Frankfurter Gemeine Zeitung

Im Jahr danach

Es ist jetzt ein Jahr her, dass in Frankfurt die Wahl zum OB anstand und oh Wunder, es wurde nicht der designierte Prinz, sondern ausgerechnet einer aus der SPD und dazu noch aus der sozialen Arbeit.
Dies erzeugte auf der einen Seite grosses Klagen und untadelige Kenner des Frankfurter Lebens prophezeiten schon die Einkehr des Sozialismus, schalteten hoch-suggestive Anzeigen und fürchteten um ihre Etablissements, während die anderen eine Zukunft heraufdämmern sahen, voll sozialer Ausgeglichenheiten, ein neues und sozialdemokratisches Zeitalter in dieser Stadt. Dass dies alles mit einer Wahlbeteiligung unter 40 %, in einigen Teilen unter 30 erreicht werden konnte, spricht für eine starke qualifizierte Minderheit.
Die einen hofften, die anderen bangten und alle waren neugierig auf die neue Zeit. Die ist nun da und wie. Der neue Mann liess sich bei den üblichen Frankfurter Events nicht sehen und das schien ein Hinweis auf die geträumte Zeitenwende (wer freiwillig nicht zur Initiation in den ‘Tiger-Palast kommt und sich den Zorn des Haushofmeisters zuzieht, kann ein so schlechter Mensch nicht sein). Und prompt wurde sein Veto zum Verkauf der Nassauischen Heimstätte allerorten kolportiert. Und dann war es ruhig, bekam das Planungsdezernat grössere Kompetenzen und stieg der Geschäftsführer der ABG-FH zum Intimus auf, der sogar die Neujahrsrede halten durfte.
Seitdem hat Frankfurt ein neues Mantra und das heisst: „Bauen, bauen, bauen“. Das sieht man allenthalben.
Und so plant die ABG mit frischem Schwung in Bockenheim und im Mainfeld, sehen die grossen Investoren ihre Stunde gekommen und gestalten den Gallus und das Ostend ganz nach ihrem Gusto, der sozialdemokratische Adel empfängt im Gesellschaftshaus des Palmengartens (nur geladene Gäste) und Feldmann ist überall. Der soziale Ausgleich wird in bester Schröder-Manier voran getrieben und zugleich der Standort gehegt (Platz 1 im Städte-Ranking).
Mit Junker an seiner Seite stellt er sich, macht Spaziergänge, hält Meetings ab, auf denen beide erklären, wie schön dieses Frankfurt wird, man solle sie nur machen lassen, auf Fragen nach Eingriffen seitens der Stadt zu einer Regulierung des Wohnungsmarkts bekennt er freimütig, dass sich die Menschen nicht allzu grosse Hoffnungen machen sollen, aber kräftig weiter Widerstand leisten. Gut, dass wir darüber geredet haben.
Zurück in seinen Gefilden geht es an die Entscheidungen, der Hebesatz für die Gewerbesteuer wird nicht nach oben korrigiert (tut dem Standort nicht gut), die Eintrittspreise für Schwimmbäder, Museen, Palmengarten werden erhöht, die für KiTas auch (nur für die Besserverdienenden, immerhin).
Gerade zeigt Hamburg, dass Kommunalpolitik doch noch Spielräume hat und bringt eine Verordnung bezüglich Leerstand und Spekulation auf den Weg, nicht so in Frankfurt.
Als Mann der Sozialarbeit ist er es gewohnt mit warmen Worten das Elend zu verwalten und weiss mit Sicherheit, was lebensnotwendig ist und was nicht. Die Wirtschaft ist es und Schluss.
Sein Auftreten ist konziliant, leise bis zur Unverbindlichkeit und seine Strategie derart klandestin, dass man sie vergeblich sucht. Bescheiden dämpft er die Erwartungen an ihn, so dass wir getrost alle in den Mülleimer werfen dürfen.
Wenn nun Ende des Monats der deutsche Städtetag in Frankfurt zu Gast ist, werden wir eine grandiose Rede erwarten dürfen und vor lauter sowohl als auch keinerlei Konsequenzen.
Meiner Treu, er ist halt doch einer von uns.


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.