Frankfurter Gemeine Zeitung

P A S S I O N – Ein Opern- und Theaterfest in der Naxoshalle

O S T E R N 2013

Der vierstündige Abend der KAMMEROPER Frankfurt und des THEATER WILLY PRAML bietet ein ungewöhnliches Opern- und Theaterfest in der Naxoshalle.

Theater, Oper und Kammermusik werden dabei zu einer Art Gesamtkunstwerk verschmelzen, das das Osterthema aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Es führt von der Alltagsgeschichte einer verlassenen Liebhaberin hinüber zur großen Erzählung vom Tod des Menschensohns. Der Begriff PASSION: Leiden und Leidenschaft verbindet die drei Teile des gemeinsamen Projekts zu einer Suche nach dem Anfang und dem Ende des Lebens.

Die Termine der Doppelvorstellungen sind: 29./ 30./ 31. März und 01. April jeweils 18 Uhr.
Es gibt aber auch Einzelvorstellungen von JESUS D`AMOUR, gest./ auferst. Die Passion am 28. März um 20 Uhr und Einzelvorstellungen DIE MENSCHLICHE STIMME. Oper von Poulenc am 27. März/ 03./ 05./ 06. April jeweils 20 Uhr.

Foto: Seweryn Zelazny

Am Anfang steht die Oper – und eine verlassene menschliche Stimme. Eine Frau telefoniert mit ihrem Liebhaber, der nach fünf Jahren nichts mehr v on ihr wissen will. Zwischen Abgeklärtheit, Verletztheit, Koketterie und Verzweiflung bewegen sich ihre Worte schamlos hin und her, jetzt, da sie den Mittelpunkt ihres Lebens verliert.

DIE MENSCHLICHE STIMME von Francis Poulenc (nach einem Theaterstück von Jean Cocteau) ist ein Unikum der Operngeschichte: eine Telefonoper, die uns zu Voyeuren eines intimen Gespräches macht und eine Oper für eine einzige Sängerin. Der Mann, das Ziel der Wünsche und Verwünschungen, bleibt unhörbar. Poulencs Musik folgt jeder Gefühlsschwankung und entwirft ein Psychogramm von äußerster Intensität.

Die psychologisch und sängerisch anspruchsvolle Solopartie interpretiert Ingrid El Sigai.

Das Ende des Monodramas deutet einen Selbstmord an, doch die KAMMEROPER FRANKFURT und das THEATER WILLY PRAML führen die Geschichte der Frau unkonventionell weiter. Die Verlassene gebiert ein Kind. Ist es der Sohn eines Gottes?

Andrea Cavallari, zeitgenössischer italienischer Komponist, hat dazu als Intermezzo eigens ein Streichquartett komponiert. Cavallaris Musik ist seit Jahren auf vielen internationalen Festivals präsent, so auf dem “Festival dei Due Mondi” in Spoleto, der “Documenta” in Kassel, den “Jornadas de Musica del Siglo XX” in Segovia und der Royal Festival Hall in London.

Das Panorama weitet sich im dritten Teil aus von der vergeblichen Passion einer einzelnen Frau zur Passion Christi. Unter dem Titel: JESUS D ´AMOUR, gest. / auferst. DIE PASSION nach den Evangelien des Markus, Lukas, Matthäus und Johannes wagt sich das THEATER WILLY PRAML an das Kernstück des Christentums heran: den Tod von E i n e m – Gott und Menschensohn in eins, mit dem die Liebe in die Welt kommt.
Ausgangspunkt: Jerusalem, die politische Zuspitzung und dann der Tod am Kreuz.

Es geht um die alte Frage, die in ihrem Kern bis heute Bedeutung hat, die Frage danach, was passiert, wenn E i n e r mit der Unbedingtheit seiner Ansprüchen an A l l e auf den Widerstand einer starren Gesellschaft trifft.

Diese biblische Passionsgeschichte präsentiert das THEATER WILLY PRAML jenseits von Oberammergau: in einer Mischung aus Wucht und Komik.

Über den großen Menschheitsfragen wird der Leib nicht vergessen: Zwischen den einzelne Teilen kann sich das Publikum an einem ÖSTERLICHEN CATERING laben.

 

 


Operationsbedürftig im Frankfurter Niemandsland

Europa abseits der Geld-Rettung:

Arbeitsunfall im Industriepark, Scheinselbständigkeit und die bitteren Konsequenzen für bulgarischen Bauarbeiter

Nach einem Arbeitsunfall Ende Januar im Industriepark Höchst bangt der Bulgare Biser R. um seine Gesundheit: Er muss dringend operiert werden. Diagnose der Ärzte lt. MigrAr (Gewerkschaftliche Anlaufstelle für prekär beschäftigte Migrantinnen mit und ohne Papiere) vorliegenden ärztlichen Gutachten: Harnröhrenabriss, weitere innere und äußere Verletzungen. Es folgt die „eindringliche Empfehlung einer operativen Versorgung innerhalb der nächsten 4-6 Wochen“. Ansonsten dro ht eine chronische Erkrankung. Biser R. ist 37 und wäre damit vermutlich für den Rest seines Lebens in seiner Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität eingeschränkt.

Doch Sozialamt und Uni-Klinikum streiten sich seither über die Kostenübernahme. Biser R., aufgrund seines Unfalls arbeits- und mittellos, hat zwischenzeitlich seine Wohnung verloren und lebt in der städtischen Notunterkunft in der Ostparkstraße. Er lebt von Spenden und von – bescheidenen – Lebensmittelgutscheinen des Jobcenters Mitte, bei dem er sich inzwischen mit Hilfe von MigrAr (Gewerkschaftliche Anlaufstelle für prekär beschäftigte Migrantinnen mit und ohne Papiere) arbeitslos gemeldet hat.

Biser R. ist nicht krankenversichert – dazu hätten ihn seine Auftraggeber, der Subunternehmer A. und der Generalunternehmer O.A.M. Industriedemontage GmbH mit Sitz im Industriepark Höchst, anmelden müssen. „Bis Ende dieses Jahres genießen EU-BürgerInnen aus Bulgarien und Rumänien nur eine eingeschränkte Freizügigkeit – sie dürfen nur als selbständige Gewerbetreibende hier arbeiten“, so Kirsten Huckenbeck, Beraterin bei MigrAr.

„Wir kennen aus unserer Beratungspraxis viele Fälle, in denen Arbeitgeber dies ausnutzen und die Menschen als Scheinselbständige oder auf Werkvertragsbasis einsetzen, obwohl sie sie aufgrund der tatsächlichen Abhängigk eits- und Arbeitsverhältnisse eigentlich zur Sozialversicherung anmelden müssten. Wenn sie das nicht tun und dann ein Arbeitsunfall passiert, wie im Falle Biser R., stehen die KollegeInnen völlig schutzlos da und fallen durch alle Maschen des Sozialsystems“, so die Beraterin weiter. „Das halten wir für einen Skandal“.

Biser R. muss schnellstens operiert werden, wir fordern das Sozialamt und das Unklinikum auf, sich dringend zugunsten des Patienten zu einigen und die Fehler Europäischer Sozialpolitik nicht auf dem Rücken eines schwer verletzten Kollegen auszutragen.

Für Rückfragen:

Kirsten Huckenbeck, 069 – 67 99 84; mobil: 0151 – 591 08 266

MigrAr – Gewerkschaftliche Anlaufstelle für MigrantInnen mit und ohne Papiere

Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77; 60329 Frankfurt


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