Frankfurter Gemeine Zeitung

Im mondänen Grünen hinterm Bankenviertel: schwierige Suche nach SPD-„Gerechtigkeit“

Zweifelsohne hat sie es schwer, die alte SPD. In Frankfurt muß sich ein einsamer Oberbürgermeister gegen die übermächtige schwarz-grüne Front wehren, die auf der Welle  allgemeinen Wohlfühlens surft, die durch die Stadt wogt. Denn es boomt, angeblich, und laufend werden neue Immobilienpaläste eröffnet. Selbst die Banken leben immer noch – so einigermaßen gut, wie man hört. Geldschwemme hier, Siegeszug des DAX dort. So prächtig kommt´s am Main!

Erfolg im Wettbewerb heißt das nationale Motto und mit einem Latte Macchiato neben dem basic Markt kommt passgenau dasjenige der Stadt dazu. Schwer haben es in diesem Klima Parteien, die mit fader „Gerechtigkeit“ in den Frühling kommen wollen. Das klingt so nach “südliche EU-Staaten”. Besonders wenn die Partei SPD heißt, und die Leute, selbst solche die  wählen, ihnen noch weniger trauen als der konservativen Phalanx, sei sie schwarz oder grün. All das verkünden uns Tagein Tagaus brav die Medien.

Der Politiker mit schlechtester Presse, Bundeskandidat der SPD kommt die Tage nach Frankfurt, vermutlich um „Wahlkampf“ zu führen. Eben mit „Gerechtigkeit“ im Gepäck reist er an, möglichst nahe an das Bankenviertel, möchte aber eher nicht direkt am Fuße der Deutschen Bank die Zelte aufschlagen. Kommt zu schlecht an, dachten vermutlich Peer Steinbrück und seine Wahlkampfmanager, wenn in der exquisiten Alten Oper, sozusagen das bourgeoise Kulturmonument der Stadt ausgerechnet über „Gerechtigkeit“ verhandelt würde. Wie wollte man in den Säulenhallen hinter der Fressgaß auch locker über Erfolge bei Hartz4 schwadronieren?

OK, ein paar Meter weiter, nicht ganz so auffällig, aber fast noch gediegener. Das Gesellschaftshaus im Palmengarten hat die Stadt gerade für 40 Millionen rekonstruiert, die privaten Pächter erhalten von der Stadt Mietpreise, die als Leuchtturm gelten können, nämlich 5-6 Euro für den Luxus-Quadratmeter. Wirklich ein echtes Vorbild für Frankfurter Gerechtigkeit, mögen sich die SPD-Wahlkämpfer gedacht haben, denn wer wollte nicht solche günstigen Mietpreise heutzutage.

Was ihnen dagegen wohl durch den Kopf ging bei den Kosten für horrende Saalmieten und das Drumherum im Grünen des Westends: diese erreichen schließlich schnell an einem Nachmittag die Summe, mit der die Pächter eine Monatsmiete für die Kommune finanzieren können? Vielleicht war es den Beratern egal, und sie wollten schlicht etwas Wirtschaftsförderung für Luxusdienstleistungen am Main betreiben, im Geiste des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder. Oder bekam die SPD gar von der neuen Palmengartenfirma einen Sonderpreis, eingedenk alter Hilfen beim lukrativen Pachtgeschäft?

Vermutlich ist die Auswahl des Ortes noch trivialer, an dem sich Interessierte Donnerstag, den 18. April, natürlich nur mit Voranmeldung und Personalausweis von Herrn Steinbrück über Gerechtigkeit belehren lassen. Es gibt dort ganz ausgezeichneten Rotwein, die Flasche für 200, 400 Euro und vor kurzem war in diesem kommunal finanzierten Gebäude noch die nette Goldman Sachs Company zu Gast, neben vielen anderen Finanzinstitutionen und betuchten Konsorten. Gewiß ein Super Start des Geschäfts für die Betreiber, und ein passendes Ambiente für einen Kandidaten mit klarer Kante. Und dann kommt noch das Gefühl von feudaler „Pracht für die Erfolgreichen“ dazu, das schon bei deutsch-kaiserlicher Einweihung vor bald eineinhalb Jahrhunderten das Gebäude durchzog. Und solches hat gegenwärtig sicher Hochkonjunktur.

Na, wenn diese Gerechtigkeit nicht gut bei der Frankfurter Bevölkerung ankommt! Sei sie rot oder schwarz-grün.


4 Kommentare zu “Im mondänen Grünen hinterm Bankenviertel: schwierige Suche nach SPD-„Gerechtigkeit“”

  1. Trickster

    Zumindest beim Frankfurter Unterbezirk ist die Geschichte nicht so gut angekommen, wie man hört, wurden sie weder informiert noch um eine Stellungnahme gebeten, da waren sie dann sauer. So haben sie sich geweigert, diese Veranstaltung auf ihrer Homepage anzukündigen, immerhin. Dass man hier aber trotzdem dem alten Sowohl als Auch frönt, zeigt die Teilnahme von Feldmann. Alles wie gehabt und für die paar aufrechten Linken in der SPD hier sicherlich nicht gerade förderlich.
    Man wendet sich mit Grausen, um bei einem berühmten Frankfurter zu bleiben.

  2. Debaser

    Sicher, dass der Termin stimmt?

    Siehe auch:
    http://peer-steinbrueck.de/laenderreise/92468/terminuebrsicht_laenderreise_steinbrueck.html

  3. gaukler

    Ohweh, die SPD-Basis torpediert da wohl kalendarisch. Termin habe ich auf 18. korrigiert.

  4. gaukler

    Tja, das war wohl ein Irrtum. Die Veranstaltung war am gestrigen 8.! Wir wissen nicht, wie wohl sich die SPD-Mitglieder zusammen dort gefühlt haben. Es soll ja noch manche geben…

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