Frankfurter Gemeine Zeitung

Veranstaltung: Im Schatten der Türme

Hochprekäre Beschäftigungsformen in Frankfurt – Widerstand und Unterstützung von prekär beschäftigten MigrantInnen in und gegen diese Arbeitsverhältnisse

Dienstag, 28. Mai 2013 um 19.30 Uhr im DGB-Jugendclub – Wilhelm-Leuschner-Str. 68 (Hintereingang), Frankfurt a.M.

Eine Informations- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Blockupy-Aktionswoche mit

Michael Weissenfeldt, Betriebsrat bei Maredo, zu den Zuständen in der System-Gastronomie und dem Kampf bei Maredo;

Agnieszka Satola, Forscherin, zur Situation osteuropäischer Pflegekräfte in Privathaushalten;

Lars Diekmann, IG BAU, zur Organisierung von Reinigungskräften;

Kirsten Huckenbeck, MigrAr Rhein-Main, zum exemplarischen Fall von Biser Rusev.

Hagen Kopp, kein mensch ist illegal, Hanau, Moderation

Die Dienstleistungsökonomie im Rhein-Main-Gebiet boomt: Für die einen ist sie Wachstumsmotor und Garant für Beschäftigung und Einkommen, für die anderen heißt dies vor allem Ausweitung von Niedriglohnarbeit und prekärer Beschäftigung. Wenn Kosten nicht durch Produktions- und Standort-Verlagerung gesenkt werden können, dann wird die Konkurrenz importiert und der Wettbewerb vor Ort entfacht. Eine besondere Rolle spielen dabei das EU-Grenzregime nach außen und die EU-Migrationspolitik nach innen. Sie fungieren als Filter für ein „Migrationsmanagement“, das quer durch Europa meist junge migrantische Arbeitskräfte zu Niedriglöhnen in die standortgebundenen Sektoren steuert. Auf dem Bau, in der Landwirtschaft, in Haushalten und zur Pflege, im Reinigungsgewerbe, in der Gastronomie oder auch in der Sexarbeit werden billige und fügsame Beschäftigte benötigt, deren Dumpinglöhne und Disziplinierung quasi ausländerrechtlich erzwungen werden. Wer sich ohne Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis und ohne Sozialleistungen durchschlagen muss, sieht sich zumeist recht- und wehrlos und ist besonders erpressbar. Das gilt für MigrantInnen aus Nicht-EU-Ländern, in der Praxis der Sozial- und Ausländerbehörden jedoch auch für EU-BürgerInnen, insbesondere wenn sie aus Rumänien oder Bulgarien kommen.

Nicht nur im Rhein-Main-Gebiet schuften mittlerweile Tausende als Scheinselbständige oder im Rahmen illegaler Arbeitnehmerüberlassung, oft werden sie von mafiösen Subfirmen oder Vermittlern um ihren versprochenen Lohn betrogen und sind nicht sozialversichert. Davon profitieren in erster Linie die großen (General-)Unternehmen, die in ihren Angeboten mit der Überausbeutung von vor allem MigrantInnen in Subkontraktketten kalkulieren – und auf diese Weise die Konkurrenzbedingungen für alle verschärfen.

Eine öffentlichkeitswirksame Skandalisierung dieser Praktiken und die Ermutigung und direkte Unterstützung der Betroffenen ist daher notwendig. Im November 2012 gelang es 13 rumänischen Arbeitern, die im Frankfurter Europaviertel am Bau von Luxuswohnungen beschäftigt waren, durch öffentliche Protestaktionen und mit Hilfe des DGB-Projektes „Faire Mobilität“, die Zahlung der ihnen vorenthaltenen Löhne durchzusetzen. Im April 2013 unterstützte die gewerkschaftliche Anlaufstelle MigrAr einen bulgarischen Arbeiter, der bei Bauarbeiten verunglückt und dem zunächst die notwendige Operation verweigert wurde. Ihm konnte – auch mittels medialer Skandalisierung – die medizinische Notfallversorgung verschafft werden. Beide Fälle markieren nur die Spitze eines Eisbergs, dem Alltag hochprekärer Beschäftigungsformen im Schatten der Bankentürme.

In der Veranstaltung wollen wir das Podium als kleines Panoptikum zu unterschiedlichen Dienstleistungsberufen gestalten und daran deutlich machen, dass dieser Sektor wesentlich auf verschiedensten Formen von (Hyper-)Ausbeutung beruht. Und dass ohne die bewusste Inkaufnahme und Ausnutzung all dieser Varianten prekärer Beschäftigung – von Werkverträgen, Befristungen, Leiharbeit, Mini-Jobs bis zur Bekämpfung gewerkschaftlicher Organisierung etc. – die vielgerühmte Dienstleistungsökonomie hier schon längst zusammengebrochen wäre.

Zugleich wollen wir aber auch berichten bzw. diskutieren, dass und wie Gegenwehr und sich daraus entwickelnde Alternativen möglich sind.

VeranstalterInnen: kein mensch ist illegal (Hanau), Redaktion express / AFP e.V., Gewerkschaftliche Anlaufstelle MigrAr Rhein-Main, Verein zur Förderung demokratischer Arbeitsbeziehungen und sozialer Gerechtigkeit e.V.

Information & Kontakt: kontakt@migrar-ffm.de

 


8 Kommentare zu “Veranstaltung: Im Schatten der Türme”

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