Frankfurter Gemeine Zeitung

Altes Frankfurter Sigmund-Freud Institut in der Myliusstrasse besetzt

Eine Reminiszenz an Mitscherlichs „Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden“

Am 16.02.2013 haben Aktivist_innen ein leerstehendes Gebaude in der Myliusstraße besetzt:


In dem Haus befand sich bis 2010 das Sigmund-Freud-Institut, das auf Grund einer Renovierung umziehen musste. Das Institut wurde 1960 maßgeblich von Alexander Mitscherlich gegründet, 1964 eröffnete es in der Myliusstrasse 20. Wie der Frankfurter Rundschau vom 15. Februar 2013 zu entnehmen war, soll im Juni endlich mit dem Umbau des Gebäudes begonnen werden. Ein prächtiger Glasbau wird neben dem seit 2012 denkmalgeschützten Gebäude errichtet werden.
Die Freudsche Psychoanalyse ist, genauso wie die Kritische Theorie, in der gesellschaftlichen Irrelevanz verschwunden und dient der Universität Frankfurt lediglich als schickes Aushängeschild“, erläutert Aktivistin Margarete Rothschild. „An diese Tradition anknüpfend soll das Institut zwischengenutzt werden.“ In den nächsten Tagen werden hierzu mehre Veranstaltungen stattfinden. Fokus wird auf die Psychoanalyse und ihre gesellschaftskritische Relevanz gelegt werden. Ergänzend ist eine Kritik der psychiatrischen Praxis zu leisten.
Es scheint normal zu sein sich gegen nichts zu wehren, selbst wenn es die eigenen Umstände betrifft. Höchstens kommt es zu einer kurzen Empörung“, merkt Aktivist Moshe Anhan an und erklart weiter: „Nach dem gestern das Ende des IVI ein Schritt näher gerückt ist, haben wir beschlossen nicht noch weiter untätig in unseren Wohnungen zu sitzen.“
Gestern erwirkte die Frankonofurt AG beim Landgericht den Räumungstitel gegen das IVI. Abends kam es bereits zu zwei Besetzungen, die aber innerhalb kürzester Zeit wieder geräumt wurden. Zeitgleich wurde mit einem großen Rave der Umzug des Bockenheimer Campus und die Bedrohung des IVI thematisiert. Gut 400 Menschen zogen bei lauter Musik durch die Frankfurter Innenstadt und wiesen auf ihre Anliegen hin.
In den letzten zwei Jahren gab es in Frankfurt viele Versuche Häuser zu besetzten und sich urbanen Raum anzueignen. Wir sind diesem Beispiel gefolgt, “ schließt Moshe Anhan. „Wir rufen dazu auf dies auch zu tun! Denn all diese Bemühungen müssen zum Erfolg führen. Auch vermeintliche Misserfolge der Vergangenheit sind Mosaiksteine hin zu einem anderen, selbstbestimmten Stadtbild.“

 

Den Besetzer_innen wurde inzwischen erlaubt, vorläufig bis Samstag, den 23. Februar im Haus zu bleiben.

 

Für die Woche wird ein Programm offeriert, mit dem die Besetzer in der Stadt mehr Öffentlichkeit und Solidarität erreichen möchten:

Wenn ihr Ideen zu weiteren Workshops, Vorträgen etc. habt: Meldet euch! aktion152@gmx.de

Sonntag, 17.02., 13.00 Uhr
Vernunft und Naturbeherrschung (oLiLi)

Sonntag, 17.02., 14.30 Uhr
Großplenum der Besetzer_innen

[Sonntag, 17.02., ab 14.30 Uhr Police Academy-Marathon (im IvI, Kettenhofweg 130, http://ivi.copyriot.com)]

Sonntag, 17.02., 16.00 Uhr
Schaffen wir ein, zwei, viele AK Kritische Psychologie (AK kritische Psychologie Frankfurt a.M.)

Sonntag, 17.02., 18.00 Uhr
Politische Psychologie: Einführung zu Peter Brückner (Markus Brunner)

Sonntag, 17.02., etwa 20.00 Uhr
Essen im Café ExZess, Leipziger Strasse 91

Montag, 18.02., 14.00 Uhr
Einführung in die Kritische Psychologie (AK kritische Psychologie Frankfurt a.M.)

Montag, 18.02., 16.00 Uhr
Psychoanalyse als Methode: Instrumente einer kritischen Perspektive (Erica Augello)

Montag, 18.02., 21.00 Uhr
Containern: Tipps und Tricks (bestenfalls Fahrräder mitbringen) fitforaction@posteo.de

Dienstag, 19.02., 14.00 Uhr
Die Multitude und ihr Bewusstsein (Buchpräsentation) (AK kritische Psychologie Frankfurt a.M.)

Dienstag, 19.02., 16.00 Uhr
Zum Kritikbegriff bei Marx und Adorno (Robin Mohan)

Dienstag, 19.02., 18.00 Uhr
Train the action: Handlungsfähigkeit in Stressituationen mit der Bezugsgruppe, bei der Sitzblockade, vor der Polizeikette
fitforaction@posteo.de

Dienstag, 19.02., 20.00 Uhr
Antirassistischer und antisexistischer Lesekreis

Mittwoch, 20.02., 16.00-20.00 Uhr
Diskussionsgruppe zu aktueller Psychiatrie als Erlebnisgastronomie

Donnerstag, 21.02., 14.00 Uhr
Workshop: Einführung in psychoanalytische Sozialpsychologie (AK kritische Psychologie Frankfurt a.M.)

Donnerstag, 21.02., 16.00 Uhr
Herrschaftsnarrativ der Uni am Beispiel des Umzugs (TuCa – TurmCafé [im Exil])

Freitag, 22.02., 16.00 Uhr
Erziehung im Kapitalismus (Markus Balzereit)

Für die nächsten Tage in Planung sind folgende Veranstaltungen:

Geschichte des Sigmund-Freud-Instituts
Geschichte der Psychoanalyse
Psychoanalyse vor, während und nach dem Nationalsozialismus
Mitscherlich revisited: Die Unwirtlichkeit unserer Stadt
Kulturindustrie
Antisemitismus und Rassismus in der NS-Schülerzeitschrift „Hilf mit!“
Neuer Opferdiskurs und Neonationalismus
Adornos Sprachtheorie

Aktionsbündnis 15. 2.

 

 

 


Ein Kommentar zu “Altes Frankfurter Sigmund-Freud Institut in der Myliusstrasse besetzt”

  1. awkgce

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