Frankfurter Gemeine Zeitung

Berichtigung: Zähmung des Kapitalismus

Da hat die SPD Wixhausen doch glatt eine Ziffer unterschlagen, denn wie auf der Homepage der SPD zu erfahren, findet die Frankfurter Zähmung des Kapitalismus erst am
18. April um 17 Uhr 30
im Gesellschaftshaus des Palmengartens statt. Alles andere stimmt jedoch.
Peitschen gibt es auf Anmeldung bei der SPD (Personalauweis mitbringen).


Campus Bockenheim: ABG besichtigt Beute

Am kommenden Montag, 8. April gegen 10 Uhr beabsichtigt der zukünftige Eigentümer des Studierendenhauses auf dem Campus Bockenheim – die Frankfurter ABG Holding – eine „Hausbegehung seiner Immobilie“ durchführen.

Die strikt ertragsorientierte Wohnungsgesellschaft, überwiegend in kommunalen Eigentum, möchte begutachten, welche „Renovierungskosten“ nach dem Umzug des AStA der Goethe-Uni auf den IG-Farben-Campus im Frankfurter Westend zu erwarten sind, und zu welchen Preisen es danach potentiellen MieterInnen angeboten werden kann.

Vielfältige Erfahrungen mit der ABG Holding (u.a. bei überstürzten Häuserräumungen in letzter Zeit, wie beim 2. „Frankfurter Häuserkampf“ in der City West vor jahren, oder dem aktuellen Verhalten gegenüber Mietern im Mainfeld, … ) bestätigen, dass diese „städtische Wohnungsbaugesellschaft“ ebenso profitorientiert agiert wie beispielsweise die private Immobilienfirma „Franconofurt“ beim besetzten “Instituts für vergleichende Irrelevanz” in unmittelbarer Nähe.

Aktivisten aus dem Stadtteil erwarten, dass viele Interessierte die angekündigte „Hausbegehung“ kritisch begleiten und die Verteidigung von politischen / kulturellen Freiräumen thematisieren.


Aktuelles Klima – Bornheim im Frühling?

Nein, am Fünffingerplätzchen auf der oberen Berger gibt der Frühling auch noch kein Zeichen von sich. Um 12 Uhr mittags zeigt das Thermometer knappe 5 Grad, “gefühlte 1 Grad”, so wie heutzutage die Nachrichten gerne Gefühle für uns rüberbringen.

Ja, der gefühlte Mittelpunkt Bornheims zieht im neuen Jahr beim profitablen Umbau der ganzen Strasse weiter mit. Er soll Frankfurt helfen, im wirtschaftlichen Wettbewerb der Städte auf Dauer voran zu kommen. Auch im kleinen Abschnitt vom zweiten Uhrtürmchen bis zum Solzer werden die entsprechenden Erfahrungen geschäftlichen Erfolgs aus der unteren Berger nachvollzogen. Es präsentieren sich neue Kneipen und reichlich kreativ überdachte eine hippe Bar vor Ort gleich den ganzen Bürgersteig, mit einem der netten weißen Plastikzelte, die wir alle so lieben. Frühling!

Ach so, ich sollte erklären, die Berger Strasse untere Hälfte, südlich der Höhenstrasse gehört zum Nordend, und wurde entsprechend schneller im Sinne unternehmericher Stadt umgebaut. Nach verschiedenen Phasen in den letzten 20 Jahren wurde jetzt das optimale Kneipen-Boutique-Gleichgewicht erreicht (“nachhaltig”), mit dem maximale Käuferschaft aus dem Umland herbeigezaubert werden kann und die Mieten richtig durch die Decke gehen. Und es gibt mehrtägige Sales-Events, die als Strassenfest verkleidet eine Million Besucher anziehen, zumindest nach Frankfurter Zählweisen.  Aus dieser Ecke stammt der nette Frankfurter Begriff von “grüner Latte-Bourgeoisie”.  Nich mehr so richtig was für mich.

Hoch zum Uhrtürmchen, vorbei an gefühlten 100 Backfilialen und dem kalten Wind um den pleitebedrohten Saturn-Markt,  kommen wir nach “Alt-”Bornheim, sehen überall FSV-Plakate. Ausserdem sitzen manchmal Leute bettelnd auf der Strasse und andere, oft ältere durchwühlen die reichlich vorhandenen Papierkörbe. Das muß mit dem wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands zusammenhängen, den unsere Medien seit Jahren bejubeln. Als Kontrapunkt sehen wir dieses Jahr – jetzt schon – ein paar mehr von den Porsches und Jaguars, die Gegend nach Trophäen durchstreifend oder forsch halb in die Fahrspur rein abgestellt. Denen gehört halt die Welt, muß auch mit dem wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands zusammenhängen.

Ein Stück nach der UBahn Höhenstrasse öffnet sich rechterhand die Lücke in der Häuserfront, die einige vor gut 10 Jahren eingefallene Fachwerhäuser hinterliessen. Das letzte Fachwerkhaus daneben steht noch, zum Glück. Es beherbergt nämlich die Szene-Kneipe Klabunt, tatsächlich die einzige der 100 Lokalitäten in der ganzen langen Strasse, die uns irgendwie mit kulturell-politischen Veranstaltungen beglückt – schwarz-grüne Kulturstadt Frankfurt. Sie sollte bereits vor einem Jahr abgerissen werden, eine Art Geschäftsgalerie mit Eigentumswohnungen wird an ihrer Stelle avisiert. Behebung eines echten Mangels in Bornheim.

Ein paar Meter weiter, etwas verborgen wurde einer der wenigen großen Hinterhöfe planiert, eine ausladende ETW-Anlage steht in der Planung. Immerhin blieb noch ein kleines altes Haus übrig. Alles traurig fürs Klima hier hinten.

Wen ich hier jetzt, im kalendarischen Frühling aber noch nicht getroffen habe, sind die Gruppen von spanisch sprechenden IT-lern, die im Sommer seit gut einem Jahr gerne die Tische rund um den Solzer bevölkern. Aber als Kontrapunkt dazu sah ich diverse zefetzte Plakatkartons an Masten baumeln, in dem die Partei “Linke” eine aktuelle Veranstaltung zu prekären Lebensweisen ankündigte. Wohl ein drohender Hinweis für die Rechtsradikalen, die in den Seitenstrassen des Frankfurter Ostens leben.

Muß alles auch irgendwie mit dem wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands im internationalen Wettbewerb zusammenhängen.


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