Frankfurter Gemeine Zeitung

Neues aus dem Gentrifizierungsheim – Niederrad

Nach der letzten Sitzung des Planungsausschusses, auf dem wieder einmal über die Zukunft der Siedlung Im Mainfeld gesprochen wurde, bzw. darüber, dass sie keine hat, jedenfalls nicht für alle, die das hoffen, ist durch eine blöde Verwechslung der Entwurf eines Briefes in unsere Hände gefallen, den wir unseren Lesern keinesfalls vorenthalten möchten.
Es gilt zu bedenken, dass wir für die Echtheit nicht bürgen können, wenngleich viele Indizien darauf hinweisen, dass es bei diesem Schreiben wenigstens um etwas Angedachtes gehen dürfte. Immerhin zeigt sich, dass die zunehmende Unzufriedenheit in dieser Stadt Wirkung zeigt, die betroffenen Mieter*innen werden rechtzeitig informiert. Das bestärkt unsere Auffassung, dass nur Widerstand die Dinge ins Rollen bringt.

Hier nun im Wortlaut:

An alle Bewohnerinnen und Bewohner
der Siedlung Im Mainfeld

Liebe Mainfelderinnen und Mainfelder,

wir wenden uns im Namen der Geschäftsleitung und des Aufsichtsrats direkt an euch, damit ihr nicht wieder alles in grober Verzerrung aus den Medien erfahrt oder von fehlgeleiteten Agitatoren, die euch nur für ihre undurchsichtigen Ziele einspannen wollen.

Na dann:
Es war schön mit euch – doch so schön es gewesen sein mag, die Zeit rast und ihr wisst doch auch, nichts dauert ewig, gell.

Die Zeiten haben sich sehr verändert und tun dies mit wachsender Geschwindigkeit immer weiter und gerade in dieser Situation ist jeder von uns gefordert, seinen Beitrag zu leisten. Damit es euch auch in absehbarer Zukunft gut, nein besser geht, muss hier – an dieser Stelle – etwas geschehen, es ist überfällig – und da seid ihr einfach im Weg. Könnt ihr nichts zu, ist aber Fakt. Und, Hand aufs Herz, so richtig hat es euch ja auch nicht mehr gefallen in letzter Zeit, all die Beschwerden (kein Hausmeister und so). Da fällt es dann doch etwas leichter und euer Beitrag hat ja auch etwas rundum Gutes: stellt euch vor, ihr macht halt Platz, dann kann hier endlich ein viel schönerer Stadtteil entstehen, in dem es sich phantastisch leben lässt, Blick auf den Fluss, ringsum grün, tolle Geschäfte in der Nähe, jede Menge Verkehrsmittel. Geht aber alles nur, wenn endlich diese potthässlichen Klötze verschwinden, die einem jegliche Aussicht versauen, die wil nun wirklich niemand.
Ein Schritt weiter in der erfolgreichen Behauptung von unserem schönen und immer schöner werdenden Frankfurt im globalen Wettbewerb, an dem hängt doch euer Herz – und eure Zukunft.
Je eher ihr euch um eine Bleibe im Umland bemüht, desto schneller können wir die Dinger weghauen und umso grösser der Standortvorteil unserer Stadt.

Wollt ihr wirklich erst zum Problemviertel werden?
Wollt ihr, dass alle Fixer und Junkies hier Platz finden, Beschaffungskriminalität sich ausbreitet, Radau die ganze Nacht, kaputte Wasserleitungen, verstopfte Toiletten, zugeschraubte Fenster?

Kann ja wohl nicht sein, dass ihr euch das zumutet, gibt doch überall Besseres!

Na also, haben wir doch immer gewusst, dass wir uns auf euch verlassen können, dann: Sachen gepackt und los geht’s.

Nicht vergessen:Schlüssel abgeben!

Der Quartiersmanager
für:
Eure ABG-Frankfurt Holding


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