Frankfurter Gemeine Zeitung

Überdenkt Eure Nahrungstabus!

Davon, dass der übermäßige Fleischkonsum in den Industrieländern ökologische Folgen hat und zudem zu fragwürdigen Bedingungen in Tierhaltungsbetrieben und Schlachthäusern führt, verkündet derzeit fast die gesamte deutsche Medienlandschaft.
Auch ich finde, dass sich etwas ändern müsste.

Allerdings teile ich nicht die grundsätzlichen Bedenken, gegen das Schlachten und Verspeisen von Tieren, die Vertreter der sogenannten „Tierrechtsszene“ immer lauter und öffentlicher äußern. Doch in dem Artikel hier soll es nicht um diese Grundsatzdiskussion gehen.

Vielmehr möchte ich mich hier mit dem Gedanken beschäftigen was für Fleisch wir essen und mich fragen, ob wir hier nicht an einen Punkt gekommen sind, in dem unsere auf Convenience ausgelegten Ess- und Lebensgewohnheiten, der Welt und auch unserem eigenen Genuss schaden.
Denn wie sollte Fleisch für die sogenannte „moderne Küche“ beschaffen sein? „Natürlich mager und schön frisch“ würden viele unwissende Kretins hier antworten.
Fleisch das einen strengen Geruch hat wird heute als verdorben und nicht mehr verkäuflich empfunden. Nur wenige Feinschmecker wissen noch ein wirklich gut abgehangenes Steak oder Wildbret zu schätzen. Meist hingegen landet Fleisch, welches ein Bisschen streng riecht, direkt auf dem Müll.

Früher hingegen galt der Hautgout (nach frz. haut goût= Hoher Geschmack) geradezu als Pflicht für ein gutes Stück Fleisch.
Auch viele bekannte deutsche Kochrezepte gingen ursprünglich darauf zurück, dass man angegangenes Fleisch wieder genießbar machen wollte. Als Beispiel sei hier der bekannte Sauerbraten genannt oder die in Franken so beliebten „Sauren Zipfel“ (in Essig und Zwiebeln gekochte Bratwürste).

Meine Eltern besitzen noch ein altes Kochbuch aus der Nachkriegszeit. Etwa ein Drittel dieses Kochbuches beschäftigt sich mit der Frage, wie man verdorbene Speisen wieder schmackhaft aufbereiten kann.
Es wird darin beispielsweise empfohlen, Schimmel von Bratwürsten gründlichst mit Essig abzureiben und die Würste dann im kleingeschnittenen Zustand als Einlage für eine kräftige Brühe zu verwenden.
So weit müssen wir heute vielleicht nicht gehen.

Dennoch denke ich, dass es ein mittelschwerer Skandal ist, Fleisch wegzuwerfen, bloß weil es ein paar farbliche Veränderungen aufweist oder ein Bisschen riecht. Immerhin ist dieses Fleisch, auch wenn es vielleicht billig gekauft ist, doch mit gewissen ökologischen Folgen und dem Tod eines Tieres bezahlt.
Außerdem wundere ich mich doch ein Bisschen: Auf deutschen Tischen sieht man fast nur noch reines Muskelfleisch. Ein Tier besteht aber nicht nur aus Muskeln, sondern beispielsweise auch aus Gehirn, Magen, Nieren, Herz und so weiter.
Fast möchte man wehmütig singen: „Wo sind die Gedärme hin? Wo sind sie geblieben?“

Ich muss es ja selbst zugeben. Auch ich finde den Eigengeschmack von Innereien etwas gewöhnungsbedürftig, doch noch mehr finde ich ihn gewöhnungswert. Denn Oliven, Kaffee, Bier oder Tabak haben den meisten Menschen bei ihren ersten Versuchen auch nicht geschmeckt.
Wenn man sich dann einmal vorstellt, welche Bereicherung unseres Speiseplanes Innereien darstellen könnten und welcher Hauch von Exotik die heimische Küche beim pikanten Duft köchelnden Gedärms umweht, dann weiß man , dass solche kulinarischen Experimente sich mehr als auszahlen.
Und wer wirklich authentisch afrikanisch, asiatisch oder lateinamerikanisch essen will, kommt ohnehin um den Hautgout und die Innereien nicht herum, denn in vielen der dortigen Länder kann es sich ein Durchschnittsmensch überhaupt nicht leisten, mit dem Essen schneubisch zu sein.
Wem diese Geschmäcker am Anfang zu derbe sind, der kann sie durch die jeweils landestypischen Gewürze gut überdecken. Viele Gewürze (wie zum Beispiel Ingwer und Chili) haben eine antibakterielle Wirkung, welche uns zusätzlich schützt, falls wir doch mal ein Stück Fleisch verwertet haben, das wirklich über seine Zeit hinaus ist.

Leider geht der Trend weiter in die gegenläufige Richtung. Das Essen von Innereien und geruchsintensivem Fleisch hat sich inzwischen fast zu einer Art Nahrungstabu unserer Kultur entwickelt und ich denke, auch einige meiner werten Leser haben bei diesem Artikel schon mehrfach die Nase gerümpft.
Denn die gesellschaftliche Konvention hierzulande findet das, was ich hier freimütig propagiere, fast schon anrüchig.

Als man vor einiger Zeit das sogenannte „Gammelfleisch“ skandalisierte, ging es ja eigentlich nicht um vergammeltes Fleisch, sondern lediglich darum, dass Fleisch widerrechtlich mit einem neuen Haltbarkeitsdatum umetikettiert wurde. Allerdings muss man natürlich mit dem verpackten Supermarktfleisch vorsichtig sein. Denn eingeschlossen in Plastik entwickelt Fleisch keinen Hautgout, sondern wird einfach nur wirklich ungenießbar.
Deshalb empfehle ich niemandem, unter Schutzatmosphäre verpacktes Fleisch zu kaufen. Damit schadet Ihr nicht nur der örtlichen Metzgerzunft, die ihr ehrwürdiges Handwerk noch immer mit Liebe ausübt, sondern auch Eurem eigenen Genuss.

Und wenn Ihr knapp bei Kasse seid, dann geht kurz vor Ladenschluss zum Metzger Eures Vertrauens und fragt ihn, was dringend noch heute raus muss. Ihr könnt bestimmt einen ordentlichen Rabatt aushandeln, denn sonst müsste er es ja ohnehin wegschmeißen.
Ich jedenfalls bekomme vom Metzger aus meiner Nachbarschaft Massen an hervorragendem Fleisch zu reinsten Schleuderpreisen. Innereien sind sowieso oft günstig zu haben. Neulich habe ich auf diese Weise sogar fast zwei Kilo Lammnieren in bester Halal-Qualität für sechs Euro bekommen, die derzeit im Gefrierschrank auf meine Experimentierfreude warten.

Außerdem ist auch das Verspeisen von Insekten zumindest einen Gedanken wert. Insekten vermehren sich schnell, viele Arten eignen sich hervorragend für eine Massenhaltung, da sie ohnehin Schwarmlebewesen sind und sie liefern nahrhaftes und gesundes Protein.
Leider muss ich zugeben, dass auch ich unter der gesellschaftlich geprägten Abneigung gegen das Essen von Insekten (obwohl ich zum Beispiel mit Begeisterung Schrimps esse) leide und ich befürchte es wird mir nur schwer möglich sein, mich da umzupolen.

Doch einer Heuschreckenfrikadelle ohne Chitin, Beinchen und Mandibeln würde ich durchaus eine Chance auf meinem Teller geben und die Agavenraupe aus dem Mescal habe ich auch würdevoll hinter mich gebracht, wenngleich ich zugeben muss, dass dies vielleicht auf die Enthemmung durch den Alkohol zurückzuführen war.

Ich denke bei der Überwindung der eigenen Grenzen in Bezug auf Nahrungsmittel gilt der gleiche Grundsatz, wie bei der Überwindung eigener sexueller Grenzen:
Nur so weit gehen, wie man verantworten kann und sich dabei gut fühlt!

Trotzdem ist es an der Zeit, im Namen der Umwelt, der geistigen Freiheit, dem eigenen Erfahrungshorizont und dem Wohl der Tiere, unsere Nahrungstabus auf den Prüfstand zu stellen.


Frankfurt: Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg

KUNDGEBUNG ZUM GEDENKEN AN ROSA LUXEMBURG UND KARL LIEBKNECHT

“Weil sie den Armen die Wahrheit gesagt haben sie die Reichen aus dem Leben gejagt“
(aus „Grabschrift 1919“, Bertolt Brecht)

Am 15. Januar jährt sich zum 94. mal der Tag der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts.
Auch in diesem Jahr wollen wir das Gedenken an die beiden sozialistischen Vorkämpfer gegen Krieg und für soziale Gerechtigkeit wach halten.

Dienstag, 15. Januar 2013, 18 Uhr an der Bockenheimer Warte

mit anschließender Demonstration zur Gedenktafel am Titania (Basaltstr.23)

Mitwirkende:
Bettina Kaminski (Schauspierlerin)
Peter Scherer (Historiker)
Klaus Gietinger (Drehbuchautor)
Ernesto Schwarz (Liedermacher)

Nach einer Auftaktkundgebung an der Bockenheimer Warte beginnt eine Demonstration durch Bockenheim zum Titania in der Basaltstraße. Dort werden wir gemeinsam einen Kranz und Blumen zu Ehren der beiden Freiheitskämpfer niederlegen. Anschließend wird dort eine Kundgebung stattfinden.
Wir tun dies an dem Ort, von dem aus Rosa Luxemburg am 26. September 1913 bei einer großen Versammlung Frankfurter Bürger und Bürgerinnen gesprochen und vor der Gefahr eines Weltkriegs gewarnt hatte. Im „Titania“ in Bockenheim rief sie aus: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Das tun wir nicht!“
Für diesen Satz, wurde Rosa zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr in Frankfurt verurteilt. Ihr Aufruf blieb jedoch nicht ungehört. Nach vierjährigem Gemetzel mit über vier Millionen Gefallenen erhoben sich die Soldaten und Arbeiter und beendeten den Weltkrieg durch Generalstreik und Revolution.
Wir ehren Rosa und Karl und erheben heute unsere Stimme für die Sache, wofür sie ihr Leben lassen mussten:
Gegen Krieg und für soziale Gerechtigkeit!

Wir fordern zusammen mit vielen Friedensfreunden:
· Sofortiger Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan
· Stopp der Waffenexporte in die Türkei, wo mit deutschen Waffen das kurdische Volk unterdrückt wird!
· Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr
· Gegen militaristische Werbung der Bundeswehr an Schulen, Hochschulen und in Arbeitsämtern
· Geld für die Aufgaben der Kommunen statt für Kriegseinsätze!

Unterstützer/innen dieses Aufrufes:
Andreas Bartl, Marcel Bathis, Angelika Beier, Janika Böhm, Michaela Böhm, Christine Buchholz, Nora David, Diether Dehm, Michael Erhardt, Bruni Freyeisen, Axel Gerntke, Heiner Halberstadt, Hans Jürgen Hammelmann, Tobias Huth, Viktor Kalla, Marianne Koester, Martin Krämer, Willi Kurtzke, Andrè Leisewitz, Bettina Mandelbaum, Maya Mosler, Bernd Müller, Markus Phillippi, Bernd Raths, Werner Ruf, Horst Schmitthenner, Elisabeth Schweiger, Dr. Hans Christoph Stoodt, Agnes Stoffels, Horst Trapp, Robert Weißenbrunner, Janine Wissler

V.i.S.d.P. Volkhard Mosler (volkhard.mosler@gmx.de), Tel. 069 595607


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