- A.C.A.B.“.

Ein Stückweit ist diese Position sogar nachvollziehbar. Viele Linke wurden schon einmal bei völlig legitimen Protesten oder bei Kontrollen auf der Straße von der Polizei schlecht behandelt.
Außerdem repräsentieren die Polizisten einen Staat, der zumindest von Teilen der linken Szene abgelehnt wird.

Doch gehen wir einmal etwas nüchterner an die Sache heran.

Bringen zusammengeschlagene Polizisten irgendeine politische Sache weiter? Wird sich jemand von Beleidigungen überzeugen lassen? Wie wirkt Randale auf politisch unentschlossene Außenstehende?

Die Rechten, das muss man leider sagen, haben einen strategischen Vorteil in der öffentlichen Meinung erkämpft, indem sie genau dies durchschaut haben.
Nazis geben sich auf ihren Demonstrationen gerne betont friedlich und gesprächsbereit. Sie erwähnen dies auch mit großer Freude in ihren Publikationen und weisen dann genüsslich darauf hin, die einzige Gewalt sei von der Gegendemonstration ausgegangen.

So machen rechte Gruppen in der öffentlichen Meinung an Boden gut und schaffen es, die Dinge so darzustellen, als seien sie bloß die missverstandenen Patrioten, deren legitimes Demonstrationsrecht von einem aufgeputschten Mob torpediert wurde.
Die Strategie der Nazis ist beängstigend erfolgreich.

Man sollte sich auch einmal vor Augen halten, wie so etwas auf die Polizisten wirkt, die in erster Linie nicht „Bullenschweine“, „Bastards“ und „Nazischergen“ sind, sondern Menschen.
Ein Polizist, der hundert Mal friedlich demonstrierende Nazis bewachen musste und dabei von der Gegendemo mit Pflastersteinen bombardiert wurde, entwickelt durchaus nachvollziehbarerweise gewisse Sympathien und Antipathien.

Dies könnte zumindest einer der Gründe sein, warum in der Polizei ein gewisses ideologisches Klima herrscht, welches sich dann wieder im Verhalten der Polizisten gegenüber linken Demonstranten zeigt. So entsteht ein Teufelskreis.

Ein anderer Grund sollte natürlich auch nicht unterschlagen werden:
Die Idee von law and order findet nun einmal unter autoritär eingestellten Rechten eher Sympathisanten, als unter antiautoritären Linken.
Der Beruf des Polizisten mag daher einer Person, die rechts oder zumindest konservativ eingestellt ist, näher liegen.

Trotzdem wird jeder Linke zugeben müssen, dass Polizisten, die zum Beispiel Menschenhändlerringe sprengen, durchaus auch gute und sinnvolle Dinge tun.

Vor diesem Hintergrund spielte ich als junger Mann kurz nach dem Abi eine Zeit lang selbst mit dem Gedanken Polizist zu werden.
Warum auch nicht?

Eine linksengagierte Nachbarin mit der ich früher oft sehr gute Gespräche führte, fand diese Idee geradezu furchtbar. Sie fand, dass Polizisten überwiegend rechte Arschlöcher seien.
Ich fand dies allerdings ziemlich unüberlegt. Wenn es für jeden auch nur irgendwie links eingestellten Menschen undenkbar sein sollte, zur Polizei zu gehen, wer sollte dann überhaupt Polizist werden, wenn nicht rechte Arschlöcher?

Hier schließt sich wieder der Kreis zum eingangs erwähnten, sich selbst bestätigenden Vorurteil.

Mir fällt dazu eine Anekdote aus der politisch aktiven Zeit meines Vaters ein. Er war damals in einer Gruppe aktiv, die man wohl guten Gewissens als dunkelrot bezeichnen konnte.
Damals wurde mein Vater auf einer Demonstration bei einer Sitzblockade verhaftet. Man wollte ihm zunächst Landfriedensbruch vorwerfen, doch die Gruppe meines Vaters hatte auch einen Genossen in einer Funktion bei der Staatsanwaltschaft sitzen. Dieser konnte ein paar richtige Hebel in Bewegung setzen.
Letztendlich bekam mein Vater einen wesentlich harmloseren Strafbefehl wegen Nötigung, den er auf Anraten seiner Gruppe anstandslos bezahlte und den er als Souvenir bis heute aufhebt.


48 Kommentare zu “Are all cops bastards?”

  1. radikal

    Ein hagel populistischer phrasen ueber “die linken” und “die polizisten”

  2. Florian K.

    Nein…

    Eher ein Denkanstoß darüber, welche strategischen Fehler wir als Linke (denn ich rechne mich auch zu den Linken) im Umgang mit der Polizei machen und in welcher Form wir durch falsche Handlungsstrategien den Rechten das Feld überlassen.

    Leider missverstehen viele Linke (insbesondere jene, die sich selbst das Attribut “radikal” verleihen) dass es bei politischer Arbeit nicht darauf ankommt, jene 5 % zu überzeugen, die ohnehin schon überzeugt sind und sich mit diesen 5 % zusammen ein actiongeladenes Gruppenerlebnis zu schaffen.

    Bei politischer Arbeit geht es darum, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen.

    Im übrigen kritisierte ich in dem Artikel ja gerade die Verallgemeinerung, die in “all cops are bastards” steckt.
    In dem Sinne: Lesen und nachdenken.

    Dass ich von den Linken spreche hat seinen Grund. Jeder der diese Selbstzuordnung für sich anerkennt, kann sich an Hand dieses Artikels, wenn er will, Gedanken um seine eigene Position in dieser Sache machen. (oder den Artikel als populistisches Geschwätz abtun, wenn er zum Nachdenken keine Lust hat)

    Wer diese Selbstzuordnung nicht pflegt und sich damit nicht selbst zu “den Linken” rechnet, braucht sich von diesem Artikel nicht angesprochen zu fühlen.

    Aufgrund der von Dir gewählten Selbstbezeichnung “radikal” vermute ich allerdings, dass genau Du zu den richtigen Adressaten dieses Artikels gehören dürftest.

  3. radikal

    Ich glaub es nicht, was da steht. Der Rest der Welt staunt über die politische Friedhofsruhe in Deutschland, die leeren Strassen, und hier macht sich einer Gedanken über bedrohte Polizei bei Randale in der Stadt.
    Fantasierte Randale, hast vermutlich in Youtube „Berlin-Kreuzberg, 1. Mai 1991“ gesehen. Warst du eigentlich mal auf einer Demo die Jahre, ich meine keine „Goethe-Schüler gegen Hunger in Afrika“, sondern eine um die es hier geht? Wenn hunderte wegen „Platzverbot“ verhaftet werden und ganze Städte zugesperrt sind, wenn gepanzerte Eingreiftrupps Menschenjagd machen? Warst vermutlich chillen.
    Und kümmerst dich um die „Öffentlichkeit“, willst aufklären darüber, dass hinter den Greiftrupps Menschen stecken, die an ihre Vorgärten , an nervenden Fluglärm denken, und nur losgelassene Linke das aus ihnen raus- und den Bastard reinprügeln wollen, weshalb die braven Cops auch zu ordentlichen Rechten gegen tobende Sozialisten werden, ganz verständlich.
    Und dann das „actiongeladene Gruppenerlebnis“ hinter dem die linken Randalen bloß her sind, wenn sie hilflose Hundertschaften daran hindern „Menschenhändlerringe zu sprengen“, indem sie „mit Pflastersteinen bombardieren“. Für was sind Hundertschaften auch sonst da? Da bleibt nur übrig, dass die Linken eigentlich das schlechte Spiegelbild der „friedlich demonstrrierenden Nazis“ abgeben, eben ein bisschen dümmer als die, wenn auch politisch gut vergleichbar.
    Hey Florian K. wem willst du das denn als neu verkaufen, steht doch alles schon in Bild, Spiegel, Faz, Welt und wie sie alle heißen. Due bietest nichts als die übliche Aufzählung platter Vorurteile, der ganzen deutschen Spießer aus Schwarz Gelb Grün Rosa, die das mit dir gerne als „unsere Öffentlichkeit“, die 95 % feiern.
    Ich glaube, dass du deswegen die echten Gefahren nicht in der polizeilichen Besetzung unserer Städte und anderen Angriffen ausmalst, sondern in ein paar Kids, von denen manche mal ausrasten oder bloß ein paar grosse Töne spucken, weil du etwas rechtfertigen willst, und zwar deine fehlende COURAGE. Denn dann musst du einfach nicht hingehen, kannst besser zuhause sitzen, wegen „Randale“ oder sonst was.
    Das ist voll im Trend, Rechtfertigung fehlender Courage ist es, warum du wie die Millionen anderen hier dem alten deutschen Ungeist des Untertans folgst, das was die Länder drum herum so gut kennen von Deutschland. Warum du dir die Talkshow im TV über Kämpfe in Ägypten und Griechenland, in Spanien und Chile, oder in China anguckst.
    Mit der einen großen Hoffnung: Vielleicht streiken sie ja soviel dort, dass wir wieder Exportweltmeister werden, wir müssen nur ganz, ganz ruhig bleiben. Diese fehlende COURAGE verkaufst du auch noch, als ein braves, gerhorsames Leben zwischen Facebook und Public Viewing, öffentliche Meinung nach Motto von DSDS. Oder: „Vor Eintritt bei Demo ist ein Fahrschein am Bullen-Schalter zu erwerben“
    „Linker“ willst du sein? Aus Sicht der US-Republikaner wohl, für die sind Merkel + Rössler schon eine kommunistische Gefahr. Mach lieber Weekend Chillen, passt besser.
    Mehr gibt es dazu echt nicht zu sagen!

  4. Florian K.

    Tatsächlich lieferst Du mit Deinem emotionsgeladenen Ausbruch, weil ich es doch ernsthaft gewagt habe anzumerken, dass es sich bei „Bullen“ auch um Menschen handeln könnte, genau den Beweis dafür, wie treffend und notwendig mein Artikel war.

    In diesem Sinne würde sich eigentlich ein weiteres Eingehen auf Deinen geistigen Erguss erübrigen und es wäre das von Dir Gesagte mit den drei Buchstaben „q.e.d.“ bereits hinreichend kommentiert.

    Doch weil wir ja eigentlich in irgendeiner Form doch auf der selben Seite stehen, will ich mal nicht so sein, obwohl ich fast fürchte, dass so etwas wie ein zivilisiertes Gespräch mit Dir kaum möglich ist. Schließlich wäre es dazu erforderlich, dass Du Dich auf Dinge beziehst, die ich tatsächlich gesagt und geschrieben habe und nicht auf Deine eigenen Hirngespinste, die Du in meinen Text hineininterpretierst.

    Nie habe ich gesagt oder gemeint, dass ich die Gefahr, die von erlebnishungrigen Jungdemonstranten ausgeht für größer halte, als die polizeiliche Besetzung von Städten.
    Auf die polizeiliche Besetzung von Städten wird in diesem Blog regelmäßig kritisch eingegangen. Von daher sah ich mich hier einfach nicht in der Pflicht da auch noch ins gleiche Horn zu stoßen, sondern wollte die Sache einmal aus einem anderen Betrachtungswinkel beleuchten.

    Wenn Du meinen Artikel nur ein Wenig aufmerksamer gelesen hättest, würdest Du auch erkennen, dass ich die rechten Tendenzen in deutschen Sicherheitsorganen keinesfalls wegdiskutieren oder verharmlosen will.
    Ich glaube nur nicht, dass dumpfes “A.C.A.B.”-Parolenkläffen an diesem Zustand irgendwas zum Besseren wendet.

    Ich sagte auch nie, dass die linken Demonstranten ein „schlechtes Spiegelbild friedlich demonstrierender Nazis“ seien, sondern ich sagte, dass die Nazis eine Strategie anwenden, die es darauf anlegt, uns dies GLAUBEN ZU LASSEN.

    Aber naja…
    Wer so dolle viel „Courage“ hat wie Du, braucht halt weder Diskussionskultur noch Textverständnis.

    Doch wenn Du nicht die Fähigkeit besitzt, überzeugend zu argumentieren, wirst Du schlechterdings niemanden von Deinen Positionen überzeugen können. So einfach sieht es eben aus und da nützt Dir dann auch all die Courage, die es erfordert als chronisch missverstandene, kleinste radikale Minderheit alleine durchs Leben zu gehen, nichts.
    Bei Politik geht es eben nunmal um Überzeugungsarbeit und nicht um die Mutproben irgendwelcher Halbstarken.

    Aber ich vergaß: Wer überzeugend argumentiert und dabei die Überzeugungen des bürgerlichen Mainstreams ernstnimmt, ist ein dumpfer Populist.

    Früher oder später kannst Du Dir dann mit ungläubigem Staunen ansehen, wie der politische Diskurs in diesem Lande vollständig von den Kräften der „Konservativen Revolution“ übernommen wird.

    Denn diese haben Dir und Konsorten leider zwei Dinge voraus: Sie wissen wie man die Bürger anspricht und sie können diskutieren. Deshalb werden sie gewinnen, wenn wir dies nicht mit intelligenten Strategien verhindern!

    Apropos Strategien? Steckt denn hinter Deiner überbordenden Courage überhaupt ein planvolles politisches Konzept?

    Wenn nicht, müsste ich Dir leider attestieren, dass der Abdruck meiner linken Arschbacke auf meiner Chillercouch mehr politisches Format hat als Du.

    Die Frage, ob ich schon auf Demos war, kann ich übrigens mit Ja beantworten. Und ich habe auch schon bei mehreren Demos erlebt, wie vermummte Vollhonks einen eigentlich friedlichen Protest zur Eskalation gebracht haben. Ich durfte sogar schon eimal erleben, wie geworfene Steine in den eigenen Reihen niedergingen und einer davon nur etwa einen Meter neben mir einschlug. (Das war 2002 oder 2003 als Nazis an einem 1. Mai nach Frankfurt gekommen sind. Wir standen unten und blockierten mit einer friedlichen Demonstration die Ostparkstraße während ein paar vermummte Deppen meinten, von dem Hügel dort Steine werfen zu müssen)

    Bevor ich nochmal auf eine Demo mit solchen Idioten gehe, bleibe ich tatsächlich lieber daheim und chille. Damit tue ich zwar nicht wirklich was Nützliches, aber schade wenigstens nicht meinem eigenen politischen Anliegen.

    Als ich mir die aufgeputschten Kids mit den rotschwarzen Fahnen angeschaut habe, die beim M31 in Frankfurt rumrandaliert haben, wusste ich jedenfalls, mit wem ich definitiv nichts zu tun haben wollte.

    Hier übrigens ein paar Zitate von Usern auf Indymedia bezüglich besagtem M31. Glücklicherweise gibt es wohl eine ganze Reihe anderer Linker, die die Dinge so ähnlich sehen wie ich:

    - “Schade finde ich es immer, wenn sich “Macker-Antifas” und sonstwie E-orientierte unter die Demo mischen und sich von der Polizei derart provozieren lassen und auch selber auf die Provokationen warten (wenn überhaupt, da einige ja scheinbar, so wie ich sehen konnte von selbst aktiv worden) um ihre Machoshow abzuziehen. Jedenfalls hat das aktive Ausüben von Gewalt nix mit Emanzipation und der Vorstellung einer gewalt- und herrschaftsfreien Gesellschaft zu tun. Denn gerade sowas führt entsprechende Ansprüche an sich und die Menschheit ad absurdum.
    Und Steine und andere Dinge gegen Sicherheitsglas zu schmeißen, ist derart hohl. Es gefährdet nämlich die Demo-Teilnehmer*innen und andere. Und super, die Medien haben die Bilder, die sie haben wollen, um wieder gegen “linke Chaoten” zu hetzen.”

    - “Die radikale Linke nimmt sich hier selbst für den Adrenalinkick Handlungsfähigkeit und Möglichkeiten – dabei zeigt Dresden, dass durchdachte Konzepte erhebliche Erfolge bringen können. Aus der früheren Stärke, auch mal massiv militant aufzutreten (z.B. Hafenstraßendemos) ohne dass es knallt wenn WIR es politisch nicht wollen und jegliche Provokationen der Cops ins Leere laufenzulassen, ist ein reflexartiges draufhauen bei jeglicher Möglichkeit geworden. Da liefert man Cops und Politik wunderbarste Steilvorlagen, indem man unbedingt einem einzelnen Cop in die Fresse schlagen muss und hält dass dann für total radikal ACAB. Kein Wunder, dass im deutschsprachigen Bereich eine völlig marginalisierte Restlinke in ihrem Szenesumpf dahinsumpert.”

    Ich glaube übrigens nicht, dass die Leute, die diese Kommentare auf Indymedia geschrieben haben, verkappte Rechte oder “faule Chiller” sind, die noch nie auf einer Demo waren.

    Sowieso dachte ich immer, dass das Bild des “nutzlosen faulen Chillers”, welches Du mir gerne andichten würdest, eher ein typisches Gedankenbild rechter Kräfte wäre.

    Bleibt nurnoch Dir zu wünschen, dass wenn Du das nächste Mal mit Deinen Freunden „Courage spielen“ gehst, keiner dabei zu Schaden kommt. Weder Ihr, noch die Polizisten.

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