Frankfurter Gemeine Zeitung

Umzug Uni Frankfurt: Studierenden-Projekte gegen Privatisierung des Campus

Mit dem Umzug auf den I.G. Far­ben-Cam­pus im März 2013 sind viele Pro­jek­te wel­che im Bockenheimer AfE- Turm ihren Raum ge­fun­den haben, in ihrer Exis­tenz be­droht. Dies be­trifft neben dem Frau­en­café und dem El­tern-Kind Raum auch das TuCa [im Exil].

Das TuCa [im Exil] ist ein selbst­ver­wal­te­tes Café im 5. Stock, das zu­nächst 1988 im von Stu­die­ren­den be­setz­ten Erd­ge­schoss ge­grün­det wurde. Sein Exil fand es nach der Räu­mung 2002 im Raum der Fach­schaft 04. Das TuCa ist ein un­kom­mer­zi­el­les Café, mit für je­de_n er­schwing­li­chen Prei­sen. Mit sei­nen Er­lö­sen un­ter­stützt es ver­schie­de­ne po­li­ti­sche Pro­jek­te, sowie von Re­pres­si­on be­trof­fe­ne Ein­zel­per­so­nen. Zudem soll es hier auch mög­lich sein, vom Uni­all­tag ab­zu­schal­ten. Es ver­sucht einen Raum für Men­schen zu schaf­fen, wel­cher nicht von Dis­kri­mi­nie­rung ge­kenn­zeich­net ist.

Auf dem I.G. Far­ben-Cam­pus wird dem TuCa je­doch kein Platz zur Ver­fü­gung ge­stellt um einen al­ter­na­ti­ven, un­kom­mer­zi­el­len Cafébe­trieb wei­ter auf­recht er­hal­ten zu kön­nen. Im Kon­trast dazu ist es für pri­va­te Un­ter­neh­men (das „Sturm und Drang“ im Hör­saal­zen­trum) mög­lich, Raum auf dem Un­ige­län­de zu nut­zen. Die­ser Raum könn­te an­sons­ten stu­den­ti­schen In­itia­ti­ven zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.
Das dies vom Prä­si­di­um nicht ge­wollt ist, zeigt sich an der kon­se­quen­ten Miss­ach­tung stu­den­ti­scher Be­dürf­nis­se und feh­len­der Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft – sei es mit dem TuCa, den Fach­schaf­ten oder dem In­sti­tut für ver­glei­chen­de Ir­re­le­vanz.

Und so droht ein Pro­jekt, dass sich in mehr als 20 Jah­ren durch au­to­no­me Selbst­be­stim­mung eta­bliert hat, mit dem Umzug zu Ende zu gehen.

WIR GEBEN UNS MIT DIE­SER ENT­WICK­LUNG NICHT ZU­FRIE­DEN!

Wir for­dern das Prä­si­di­um auf, Stu­die­ren­de nicht nur als Leis­tungs­emp­fän­ger_in­nen zu be­han­deln, son­dern als Ak­teur_in­nen an der Uni ernst­zu­neh­men und ihr po­li­ti­sches und ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment zu un­ter­stüt­zen.

Wir for­dern alle Stu­die­ren­de auf, sich gegen diese Po­li­tik zu weh­ren!
Frei­räu­me müs­sen er­kämpft wer­den!

Für ein Tuca [im Exil]² auf dem I.G. Far­ben-Cam­pus!

http://umzuginsnichts.blogsport.de/


Campus Bockenheim stemmt sich gegen Umzug in Campus Westend

Nicht zuletzt der Ausbau des Campus Westend rund um das ehemalige IG-Farben Haus zu einer Art Sicherheitstrakt mit Zäunen und Überwachungskameras verleidet den Bockenheimer Sozialwissenschafler*innen den Umzug dorthin. Auf dem alten Campus waren derartige Wach- und Schließszenarios eher unbekannt. Eine Abordnung der Studierenden besichtigte vor Weihnachten die Lage vor Ort, hier der Bericht.

Am Mittwoch, dem 20. Dezember besichtigten rund 70 Studierende vom Campus Bockenheim den IG-Farben Campus.

Anlässlich des bevorstehenden chaotischen Umzugs und der zu erwarteten Raumnot, zog die Gruppe über die verschiedenen Stationen des Campus, um sich kritisch mit der Situation auseinanderzusetzen. Vor den Gebäuden kam es, bei Mate und Musik, zu Diskussionen zwischen den Teilnehmenden, in denen der Umgang mit dem Umzug durch die Universitätsleitung zum Teil heftig kritisiert wurde.
Neben dem Umzug wurde die Geschichte des IG-Gebäudes, sowie die Transformation der Hochschule zur unternehmerischen  (Stiftungs-) Universität thematisiert.

Mit Unverständnis wurde auf die zahlreichen Zugangskontrollen an den Gebäuden und die Überwachungskameras reagiert.
Sandra Weidenmüller, Politikstudentin, dazu: „Die Uni setzt offensichtlich mehr auf Schein als Sein. Während es im neuen Seminargebäude viel zu wenig Platz für die Studierenden geben wird, brüstet sich die Uni mit der Bezeichnung ’schönster Campus Europas‘. Hier geht es also offensichtlich nicht um die Interessen der Studierenden, sondern rein um das Marketing.

Danach berichtete ein Student den jüngeren Semestern von seinen Erlebnissen bei der Casino-Räumung 2009. Passend dazu hatte die Unileitung für die Besichtigung am heutigen Mittwoch nicht nur die Polizei auf den Campus gerufen, sondern auch gleich für den halben Tag das Casino samt Mensa und Seminarräumen geschlossen. Als Studierende versuchten das IG-Gebäude von innen zu besichtigen, wurden sie vom externen Uni-Sicherheitsdienst zum Teil grob daran gehindert. Dieses gewaltsame Vorgehen gegen Mitglieder der Universität offenbart ein seltsames Rechtsverständnis auf dem neuen Campus. Das Konzept der Sicherheits-Uni wird offenbar sehr fix realisiert.

Gegen den Willen der Unileitung konnte dennoch der letzte Teil der Campusführung im IG-Foyer durchgesetzt werden. Somit konnte die Geschichte des Gebäudes und fragwürdige Umgang der Universitätsleitung mit ihr zur Sprache gebracht werden. Sandra Weidenmüller weiter: „Es ist schockierend, dass die Unileitung mit Sicherheitsdienst und Polizei auf dem Campus versucht, unseren Spaziergang zu kriminalisieren. Diese konfrontative Haltung zeigt, dass offensichtlich keinerlei Interesse besteht, die auf der Vollversammlung am 21. November beschlossenen Forderungen einzugehen.“

Abschließend zogen die Studierenden unter Sprechchören wie „Müller-Esel aus der Traum, wir nehmen uns Zeit und Raum“ spontan über die Hansaallee. Damit wollten sie ihrer Forderung nach studentischen Freiräumen wie sie rund um den Campus Bockenheim existieren, Ausdruck verleihen.
Vor dem Gebäude des Exzellenzclusters „Normative Orders“ wurde die zunehmende Trennung von Forschung und Lehre kritisiert. Psychologiestudent Erkan Özer abschließend: „Trotz der konfrontativen Haltung werden wir uns weiter für unsere Interessen einsetzen. Auch auf dem neuen Campus werden wir uns Zeit und Raum für kritische Bildung nehmen. Solange auf dem neuen Campus zu wenig Platz ist, fordern wir die Weiternutzung sämtlicher Gebäude auf dem Campus Bockenheim.“

 


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