Frankfurter Gemeine Zeitung

Volle Kasse im Römer: zumindest für “kaiserliche Pracht” und Altstadt

“SPAREN” heisst das allgegenwärtige Motto rund um öffentliche Kassen, wir können es kaum noch hören. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn es um Pracht in Gebäuden aus dem 19 Jahrhundet und davor geht, wenn die Wirtschaftsförderung,  lukrative Geschäfte für einzelne Unternehmen, das schöne Interieur für wohlbetuchtes Klientel auf der Agenda steht. Das war kürzlich beim Palmengarten Gesellschaftshaus so, und deutet sich beim Neubau der “Altstadt” hinterm Römer schon wieder an.

Ein politisches und ökonomisches Prozedere wird deutlich: mach den Preis möglichst niedrig, damit ein Projekt von Parlamenten leichter angenommen wird. Danach den Preis Zug um Zug erhöhen, einfach immer frecher werden: 20,40, 100 gar 200 Prozent mehr geht inzwischen glatt durch.

Während für jede Kleinigkeit über “Kostenmonitoring” geschwafelt wird, läuft im öffenlichen Bau inzwischen vieles, besonders Multimillionenprojekte ohne Stopptaste aus dem Ruder. Verträge werden heute meist “geheim” verhandelt, so dass eine demokratische Steuerung im Anschluß systematisch ausgehebelt wird. Seit Jahren werden die Kostenspiralen quer durch die Republik wiederholt – offenbar kein Problem in der klammen Kasse.

In Frankfurt kommt das Bauprojekts an der Braubachstrasse in den zweiten Gang. Schon in der Vorphase gehen die Kosten jetzt von 100 Millionen über 136 auf 150 Millionen Euro hoch: kaum jemand wundert es dann noch, wenn schließlich 200 Millionen oder mehr rauskommen – streichen wir halt ein bißchen bei anderen städtischen Leistungen.

Während die Grünen einst die Römer-Ostzeile nach Art der gehübschten Spielewelt von “Märklin-Eisenbahn” ablehnten, reden ihre konservativen Nachfolger vom “Stück seiner verloren gegangenen Geschichte”, das in dem Frankfuter Erlebnispark am Dom plaziert werden soll. Man hört nicht recht: eine “Herzensangelegenheit” sei die avisierte Puppenstube.

Es kommt auch gut für die Tourismusbranche und den Städtewettbewerb, wenn sich im Zentrum unter den Glastürmen eine aufgehübschte, sterile Flaniermeile mit “Guido Knopp Flair” anbietet. Armes Frankfurt!


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.