Frankfurter Gemeine Zeitung

Neujahrsempfang des OBR 2 im Palmengarten Gesellschaftshaus am 18. Februar 2013

von pumilo
Pünktlich, gar überpünktlich müssen alle gewesen sein, denn als wir das Haus betraten, schienen die Gäste, sowohl der Ortsbeirat als auch die bekannten Gesichter der Bürgerinitiativen aus dem Westend alle anwesend zu sein.
Man verbrachte ein wenig Zeit beim schnell servierten Sekt an den Stehtischen in dem, im Stil der 20er Jahre schlicht gehaltenen Vorsaal des Gesellschaftshauses. Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) hatte dann die ihm sichtlich gefallende Aufgabe, die Pforten zum historischen Festsaal zu öffnen.
Der erste Eindruck war fad. Der Saal selbst war schwach erleuchtet. Das blaue Licht des Beamers vermittelte den Eindruck, der den ganzen Abend nicht über weichen sollte: worin liegt bitte das besondere, wo sind die 40 Millionen verbaut?

Man nahm im Halbkreis vor der Rednertafel Platz. Dort hatten Platz genommen, neben dem Ortsvorsteher, der Geschäftsführer der Gesellschaftshaus GmbH Robert Mangold, der Stadtversammlungsvorsitzende, die Frankfurter Stadträtin Cornelia-Katrin von Plottnitz, der Verantwortliche für die Grünanlagen des Palmengartens und eine bis zum Schluss stumm bleibende Dame aus der Verwaltung des Palmengartens.
Herr Kaufmann begrüßte alle Anwesenden und erinnerte daran, wie um sich ein Lob abzuholen und zu zeigen, dass man ein „offenes Ohr“ für die Bürger habe, dass dieser Neujahrsempfang nun die Gelegenheit biete, sich ein eigenes Bild vom Gesellschaftshaus zu machen und Fragen an den Betreiber zu richten. Bei dieser seltsam vorgetragenen Rede hatte man immer das Gefühl, man sollte nun vom Prunk geplättet und Licht und Glanz sollten alle Diskrepanzen und die Kritik überstrahlen.

Anschließend hielt der Chef der Stadtversammlung eine Rede, bei welcher mit Sicherheit ein Ratgeber zur Seite stand, denn er machte den Umweg über Asteroiden als unvorhergesehene Ereignisse, um dann dieses Bild weiterzutragen und zum Gesellschaftshaus als Thema zurückzukehren.
Mir ist es nicht gelungen, ihm zu folgen.
Deutlich erheiternder war die Rede von Frau Cornelia-Katrin von Plottnitz.
Ihre Eltern hatten sich auf einem der rauschenden Maskenbälle im großen Saal kennengelernt und sie selbst – hach, sie zog sich erneut im wehmütigen Angedenken an die Tage ihrer Kindheit ihre Ballettschühchen an und streifte das Tutu über, um dann, von Glück erfüllt, mit anderen Mädchen, vor den amerikanischen Offizieren zu tanzen.
Sie war so voller Erinnerung und machte fast den Hofknicks vor Herrn Mangold und ihm zu danken, diesen wunderbaren Ort für sie und für viele andere Frankfurter wieder erlebbar gemacht zu haben.
Nach so viel bürgerlicher Dekadenz sollte nun der kritische Teil des Abends kommen, die Fragen zum Gesellschaftshaus. Ein Vertreter der Freien Wähler nutzte seine Redezeit für eine kleine, ganz persönliche Bürgerfragestunde und äußerte die mehrfach vorgetragene Kritik zur Finanzierung und Abwicklung des Gesellschaftshauses. Dann sprachen einige empörte Westendler und die Sprache kam auf die Vorspeisen-Sardine.

Lächelnd machte Herr Mangold vor, wie der Lotuseffekt bei Menschen funktioniert: den Tropfen auf die Oberfläche ablegen, schimmern lassen und dann ganz langsam zusehen, wie der Tropfen abperlt, ohne dass irgendetwas nass geworden ist.
Nun ja, der Bauprozess begann schon im Jahr 2005, man würde sich doch erinnern, das Gesellschaftshaus lange verhüllt mit Panoramatüchern, die die Fassade zeigen. Im Zuge dieser Arbeiten musste die Gastronomie im Gesellschaftshaus geschlossen werden.
War ja auch nix, eher eine Frittenbude, denn eines Palmengartens würdig und der ehemalige Pächter, die Familie Wille, hatte so ihre Sorgen mit der Gaststätte.
Also schuf man das Café Siesmayer, als Ersatz zum Sattmachen der Palmengartenbesucher.
In dieser Zeit schwieg die Stadt zu den Plänen, was auch Herr Mangold nach einer Vorlage von der Westendinitiative, wiederholend bestätigte. Tja, und als dann die Sanierung abgeschlossen war, wurden still und heimlich Verträge geschlossen und das Gesellschaftshaus hatte einen neuen, unter den Frankfurter VIPs geschätzten neuen Pächter.
Aber, aber, bitte keine Aufregung, die Sardinenvorspeise ist eine ganz vorzügliche kreative Komposition aus Mama-, Papa- und Babysardine, was den Preis selbstverständlich macht. Wer sichs nicht leisten kann, der kann die 100 Meter zum Café Siesmayer gehen, um dort zu speisen.
Diese kurze Frage-Antwort-Einlage verlief ziemlich pointenlos und Herr Mangold verwies immer wieder auf das Café Siesmayer, wo auch der Westendbürger mit dem SUV ein Törtchen findet. Die Frage nach dem Gesellschaftshaus als Veranstaltungsort für ein breites Spektrum an Vereinen wurde durch Veranstaltungswerbung für Kinderchorfest, „Karneval der Tiere“ und ähnlich phantastische Brot-und-Spiele Veranstaltungen ersetzt. Zum Abschluss lud Herr Mangold zum Rundgang – nach dem Büfett.
Dann kamen die Palmengartendauerkartenbesitzer zu Wort. Sie wirkten sehr präsent, was vermutlich daran lag, dass sie in der Reihe hinter uns Platz genommen hatten. Nie wieder könnten sie dem Rhododendron beim Knospen zuschauen oder im Schatten der mächtigen Pinie, auf Bänken ohne Rückenlehne sitzend, romantische Stunden genießen. Wie soll man mit hochhackigen Schuhen den Garten betreten, wenn man in den Pflasterritzen steckenbleibt, oder um die Nobelkarossen manövrierend den Zulieferfahrzeugen für das Gesellschaftshaus ausweichen muss.? Wirklich unerhört. Der Herr, der für die Gestaltung der Außenanlage zuständig ist, hatte alle Mühe, auf den sauberen Bepflanzungsplan der Präsentation zu verweisen, die Ausgleichsmaßnahmen zu zeigen und seine starke Verbundenheit mit jedem gefällten Baum zu betonen. Eine Schande diese Neugestaltung, wie die gut gekleidete ältere Dame aus Bockenheim wiederholte.
Nachdem Annette Mönich (Zukunft Bockenheim) kritische Worte geäußert hatte, erhielt sie eine persönliche Einladung zur Führung in Herrn Mangolds Besuchergruppe. Wie gesagt, den Eindruck eines langweiligen, dem barocken bürgerlichen Geschmack entsprechenden Gebäudes, wurde das Gesellschaftshaus nicht los.

Manch Rundgangsgast verfiel nichtsdestoweniger in Verzückung ob der schönen Säle und Multifunktionalität und sah sich womöglich schon Champagner schwenkend am Stehtisch.
Wollen wir wirklich Teil dieser Inszenierung sein?
Welcher Teil der Gesellschaft will hier feiern?

Das Haus ist nicht nur protzig und wenig originell, sondern leblos und steril, gefälliger Lounge-Stil mit spätklassizistischen Säulen.


Blockupy Frankfurt! Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes 31. Mai und 1. Juni 2013

Blockupy* ruft auch in diesem Jahr zu europäischen Tagen des Protestes in Frankfurt am Main gegen das Krisenregime der Europäischen Union auf. Am 31. Mai und 1. Juni 2013 wollen wir den Widerstand gegen die Verarmungspolitik von Regierung und Troika – der EZB, der EU-Kommission und des IWF – in eines der Zentren des europäischen Krisenregimes tragen: an den Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) und vieler deutscher Banken und Konzerne – den Profiteuren dieser Politik.

Die Verarmungs- und Privatisierungsprogramme, die schon vor Jahrzehnten den Ländern des Globalen Südens aufgezwungen wurden, sind jetzt in Europa angekommen. Die deutsche Agenda 2010 war nur ein Modellprojekt für das, was in noch dramatischerem Umfang gegenwärtig insbesondere in Südeuropa durchgesetzt wird. Diese Verelendung wird sich – auch hier – noch weiter verschärfen, wenn wir uns nicht wehren: Es droht der weitere Abbau sozialer und demokratischer Rechte. Damit soll die Zahlungsfähigkeit für die Renditeerwartungen der großen Vermögen erhalten bleiben und durch die Verbilligung und Prekarisierung von Lohnarbeit die „ökonomische Wettbewerbsfähigkeit“ Deutschlands und (Kern-)Europas auf dem kapitalistischen Weltmarkt gesteigert werden.

Gemeinsam mit den Menschen im Süden Europas sagen wir: „Don’t owe, don‘t pay!“ (Wir schulden nichts, wir zahlen nichts!) und wehren uns dagegen, dass die Sanierung des Kapitalismus in Europa auf dem Rücken der Lohnabhängigen, der Erwerbslosen, der Rentner_innen, der Migrant_innen und der Jugendlichen ausgetragen wird. Wir verweigern uns der Komplizenschaft mit der deutschen Krisenpolitik, die nicht nur katastrophale Folgen für die Lebensverhältnisse der Menschen im Süden Europas hat, sondern auch hierzulande die soziale Spaltung immer weiter vorantreibt. Deswegen kämpfen wir auch gegen die hier bereits erfolgten und in noch größerem Ausmaß drohenden Verschlechterungen von Lebens- und Arbeitsbedingungen, die zudem geschlechtsspezifisch ungleich verteilt sind und somit die Geschlechterungerechtigkeit verschärfen. Zu uns gehören Initiativen gegen steigende Mieten, kommunale Verarmung und Schikanen am Jobcenter, gegen Abschiebungen, Lager und Residenzpflicht.

Immer wieder wird versucht, uns zu spalten, z.B. mit dem Hinweis, ‚es wäre genug für die Griechen gezahlt‘. Keine Griechin, kein Grieche ist gerettet, vielmehr sind die Renditen von Banken und Konzernen gesichert worden. Wir widersetzen uns dem Versuch, mit solchen nationalistischen Parolen Beschäftigte, Erwerbslose und Prekäre in Deutschland und Griechenland, in Italien, Portugal und Frankreich oder anderen Ländern gegeneinander aufzuhetzen. Insbesondere bekämpfen wir alle (neo)faschistischen Tendenzen, Aufmärsche und Veranstaltungen. Wir wehren uns auch gegen jedwede reaktionäre oder rassistische Kriseninterpretation – gleich ob von „Unten oder Oben“ – gleich ob in antisemitischer, antimuslimischer oder antiziganistischer Form.

Wir sind Teil der internationalen Bewegungen, die sich seit Jahren gegen die Angriffe auf unser Leben und unsere Zukunft wehren, für soziale Rechte und Alternativen kämpfen, neue Formen von demokratischer Organisierung und solidarischer Ökonomie entwickeln. Wir widersetzen uns der autoritären Durchsetzung der Spar- und Reformpakete, die in eklatantem Widerspruch zu demokratischen Prinzipien steht, und treten für die Demokratisierung aller Lebensbereiche ein. Wir widersetzen uns der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen mit Krieg und Rüstungsexport. Wir widersetzen uns dem kapitalistischen Wirtschaftsmodell, das auf globaler Ausbeutung basiert, notwendig Armut und soziale Ungleichheit produziert und die Natur systematisch zerstört.

Wir tragen unseren Protest, unseren zivilen Ungehorsam und Widerstand an den Sitz der Profiteure des europäischen Krisenregimes nach Frankfurt am Main. Von polizeilicher und juristischer Repression, die Bewegungen an vielen Orten weltweit und auch uns trifft, lassen wir uns nicht einschüchtern, sondern begegnen ihr mit grenzüberschreitender Solidarität.

Setzen wir unsere Solidarität gegen die Politik der Spardiktate! Machen wir deutlich: Wir werden nicht zulassen, dass die Krise weiter auf den Rücken von abhängig Beschäftigten, Erwerbslosen, Rentner_innen, Prekären, Studierenden, Flüchtlingen und vielen anderen abgeladen wird, weder anderswo, noch hier. Die Frankfurter Protesttage schließen damit an die weltweiten Proteste des vergangenen Jahres, die Proteste im Frühling in Brüssel und anderswo sowie an die Bewegungen für einen Alter Summit in Athen an.

Wir werden gegen die Politik von Bundesregierung und der ganz großen 4-Parteien-Koalition, gegen die Politik von EZB, EU-Kommission und IWF demonstrieren.

Wir werden die EZB blockieren.

Wir werden die öffentlichen Plätze in der Wirtschafts- und Finanzmetropole Frankfurt okkupieren – wir sind BLOCKUPY!

 

* Blockupy ist ein bundesweites Bündnis, in dem zahlreiche Gruppen, Organisationen und einzelne Aktivist_innen mitarbeiten. Wir sind in unterschiedlichen sozialen und politischen Gruppen oder Strömungen aktiv. Bisher beteiligen sich Attac-Aktivist_nnen, Gewerkschaften, antirassistische Netzwerke, Parteien wie Die Linke, Occupy-Aktivist_innen, Erwerbsloseninitiativen, studentische Gruppen, Nord-Süd-, Friedens- und Umweltinitiativen, die Linksjugend [‘solid], die Grüne Jugend sowie linksradikale Zusammenschlüsse wie die Interventionistische Linke und das Ums-Ganze-Bündnis.

http://blockupy-frankfurt.org/


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