Frankfurter Gemeine Zeitung

Passgenau im schwarz-grünen Frankfurt: FAZ übernimmt die Frankfurter Rundschau

Herold der Finanzdienstleister plus stockkonservativer Lokalteil: genau das bietet die FAZ. Von dieser Marke weg hilft dem Blatt auch die hochgezogene intellektuelle Fassade im Feuilleton rund um ihren neuen Kapitalismuskritiker Frank Schirrmacher nicht. Die letzten “linksliberalen” Reste bürgerlicher Papier-Öffentlichkeit in Gestalt der “Frankfurter Rundschau” werden nun eingezogen und unter einem Dach, eben der FAZ versammelt.

Gestern genehmigte die Kartellbehörde den Übernahmedeal, mit dem nun die Blätter von Rheinmain alle in die Finanzen-Obhut rücken. Das passt gewiß bestens zur gewandelten Öffentlichkeit in der kleinen Kapital-Metropole, mit einem Magistrat, der sich im wesentlichen um reibungslosen Geschäftsbetrieb und ein paar Konsum Events drum herum sorgt. Zumindest braucht sich die Einwohner Frankfurts bei dieser Eigentümerstruktur nichts mehr über “Qualitätsjournalismus” und “Meinungsvielfalt” vormachen.

Das letzte Lüftchen von zeitnah auf Papier veröffentlichter Sympathie etwa für Hausbesetzer, Mietverweigerer oder Flughafengegner wird in dieser Stadt Vergangenheit sein. Vermutlich wird die Einverleibung auch den Rückbau gedruckter Tageszeitungen in Frankfurt weiter beschleunigen. Immer nur Wiedergekäutes ermüdet nämlich auf Dauer selbst die bravsten Konsumenten.

Den Kollegen der Frankfurter Rundschau wird das alles im großen und ganzen egal sein. Entsprechend ihrer allgemeinen wirtschaftspolitischen Position erklärte das Frankfurter Medienmonopol nämlich, quasi keine Beschäftigten des insolventen Blatts zu übernehmen: “Verschlankung”.

Die neuen Besitzer rudern einen Tag vor der endgültigen Übernahme wohl wegen einiger atmosphärischer Unwilligkeit über die finanz-konservative Beschleunigung am Main etwas zurück: “Unter dem Dach der Frankfurter Societät, des F.A.Z.-Verlags und der Karl Gerold Stiftung geht die Traditionszeitung als unabhängige Redaktionsgesellschaft in die Zukunft” verlautbaren sie, und weiter: “Diese garantiert mit ihrer Stiftungsverfassung die Ausrichtung der „Frankfurter Rundschau“ als „unabhängige, linksliberale Tageszeitung“.

Die ehemaligen Leser der unabhängigen, linksliberalen Tageszeitung fühlen sich jetzt an einen echten Avatar in der Medienöffentlichkeit erinnert, aber ohne den glücklichen Verlauf im gleichnamigen Film, in dem der Agent schließlich erfolgreich die Seite zu den Subalternen wechselt. Denn einerseits ist die Vorstellung abwegig, dass karrierebewußte, eigennutzenoptimierende Jungjournalisten aus dem Frankfurter Westen zum Beispiel das aufmüpfige “Institut für Irrelevanz” in ihrer unmittelbaren Umgebung unterstützen. Andererseits sind Figuren wie Steinbrück oder die Grünen ja selbst Avatare, die vor Wahlen das müpfige Ensemble auf der Bühne abgeben und danach die Agenda 2020 anleiern, und das passt so richtig zur Frankfurter Societät und dem F.A.Z.-Verlag.

Aber vielleicht erfahren solche Protagonisten genau deswegen in Frankfurt einige Sympathie, auch rund ums Westend und der neue FAZ-Avatar gibt den publizistischen Conferencier für dieses Spiel. Und wie zur Bestätigung oder vielleicht zum Hohn blendet die Druckausgabe der FR von heute, Donnerstag, 28.2.2013, dem letzten Tag ihrer alten oder ersten ihrer neuen Existenz diese Realität fast völlig aus: auf den vielen Seiten, die der Papst-Vorderseite folgen, werden die Übernahme durch die FAZ und die geschilderten Bedingungen tatsächlich nur mit einer schmalen Meldung – von dpa/epd als “objektive Instanzen” – erwähnt!

Frankfurt scheint einen Schritt weiter zur echten Avatar-City am Main.

Wir möchten aber als Redaktion betonen, dass die “Frankfurter Gemeine Zeitung” nicht der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (F.A.Z.) verbunden ist, sondern höchstens in geografischer Nähe hergestellt wird, wenn wir vom Web mal absehen. Und wirklich: die kommerzielle deutsche Presselandschaft wird von wenigen Konzernen beherrscht, und das schlägt sich manifest in den Inhalten nieder.

Unserer Serie zu Rundschau und dem Medienumbruch lässt sich hier nachlesen


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