Frankfurter Gemeine Zeitung

Weltmärkte: Läuft doch wie geschmiert

Zu Weihnachten und seinen üblichen öffentlichen Salbungen scheint es mir angebracht, die Zeitläufte in Erinnerung zu halten, mit denen vieles hier vor Ort bezahlt wird. Wir sollten ein wenig erkunden wie sich das profitierende Publikum zu einigen Umständen dessen genau verhält. Es kommt nämlich recht häufig vor, dass Steuerfreiheit und extravagantes Leben im eigenen Lande mit der Ausbeutung anderer, ob nah oder weit weg erkauft wird. Zuweilen geschieht das sogar ganz bewußt.

Gerade die gutsituierten Regionen deutschsprachiger Länder geben dafür Anlass: hier das saubere Geld, der vernutzte Dreck am besten aus den Augen, aus dem Sinn. Ähnlich wie in Frankfurt der Vordertaunus liegt in dessen Partnerstadt in Sachen Finanzen, Zürich, eine Region, in der sich Liquidität besonders gerne versammelt, und zwar der Zürchersee. Die Ansiedlung des dicken Kapitals erfolgte nicht zuletzt wegen des Stallgeruchs rund um die Schweizer Anlagemöglichkeiten, sondern auch wegen besonders niedriger Steuern im Kanton.

Die sogenannte “Goldküste” – durchaus wörtlich zu nehmen – auf der Nordseite des Sees galt jahrzehntelang als natürliche Heimstatt großer Vermögen, oft nicht Schweizer Herkunft. Auf der Südseite, im Orte Rüschlikon machte eine besonders dreiste Art der Umverteilung von Süd nach Nord, von einem der ärmsten ind das reichste Land der Erde Furore. “Rüschlikon ist ein idyllisches Dorf und reich, sehr reich. Hier führen die Bewohner ein geruhsames Leben ohne Stress und Hektik. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Hunger und Armut sind hier absolut unbekannt. Und Arbeitslosigkeit und soziale Probleme eher eine Seltenheit. Diskretion ist im reichen Rüschlikon ein Gesetz, wie Bürgermeister Bernard Elsener mit Nachdruck erklärt: “Natürlich können Sie hier reich sein, aber zeigen Sie das bitte nicht öffentlich.“”

Der Wohlstand der Gemeinde wurde durch den Zuzug eines Herrn Glasenberg dramatisch vermehrt. Ivan Glasenberg ist Geschäftsführer des Rohstoffgiganten “Glencore“. Sein Konzern machte 2011 einen Nettoumsatz von 9,6 Milliarden Dollar. Das immense Steueraufkommen von Neubürger Glasenberg spülte Millionen von Dollar in die Kassen der Finanzbehörden in Rüschlikon, so dass sich der Bürgermeister gezwungen sah, den Steuersatz im Dorf drastisch zu senken. “Man hätte ja viel zuviel Geld, man könne dass ja gar nicht alles ausgeben,” stellte Bürgermeister Bernard Elsener fest.

Aber woher kommt der immense Reichtum von Herrn Glasenberg? Ein Blick nach Sambia bringt etwas Licht in ein finanzielles Dickicht vielschichtiger Steuermanipulationen. Sambia ist reich an Bodenschätzen und hat das weltweit drittgrößte Kupfervorkommen. Aber die Bürger in Sambia bekommen von den hohen Erträgen aus ihren in internationalem Besitz befindlichen Kupferminen nichts zu sehen. Sie leben in größter Armut: 60% der Bevölkerung haben weniger als einen Dollar pro Tag und etwa 80% haben keine Arbeit. Wie ist so etwas möglich?

Möglich ist es durch Geschäftsmanipulationen und fehlende Steuerzahlungen eben der Firma Glencore, die das Kupfer in dem bettelarmen Land in Milliardenhöhe ausbeutet und die direkt mit den Reichtümern des Neu-Rüschlikoners Glasenberg verbunden sind. Die Hintergründe zeigt das folgende Video.

Vor allen Dingen dokumentiert der Film auch die Entscheidung der Bewohner des netten Örtchens, in Kenntnis der kriminellen Umstände des Erwerbs, den Steuersatz so niedrig zu belassen, und keine Differenz von ein paar Millionen zu Lasten des Herrn Glasenberg an die Bewohner in Sambia zu überweisen. Bekannt ist auch in Rüschlikon/Schweiz, dass viele in Sambia Wohnende schon von den umweltvergiftenden Praktiken der Firma Glencore in ernste Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein entsprechender Antrag eines Bewohners Rüschlikons wurde mit großer Mehrheit in einer öffentlichen Versammlung vor Ort dieses Jahr abgelehnt.

Abschließend sei erwähnt, dass sich die Anwohner des Zürchersees als besonders “ökologisch” verstehen und das durchschnittliche Bruttosozialprodukt oder Einkommen von Schweizern etwa das 100fache von Sambiern beträgt.


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